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Lübeck Wahl: Zoff in der CDU um die Kandidaten
Lokales Lübeck Wahl: Zoff in der CDU um die Kandidaten
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Von Links: Christopher Lötsch, Fraktionschef, Listenplatz 1 („Ich halte die Liste für ausgewogen und stehe voll dahinter“); Ulrich Krause, wirtschaftspolitischer Sprecher auf Listenplatz 16 („Richtig zufrieden ist keiner mit der Listen-Aufstellung“) und Oliver Prieur,Wahlkampf-Manager auf Listenplatz 19 ("„Ich bin echt enttäuscht. Das ist eine Eymer-Liste“).
Lübeck

Kein Friedensschluss. Nicht einmal ein Waffenstillstand. In der CDU ist der Versuch krachend gescheitert, die verfeindeten Seiten zu einen. Das Gegenteil ist passiert: Am Montag ist der parteiinterne Machtkampf eskaliert – und das Lager um Burkhard Eymer hat die Runde für sich entschieden. Unklar ist, ob sich die Gegenseite auf dem heutigen Kreisparteitag formiert und zum Gegenschlag ausholt. Ob es Kampfkandidaturen gibt, werde sich spontan entscheiden, heißt es. Je nachdem, wie viele Mitglieder des jeweiligen Lagers heute in der Thomas-Mann-Schule erscheinen.

Eins zu Null: In der CDU hat das Eymer-Lager gewonnen. Das Zander-Lager ist unterlegen. Jedenfalls beim Aufstellen der Liste zur Kommunalwahl. Damit sind die Gräben innerhalb der Partei wieder weit aufgerissen. Und heute ist Kreisparteitag. Kommt es jetzt zur großen Abrechnung?

Es geht um die Listenaufstellung der Kandidaten zur Kommunalwahl am 6. Mai. Wer steht vorne, wer steht hinten? Das ist die entscheidende Frage bei jeder Wahl. Durchgesetzt haben sich die Eymer-Anhänger. Auf der Liste nach hinten durchgereicht wurde beispielsweise Oliver Prieur, der die letzten fünf Wahlkämpfe für die CDU geleitet hat. „Ich bin echt enttäuscht“, sagt Prieur. Er habe viel Zeit investiert. Er ist auf dem aussichtslosen Listenplatz 19 gelandet, müsste seinen eher roten Wahlkreis direkt gewinnen. Für ihn ist klar: „Das ist eine Eymer-Liste.“

Fachleute aussortiert

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Viele fachpolitische Sprecher, die eher dem Lager des ehemaligen Fraktionschefs Andreas Zander angehören, wurden ebenfalls aussortiert. So ist auch der schulpolitische Sprecher Hauke Wegner auf Platz 13 gelandet. Seinen Wahlkreis könnte er zwar direkt gewinnen, doch das ist keine ausgemachte Sache. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum Schulpolitik so einen schlechten Stand hat“, sagt Wegner. Er ist mit 35 Jahren das jüngste Mitglied der CDU-Fraktion – und er könnte in ein paar Jahren den Posten des Fraktionschefs übernehmen. Nach hinten durchgereicht wurde auch Jochen Mauritz, innenpolitischer Sprecher. Er hat sich maßgeblich um die Feuerwehr gekümmert. Er landet auf dem völlig aussichtslosen Listenplatz 23. „Ich möchte schon noch in die Bürgerschaft“, beschreibt Mauritz seine Enttäuschung.

Gescheiterte Gespräche

Dabei sollte alles ganz anders laufen. Es gab Konsens-Gespräche zwischen beiden Lagern. Auf der einen Seite Vize-Parteichef Burkhardt Eymer und Fraktionschef Christopher Lötsch. Auf der anderen Seite Anette Röttger und Fraktionsvize Lars Rottloff. Doch: Die Verhandlungen sind krachend gescheitert. Dabei stand die gemeinsame Liste bereits. Doch an einer unbedeutenden Personalie brach die Einigung auseinander. Dabei ging es um den Wahlkreis 3: Die Eymer-Seite wollte dafür Volker Nehrhoff ins Rennen schicken, die andere Hermann Junghans. Keiner hat nachgegeben – und die Einigung war vom Tisch.

Daher hat der Kreisvorstand entschieden. Dort hat Eymer eine klare Mehrheit – und seine Liste durchbekommen. „Es ist keine Eymer- Liste. Das ist Propaganda“, sagt Eymer. „Wir haben die Liste im Konsens des Kreisvorstands entschieden.“ 14 stimmten mit Ja, fünf enthielten sich. Aus seiner Sicht ist die Liste eine klassische Aufstellung. Die ersten Plätze erhalten die Mitglieder des engeren Kreisvorstands, dann folgen die Vorsitzenden der Ortsverbände. Röttger ist anderer Ansicht: „So jemanden wie Hauke Wegner sollten wir nicht verlieren.“ Schulpolitik sei ein wichtiges Thema, und als Lehrer sei Wegner mitten im Geschehen. So sieht es auch Rottloff: „Es ist ein Fehler, die fachpolitischen Sprecher nach hinten zu setzen.“

Bleibt die Liste, wie sie ist, wird das Eymer-Lager nach der Wahl in einer neuen CDU-Fraktion eine Mehrheit stellen. Die Zander-Gruppe indes hat das Nachsehen. Ulrich Krause meint: „Richtig zufrieden ist keiner mit der Liste.“

Die Liste des Anstoßes

1 Christopher Lötsch, 2 Klaus Puschaddel, 3 Dagmar Hildebrandt, 4 Burkhart Eymer, 5 Lars Rottloff, 6 Aneta Wolter, 7 Andreas Zander, 8 Henning Stabe, 9 Silke Theuerkauff, 10 Thomas Thalau, 11 Dirk Freitag, 12 Nil Gersdorf, 13 Hauke Wegner, 14 Willi Meier, 15 Claudia Treumann, 16 Ulrich Krause, 17 Carsten Grohmann, 18 Maren von Maltzahn, 19 Oliver Prieur, 20 Bernhard Simon, 21 Liane Rüther, 22 Volker Nehrhoff, 23 Jochen Mauritz, 24 Sabine Wargenau, 25 Delf Kröger

Kandidaten einer Partei werden für Wahlkreise (Erststimme) aufgestellt und für die Liste (Zweitstimme).

 Josephine von Zastrow

So sieht der Riss in der Lübecker CDU aus - klicken Sie das Bild an, um es größer zu sehen:

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