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Lübeck Von einem Stau zum nächsten
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21:56 27.07.2017

Claudia Kobel kurbelt ihr Fenster herunter, streckt den Kopf hinaus und versucht genervt an den vor ihr stehenden Autos vorbeizuschauen. Dann setzt sie den Blinker und fährt an die Tankstelle. „Puh, ich brauchte eine Pause“, seufzt sie und kauft sich ein gekühltes Wasser. „15 Minuten fahre ich normalerweise von der Arbeit nach Hause. Derzeit brauche ich mindestens 35 bis 40 Minuten.“ Der Arbeitsweg der 31-Jährigen führt über den Berliner Platz. Doch der ist seit der Sperrung der Anschlussstelle Genin zur A 20 vollkommen überlastet.

Viele Baustellen plagen Auto- und Busfahrer – Berliner Platz wird zum Nadelöhr.

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Und das, obwohl hier vorher schon kein Durchkommen war. Denn die Autokolonnen stauen sich seit Wochen von der Possehlbrücke zurück. Derzeit wird der Verkehr mittels einer Baustellenampel in beide Richtungen über die Brücke geführt. Doch der Rückstau ist immens. Einen guten Kilometer stehen die Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange – bis in den Berliner Platz hinein. Zusätzlich verläuft nun die Umleitung rund um die A-20-Baustelle von Genin zur Anschlussstelle Moisling über die Malmöstraße. Doch weil die dicht ist, fahren viele über den Kreisverkehr. „Zwischen 15 und 16 Uhr ist es am schlimmsten“, sagt Enrico Wegner. Er ist Geschäftsführer der Tankstelle, die direkt an der Kreuzung Berliner Straße/Kronsforder Allee liegt. „Alle stehen sich gegenüber, nichts geht mehr“, hat er beobachtet.

Sowohl die Malmöstraße als auch die Geniner Straße sind voll. Beide Straßen kommen dann an der Geniner Dorfstraße zusammen, durch die der Verkehr in Richtung Moisling fließen soll. „Hier kommt man nicht voran“, weiß Werner Kieron, der das Trave Hotel betreibt. Wenn er aus dem Fenster blickt, ist es eigentlich immer voll in der Geniner Dorfstraße. „Ganz egal wann, seit die Ausfahrt dicht ist, fahren alle am Hotel vorbei.“ Auch die Buslinien sind von den Baumaßnahmen betroffen. „Wir spüren, dass die Kunden unzufrieden sind“, sagt Stadtverkehr-Sprecherin Gerlinde Zielke, „auch bei den Fahrern liegen die Nerven manchmal blank.“ Auf Staus in den Sommerferien haben sich zwar alle eingestellt, die derzeitige Situation übersteigt aber jede Erwartung. Nicht nur in St. Jürgen, auch in der Fackenburger Allee müssen Wartezeiten einkalkuliert werden. „Dort wird der Verkehr derzeit vor dem Kreisverkehr einspurig. Und der Bus hat leider keine Flügel“, sagt Zielke. Am Lindenteller wird noch an drei Wochenenden gebaut. Dazu kommt die Erneuerung der Radwege rund um den Kreisel, deren Dauer laut Stadt noch nicht abschätzbar ist.

Neuen Asphalt bekommt auch die A 1 zwischen dem Autobahndreieck Bad Schwartau und der Anschlussstelle Sereetz. Die Autobahn wird auf diesem Stück zweispurig – gerade in Feierabendzeiten und an den Wochenenden eine Geduldsprobe für Lübecker und Urlauber. Bis Ende des Jahres soll dort gebaut werden. Eine Herausforderung ist außerdem die A-226-Baustelle. Bis Dezember ist die Autobahn zwischen Lübeck- Dänischburg und Bad Schwartau gesperrt.

Und im Mönkhofer Weg ist ebenfalls bis Ende August kein Durchkommen mehr. Auch hier wird der Asphalt erneuert.

Immerhin nur noch eine Woche ist die Hubbrücke gesperrt, am 4. August soll sie wieder öffnen. Dass an allen Ecken gleichzeitig gebaut wird, stößt bei vielen auf Unverständnis. „Es war völlig absehbar, dass gerade in St. Jürgen der Verkehr vollkommen zusammenbricht“, sagt Claudia Kobel. Und es ist noch mehr geplant: Von Mitte August an soll der Mühlendamm für rund zwei Monate gesperrt werden. Auch hier muss dringend saniert werden, betroffen sind täglich 6100 Autos und 300 Radfahrer.

 Maike Wegner

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