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Lübeck Walli soll Grünflächenamt zurückgeben
Lokales Lübeck Walli soll Grünflächenamt zurückgeben
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14:35 23.03.2016
Im Oktober 2015 hatte das Flüchtlingsforum das benachbarte Grünflächenamt zunächst symbolisch besetzt, anschließend folgte die offizielle Miete per Handschlag mit dem Bürgermeister. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Mehrere Parteien machen sich dafür stark, dass das Grünflächenamt neben der Walli wieder an die Stadt zurückgegeben wird. Grund ist die deutlich gesunkene Zahl an Transitflüchtlingen, die wegen geschlossener Grenzen auf dem Weg nach Skandinavien in der Hansestadt strandeten. Laut Innensenator Bernd Möller (Grüne) gebe es „zurzeit fast keine Flüchtlinge“, die in Lübeck ankämen. Die wenigen, die noch auf die Weiterreise warten, können laut CDU-Politikerin Heidi Menorca „zurück auf die Walli ziehen“.

 

„Die verbliebenen Flüchtlinge können wieder zurück auf die Walli ziehen.“CDU-Politiker Heidi Menorca

Volle Betten

70 Schlafplätze bot das Grünflächenamt den festsitzenden Transitflüchtlingen. Parallel schuf auch die Stadt Übernachtungsquartiere, etwa in der Burgfeldhalle und im ehemaligen Praktiker-Baumarkt. Das Angebot blieb aber nahezu ungenutzt.

Das Flüchtlingsforum der Alternativen hatte das benachbarte Grünflächenamt Mitte Oktober symbolisch besetzt, weil der Platz für die damals täglich anreisenden 200 bis 400 Flüchtlinge nicht mehr ausreichte. Wenige Tage später einigten sich Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und mehrere Delegierte des Flüchtlingsforums per Handschlag auf eine befristete Vermietung. Die Mitarbeiter der Stadt zogen daraufhin in den Ratekauer Weg (die LN berichteten).

Fünf Monate später habe sich das Problem erledigt. CDU-Frau Menorca fragt daher: „Wann gibt die Walli das Grünflächenamt zurück?“ Rückendeckung erhält sie vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Rathcke: „Wenn die Notwendigkeit nicht mehr besteht, dann sollten wir wieder zur geordneten und gesetzeskonformen Art zurückkehren.“ Gregor Voht, Kreis-Vizechef der Freien Wähler: „Ansonsten würden wir leider damit Recht behalten, dass die Walli das Gebäude nie wieder hergibt.“

Christoph Kleine vom Flüchtlingsforum bestätigt zwar, dass die Zahl der Transitflüchtlinge „stark zurückgegangen“ sei. Aber: „Der Beratungs- und Betreuungsaufwand hat sich deutlich vergrößert.“ Die Flüchtlinge bräuchten mehr Hilfe angesichts der zahlreichen EU-Bestimmungen. Zudem nutze das Forum das Haus, um gemeinsam zu kochen, Sprachkurse anzubieten und ein Frauen-Café zu veranstalten. „Das hat zwar nicht direkt mit Transitflüchtlingen zu tun“, sagt Kleine, „aber das Gebäude wird gebraucht und genutzt.“

Linken-Geschäftsführer Ragnar Lüttke unterstützt ihn: „Die Walli leistet gute Flüchtlingsarbeit.“ Sie sei „eine wichtige Anlaufstelle“ für alle Schutzsuchenden. „Wir können uns vorstellen, dass sie das Gebäude weiter nutzen können“, so Lüttke. Grünen-Fraktionsvize Silke Mählenhoff will es von der aktuellen Lage abhängig machen: „Wenn sich die Situation tatsächlich entspannt hat, sollten wir zumindest darüber sprechen, ob das Gebäude noch benötigt wird.“

Ungereimtheiten scheint es aber bereits beim Miet-Ende zu geben. Laut Aktivist Kleine werde seit Oktober an einem Vertrag gefeilt, der Bürgermeister nannte dagegen Ende Februar im Hauptausschuss den 30. April als Finaldatum. SPD-Vormann Jan Lindenau vertraut darauf, „dass die Verträge von der Walli eingehalten werden“. Die Stadt äußerte sich gestern auf LN-Anfrage nicht zu dem Thema.

Auch der Personalrat des Bereichs Planen und Bauen, zuständig für das Grünflächenamt, votiert aus Prinzip für den Auszug. „Damals war wirklich der Bedarf da“, so der Vorsitzende Ludwig Klemm, „jetzt nicht mehr.“ Er bezweifelt jedoch, dass die Stadt das Haus wegen der vielen Umbauten noch nutzen könne. Daher setzt sich Klemm dafür ein, alle Mitarbeiter am Mühlentor unterzubringen. Der dortige Bauhof müsse aber hergerichtet werden — „so schnell wie möglich“.

Von Peer Hellerling

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