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Lübeck Von der Postvilla ins Gartenhaus: Das zweite Leben einer alten Tür
Lokales Lübeck Von der Postvilla ins Gartenhaus: Das zweite Leben einer alten Tür
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22:23 22.10.2013
Die Post hatte ihre Verwaltung in der Villa eingerichtet, die sich auf dem Areal an der Konrad-Adenauer-Straße/Fackenburger Allee befand. Im August 1989 wurde das Haus abgerissen. Quelle: Jatsch-Kösling/LN-Archiv
Lübeck

Normalerweise werden zuerst die Mauern hochgezogen und dann die Türen eingesetzt. Aber es geht auch anders herum: Peter Buhmann hat kurzerhand ein Haus um eine Tür gebaut. Genauer: Der 72-Jährige hat die alte Tür der sogenannten Dükerschen Villa, die bis 1989 in unmittelbarer Nähe der alten Post am Bahnhof stand, restauriert, in seinen kleinen Garten in Brandenbaum gebracht — und drumherum ein kleines Gartenhäuschen gebaut. Warum diese ungewöhnliche Aktion? Und was hat es mit dieser Tür auf sich?

„Wer weiß, wie viele Menschen einmal durch diese Tür gegangen sind“, sagt der Pensionär. 38 Jahre war er bei der Post beschäftigt. Die hatte seinerzeit die Villa von einem Kaufmann namens Düker gekauft, jenem Herrn, der das erste Auto in Lübeck besessen haben soll. Das Haus trug daher den Namen „Dükersche Villa“ und stand in der Blumenstraße, die später in Konrad- Adenauer-Straße umbenannt wurde. Die Post hatte ihre Verwaltung in dem schmucken Haus eingerichtet. Etwa 25 Jahre lang tat das Gebäude so seinen Dienst. Bis 1989 dann der Abrissbagger das Sagen hatte.

Das Haus war weg, nicht aber die Tür. Denn die hatte sich Buhmann gebunkert — unter einigen „widrigen Umständen“, wie er es schmunzelnd nennt. „Eigentlich“, erinnert sich Buhmann, „wollte sich ein Abteilungsleiter die Tür sichern. Aber der wurde kurz nach dem Mauerfall nach Mecklenburg-Vorpommern abkommandiert.“ Das war die Gelegenheit für Buhmann, zuzuschlagen. Kurzerhand nutzte er so manche Beziehung — und ergatterte so die Villatür, peppte sie mit einem neuen Anstrich auf und baute im Garten ein kleines Häuschen drumherum.

Zu gern erinnert sich Buhmann an einen „tollen Amtsvorsteher“, der jeden Morgen mit seiner Aktentasche durch die alte Tür ging. Peter Buhmann ließen diese und andere alltägliche Szenen nicht los. Er denkt gern an all jene Kollegen zurück, die ein Vierteljahrhundert ebenfalls diese Tür durchschritten haben. Er hofft, dass sie sich darüber freuen, dass es die Villatür noch gibt — und sich an die alten, schönen Zeiten erinnern.

„Irgendwie schreibt diese alte Tür Geschichte“, sagt Buhmann nachdenklich. „Ich konnte doch nicht hinnehmen, dass so eine schöne Tür vor sich hinrottet“, sagt Buhmann und zeigt auf sein kleines Gerätehäuschen. Mit der geretteten Tür verbindet der Lübecker „Erinnerungen an wunderschöne Jahre bei der Post. Eine wirklich große Familie.“

„Eigentlich wollte sich ein Abteilungsleiter die Tür sichern. Aber der wurde abkommandiert.“
Peter Buhmann

Rüdiger Jacob

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