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Lübeck Hunde helfen psychisch kranken Kindern
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06:03 25.12.2018
Zwischen dem jungen Patienten und Diplom-Psychologin Valeska Bohnert sitzt „Skipper“ (6). Der Vierbeiner ist Therapie-Begleithund in der Vorwerker Fachklinik für Junges Leben. Insgesamt gibt es drei Vierbeiner im Haus und alle zaubern den Kindern und Jugendlichen ein Lächeln ins Gesicht. Quelle: Vorwerker Diakonie/Olaf Malzahn
St. Lorenz Nord

 Er ist ein Herzensbrecher: sanftmütige Augen, verschmust, geduldig und einfühlsam. „Skipper“ (6) heißt der Irish Soft Coated Wheaten Terrier. Er „arbeitet“ als Therapie-Begleithund in der Vorwerker Fachklinik für Junges Leben. Insgesamt gibt es drei Vierbeiner im Haus. Sie bringen junge Patienten zum Lächeln, denen das Lachen vergangen ist.

Auf Stationen mit Kindern und Jugendlichen, die unter Ängsten, Depressionen, Zwängen oder chronischen Suizidgedanken leiden, gehen Freude und Glück nicht gerade ein und aus. „Aber wenn Skipper durch die Tür kommt, gibt es eine La-Ola-Welle“, sagt Hundebesitzerin und Diplom-Psychologin Valeska Bohnert schmunzelnd. Und tatsächlich. „Skipper“ trappelt zu der Station „Seeteufelchen“, schaut um die Ecke, und eine Mädchenstimme ruft begeistert: „Oh, schaut mal, wer da ist!?“

„Er sieht aus wie ein Teddy“

Vor ein paar Jahren im Januar hatte Valeska Bohnert erstmals die Idee, mit einem Therapie-Begleithund zu arbeiten. „Es war ein Januar mit vielen depressiven Patienten“, erinnert sie sich. Die Psychologin machte sich auf die Suche nach einem „mittelgroßen, mittelschweren, sehr freundlichen Hund, der nicht haart“, sagt sie. So kam sie auf „Skipper“ mit dem superweichen Fell und dem großen Herzen. „Er sieht aus wie ein Teddy, fehlt nur noch der Knopf im Ohr.“

Noch wichtiger sind aber tadelloses Verhalten und absolute Disziplin. Beides gehört zur anderthalbjährigen Ausbildung eines Therapie-Begleithundes, erklärt Valeska Bohnert. Zurück im Büro holt sie ein Leckerli aus dem Schrank. „Skipper“ läuft zu ihr. Schwanzwedeln. Pfötchen heben. Hundeblick. Doch Bohnert sagt: „Decke“, und das Kerlchen legt sich klaglos in seine Ecke. Während sie die Wurst auf dem Schreibtisch in Stücke schneidet, bewegen sich nur seine Augenbrauen. „In der Ausbildung musste er auch lernen, das Leckerli liegen zu lassen, während ich den Raum verlasse.“

Diplom-Psychologin Valeska Bohnert steht im Gang neben ihrem Therapie-Begleithund „Skipper“. Quelle: Cosima Künzel

Für die Hundebesitzerin stand derweil viel Theorie auf dem Programm. „Ich habe gelernt, meinen Hund viel besser zu verstehen und zu spüren, wenn es ihm nicht gut geht, wenn er Stress hat“, sagt sie. Seit drei Jahren sind die beiden ein eingespieltes Team. Bohnert muss kaum sprechen. „Es reicht, dass ich leise knurre, wenn er noch mal nachdenken soll, ob sein Verhalten okay ist.“

Als Therapeutin hilft Bohnert unter anderem Kindern und Jugendlichen, die eine traumatische Erfahrung gemacht haben. „Das muss kein Tsunami sein“, sagt sie, „auch Mobbing kann traumatisch sein.“ Laut Bohnert ist dieses Schikanieren, Quälen und seelische Verletzen von Kindern und Jugendlichen ein großes Thema in der Fachklinik. Und die Fälle nehmen zu. „Es geht leider so einfach und schnell über die sozialen Netzwerke.“

So können Sie helfen

Immer mehr Kinder und Jugendliche müssen wegen Depressionen, Traumata, Ängsten oder Zwangsstörungen behandelt werden. Die Vorwerker Diakonie ist seit drei Jahrzehnten mit der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie in den dazugehörenden Ambulanzen und Tageskliniken in diesem Hilfefeld aktiv. Allein in Lübeck werden stationär jährlich 500 Patienten behandelt. Den wachsenden Herausforderungen begegnet die Vorwerker Diakonie, indem sie ihre Fachklinik für Junges Leben (Jule) ab 2019 komplett neu baut. Zwölf Millionen Euro werden dafür investiert, rund acht Millionen Euro Landeszuschüsse fließen ein. Die entstehende Lücke wird über Darlehen und – soweit möglich – über Spenden finanziert. Mehr Informationen über die neue Fachklinik finden Sie hier. Bei Fragen zur Arbeit der Fachklinik wenden Sie sich bitte per E-Mail an: kjp@vorwerker-diakonie.de

Das Spendenkonto 

Kontoinhaber: Vorwerker Diakonie gemeinnützige GmbH

IBAN: DE50 2305 0101 0160 4397 41

BIC: NOLADE21SPL

Sparkasse zu Lübeck, Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent

Die Spender werden in den LN genannt. Wenn Sie das nicht möchten, vermerken Sie im Verwendungszweck „bitte anonym“. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Früher habe ein Mädchen vielleicht ihrem ersten Freund sehr persönliche und intime Dinge in einem Brief geschrieben. Als die Beziehung zerbrach, konnte sie den Brief zurückfordern, man konnte ihn vernichten. Heute stellt der Freund so etwas aus Rache möglicherweise online, und es ist in der ganzen Welt. Daran kann ein junger Mensch zerbrechen. Solche und andere Fälle gibt es zahlreich. „Es ist alles so schnell getippt. Die Täter haben es hinterher oft gar nicht so gemeint. Aber die betroffenen Kinder sitzen dann irgendwann hier bei uns.“

Der Hund setzt sich neben den Stuhl und lässt sich kraulen

Und dann kann auch „Skipper“ helfen. Wenn die Psychologin mit Patienten oder Eltern spricht, spürt der Hund, wer Hilfe braucht. „Er geht hin, setzt sich neben den Stuhl und lässt sich kraulen.“ Das Streicheln könne beruhigen und Trost spenden. Für Patienten, die unter Depressionen leiden, eigne sich hingegen ein Spaziergang mit Stöckchenwerfen, erklärt sie.

Sonia Ludewig, leitende Psychologin, mit Welpe „Piri“. Die Mini American Shephard Hündin beginnt bald ihre Ausbildung als Therapie-Begleithündin. Quelle: Cosima Künzel

Zum Trio gehört auch „Alba“ von Tatjana Deters-Schwilski, Pflegedienstleitung der Tageskliniken. Die Hündin der Rasse Lagotto Romagnolo ist bereits „Azubi“, während „Piri“ im Mai die Ausbildung zum Therapie-Begleithund beginnt. „Piri“ ist eine fünf Monate alte Mini American Shepherd Hündin und hat gerade die Eingangsprüfung bestanden. „Sie lernt gerade, wenn Frauchen redet, darf ich mich entspannen“, sagt Sonia Ludewig, leitende Psychologin, lachend.

Tatjana Deters-Schwilski, Pflegedienstleitung Tageskliniken, sitzt in ihrem Büro mit Azubi-Therapiehündin „Alba“. Quelle: Cosima Künzel

Cosima Künzel

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