Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wachwechsel der Gemeinnützigen
Lokales Lübeck Wachwechsel der Gemeinnützigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Angelika Richter (63) war Geschäftsleiterin des Amtsgerichts. Mit Jahresbeginn ist sie die neue Direktorin der Gemeinnützigen. Quelle: Rüdiger Jacob
Innenstadt

Eines nimmt die neue Direktorin gleich vorweg: Nein, als Oberhaupt fühle sie sich nicht, eher als „Glied einer langen Riege“, so die 63-Jährige. Sie war mit einem einstimmigen Votum der Vorsteherschaft in die Wahl gegangen. „Ich bin nicht alleinentscheidungsbefugt“, sagt Richter. Zwar gibt sie der Gemeinnützigen sozusagen das Gesicht, trotzdem gibt sich die ehemalige Geschäftsleiterin des Amtsgerichts Lübeck zurückhaltend. „Die Gemeinnützige hat sich in Jahrhunderten entwickelt, und seit jeher sind die Vorsteher und die Person, die gerade das Direktorenamt inne hat, Teil des Ganzen.“

„Wir sind eine Gesellschaft mit sehr vielen und verschiedenen Aktivitäten“, sagt Richter. Beispielsweise kenne jeder die Familienbildungsstätte noch als Mütterschule, seien unter anderem aber auch die Musikschule, die Kunstschule, die Knabenkantorei oder die Schauspielschule inzwischen bekannte Begriffe in der Stadt. „Die Gemeinnützige hält Angebote für jedes Alter vor.“ Richter möchte aufgrund der großen Vielfalt der gesellschaftlichen Tätigkeit die Außendarstellung verändern und verbessern. „Die Gemeinnützige ist eine Gesellschaft für alle Bürger, nicht nur für Bildungsbürger.“

Viele segensreiche Aktivitäten zählten ebenso wie die Bildungsarbeit zu wichtigen Aufgaben. „Die gemeinnützigen Stadtteilvereine beispielsweise, die unter dem Dach der Gemeinnützigen stehen, machen eine ganz tolle Arbeit“, sagt Richter. An wie vielen Stellen sich die Gemeinnützige täglich zugunsten der Lübecker Bürger engagiere, das möchte die Direktorin in geeigneter Weise mehr als bislang nach außen transportieren. „Dazu gehört ein überarbeiteter Internetauftritt.“ Was dieser bewirken soll, erklärt sie so: „Die Gemeinnützige ist für Lübeck eine segensreiche Einrichtung. Deshalb ist es wichtig, sie zu kennen und sie zu unterstützen.“

Viele wohlhabende Bürger beispielsweise haben sich der Gemeinnützigen anvertraut: Mehr als 30 Stiftungen werden von der Gemeinnützigen verwaltet – Stiftungen, die viele Menschen in der Stadt unterstützen. „Alles das wollen wir künftig mehr in die Öffentlichkeit tragen.“ Richter wünsche sich eine Gemeinnützige, die wieder bekannter werde. So habe es einst in Lübeck zum guten Ton gehört, in der Bürgergesellschaft Mitglied zu sein.

Der ausgeschiedene Direktor Titus Jochen Heldt, der die Geschicke der Gesellschaft sechs Jahre lang geleitet hat, blickt unterdessen auf eine arbeitsreiche Zeit zurück: Im Fokus seiner Amtszeit standen unter anderem die Stärkung der Eigenfinanzierungskraft der Gemeinnützigen durch Vermögensumschichtungen. „Hier sind wir ein gutes Stück vorangekommen“, sagt der 48-Jährige, der sich ferner für den Ausbau der vielen Einrichtungen und das Stiftungswesen starkgemacht hat.

Neben dem maßgeblich von Antje Peters-Hirt – sie gehört der Vorsteherschaft auch weiterhin an – verantworteten Stadtdiskurs habe die Gemeinnützige ihre Verbindungen zur Universität gestärkt und sogenannte Willkommensabende mit neu berufenen Professoren gestaltet. In die Amtszeit Heldts fiel auch das 225-jährige Jubiläum der Gesellschaft sowie der 200-jährige Geburtstag der Sparkasse. Sie wurde einst von der Gemeinnützigen gegründet und steht seither in enger Beziehung zur Gemeinnützigen. Heldt, der in der Geschichte der Gemeinnützigen als einer der jüngsten Direktoren gilt, will sich künftig (wieder) mehr der Familie widmen – „und auf jeden Fall mehr Sport machen“. Während sich der Jurist auspowern will, setzt seine Nachfolgerin auf die „herrlich entspannende Gartenarbeit“.

 Von Rüdiger Jacob