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Lübeck Vonovia kauft 6200 Wohnungen in Lübeck
Lokales Lübeck Vonovia kauft 6200 Wohnungen in Lübeck
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21:50 30.04.2018
Der Mieterverein warnt vor stark steigenden Mieten durch Modernisierungen. Quelle: dpa

Vonovia hat die Einheiten vom österreichischen Wohnungsunternehmen Buwog in der Hansestadt übernommen. Das bestätigt das Unternehmen auf LN-Anfrage. Vonovia besitzt damit rund 7700 Einheiten in Lübeck und steigt damit zu einem der großen Vermieter an der Trave auf.

Große Vermieter

Vonovia ist mit rund 350 000 Wohnungen das größte deutsche Wohnungsunternehmen und ging aus einem Zusammenschluss der Deutschen Annington und Gagfah hervor.

Buwog ist ein österreichisches Unternehmen mit 49 000 Einheiten.

Der Mieterverein ist in Sorge. „Drastische Mieterhöhungen von bis zu 110 Euro pro Monat nach Modernisierungen im Brüder- Grimm-Ring durch Vonovia sind eine Warnung, womit in naher Zukunft verstärkt zu rechnen ist“, erklärt Thomas Klempau. Die 7700 Mietwohnungen von Vonovia seien „zum Teil stark sanierungsbedürftig und eine willkommene Gelegenheit, mit Modernisierungserhöhungen hohe Renditen zu erwirtschaften“, sagt der Geschäftsführer des Mietervereins.

Im Moislinger Brüder-Grimm- Ring hatten sich die Mieter öffentlich gegen die steigenden Mieten durch Modernisierung gewehrt. Auch unter den Bewohnern der künftigen Vonovia-Wohnungen zwischen Wendischer Straße und Pommerscher Straße brodelt es. Der bisherige Vermieter Buwog hat mit der Modernisierung von rund 180 Wohnungen begonnen. Nach Angaben von SPD-Politikern drohen Mieterhöhungen von bis zu 140 Euro. Dirk Rewohl und Ulrich Pluschkell wollen den betroffenen Mietern zusammen mit dem Mieterverein helfen, wenn diese sich gegen Mieterhöhungen wehren wollen.

Der Mieterverein (über 10000 Mitglieder) will das Problem aber grundsätzlich lösen und fordert die Aufnahme Lübecks in die Kappungsgrenzenverordnung des Landes. Die sieht vor, dass die Mieten innerhalb von drei Jahren nur 15 statt 20 Prozent steigen dürfen. Diese Bremse besteht seit vier Jahren, aber nur in ausgesuchten Gemeinden wie Kiel, Ahrensburg, Kampen oder Wyk auf Föhr. „Das wäre immerhin ein kleiner Schritt, um die stark gestiegenen und weiter steigenden Mieten etwas einzudämmen“, sagt Thomas Klempau. Außerdem wolle die neue Bundesregierung die Umlage bei Modernisierungen auf die Mieten absenken. Das komme aber nur in Kommunen zum Tragen, die in der Kappungsgrenzenverordnung aufgenommen seien. Der Mieterverein fordert deshalb einen Beschluss der Kommunalpolitiker, dass Lübeck in diese Verordnung aufgenommen werden soll.

„Das ist ein richtiger Vorstoß“, sagt Antje Jansen (GAL), „Mieten dürfen nach einer Modernisierung nicht so stark steigen.“ Lübeck sollte alle Möglichkeiten „gegen explodierende Mieten nutzen“, erklärt Michelle Akyurt (Grüne). SPD und CDU dagegen sind skeptisch. Die SPD will eine direkte, städtische Förderung an Vermieter, die frei finanzierte in Sozialwohnungen umwandeln. Peter Petereit:

„Kappungsgrenze – hilft das?“ Die CDU setzt auf den zügigen Bau neuer Einheiten. Christopher Lötsch: „Die Diskussion um die Kappungsgrenze geht am eigentlichen Ziel vorbei.“ Auch der neue Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) will erst einmal den neuen Mietspiegel abwarten, um zu wissen, ob Lübeck es in die Landesverordnung schafft.

Laut Kieler Innenministerium wirken Kappungsgrenzen und Mietpreisbremsen ohnehin nicht. Der angestrebte Effekt, die Mieten stabil zu halten, sei nicht eingetreten, erklärt das Ministerium, das jetzt auf der Suche nach „geeigneteren Instrumenten“ ist.

 Kai Dordowsky

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