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Lübeck Wachwechsel im Tante-Emma-Laden
Lokales Lübeck Wachwechsel im Tante-Emma-Laden
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20:23 04.11.2013
Ingo und Ute Libon (Bildmitte) gehen, Hans-Jürgen (l.) und Silke Loenhardt (r.) kommen. Eines wird sich nicht ändern: Die beliebten Naschi-Tüten behalten ihren Stammplatz im Tante-Emma-Laden. Quelle: Sabine Risch

Die vergangenen 35 Jahre standen sie fast täglich gemeinsam in ihrem Kiosk, der eigentlich eher ein Tante-Emma-Laden ist: Ute (59) und Ingo (60) Libon. Auch an diesem besonderen Tag verkaufen sie Eier, Zigaretten, Brötchen und alles, was die Bewohner des Quartiers in St. Lorenz Nord sonst noch so brauchen. „Nebenbei“ bewirten sie an diesem Vormittag ihre Gäste mit rotem und weißem Sekt oder Orangensaft. Vom Kleinkind bis zur Omi ist alles vertreten. Man kennt sich, grüßt sich und nimmt Abschied von den Libons.

Denn die haben sich entschlossen, nicht mehr montags bis sonnabends ab 6.30 Uhr im Laden zu stehen: „Die nächsten zehn Jahre möchten wir erst einmal Überstunden abbauen“, sagt Ingo Libon. Mit dem Wohnmobil wollen er und seine Frau reisen. Er ist hier geboren und aufgewachsen, hat in dritter Generation die ursprüngliche Drogerie übernommen, die sein Großvater vor 92 Jahren eröffnet hatte. Er hat das Geschäft in einen kleinen Stadtteil-Laden umgewandelt, als immer mehr Drogeriemärkte aufkamen.

Generationen von Quartier-Bewohnern haben hier eingekauft. „,Klein Karstadt‘ nennen wir das auch“, sagt Nachbarin Rosita Choma, die ein Jahrgang mit Ingo Libon und gemeinsam mit ihm aufgewachsen ist.

„Eier, Brot, Käse — alles bekommt man hier“, sagt sie. „Und sogar Streusalz“, ergänzt irgendeiner der anderen Empfangsgäste. Als es in einem der vorigen Winter in ganz Lübeck nichts mehr gab, habe man sich bei Libons noch gut eindecken können. Auch Brigitte Rösler (61), die seit 43 Jahren im Viertel wohnt, weiß den Laden zu schätzen. Vor allem die „Naschi- Tüten“ hebt sie hervor. „Die kommen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei den Angestellten meines Arztes gut an.“ Jaja, die Tüten: Ein ganzes großes Regal mitten im Laden hält allerlei Lakritze und Weingummis bereit, auf jeder Packung liegen abgefüllte Tüten; zum Teil auch Überraschungs-Mischungen. „Die habe ich mir als Kind immer hier geholt“, bestätigt Katja Clement (40), „und mein Mann kauft sie sich heute noch manchmal.“

Das kann er auch weiterhin tun, denn die Libons haben nach langer Suche Nachfolger gefunden, die ihren Laden in ihrem Sinne weiterführen wollen. „Wir hatten 20 Jahre lang einen Kiosk in der Schönböckener Straße“, sagt Nachfolgerin Silke Loenhardt (57), „doch zuletzt hatten wir immer nur sehr kurzfristige Mietverträge.“ Da entdeckten sie und ihr Mann Hans-Jürgen (57) eine Anzeige der Libons, man einigte sich — und jetzt lassen sich die Loenhardts noch eine Woche lang einarbeiten.

„Einmal anstoßen“, sagt die 89-jährige Stammkundin Ursula Timmermann und hebt ihr Sektglas. Sie sei „sehr glücklich, dass ein Nachfolger gefunden ist — und traurig, dass Libons gehen“. All die Jahre war der Kiosk mehr als eine gute Einkaufsmöglichkeit. „Man hat sich ausgetauscht, wir haben zusammen gelacht und geweint“, erzählt Libon. Auch deshalb verabschieden er und seine Frau sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Als Sohn Dennis, Tochter Anika und Schwiegersohn Oliver eine gereimte Rede auf die Eltern halten und ihnen einen Bilderrahmen mit alten Fotos überreichen, verdrückt Ingo Libon ein paar kleine Tränen. „Es geht eine Ära zu Ende“, hat er zuvor gesagt.

„Man hat sich ausgetauscht, wir haben zusammen gelacht und geweint.“
Ingo Libon (60)

Sabine Risch

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