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Lübeck Warburg-Brücke: Streit um Öffnungszeiten
Lokales Lübeck Warburg-Brücke: Streit um Öffnungszeiten
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21:23 13.08.2016
Großer Stau: Die Autos müssen vor der Brücke warten; zehn Minuten dauert der Vorgang.

Alle Autos stehen: Die Ampel ist rot, die Schranke unten. Die Eric-Warburg-Brücke wird durchschnittlich sieben Mal am Tag geöffnet, damit große Schiffe die Trave passieren können; die Autos müssen dann zehn Minuten warten. Das sind die neuesten Zahlen der Stadt. Ursprünglich waren aber nur vier Brücken-Öffnungen am Tag geplant – das war bei der Einweihung 2008. Denn die Eric-Warburg-Brücke soll eigentlich den Verkehr schneller abfließen lassen und damit die Altstadt entlasten.

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Die Querung über die Trave klappt häufiger hoch als geplant – Stadt und „MS Hanse“ können sich nicht einigen.

Sven Wehde (41) über die Brückenöffnungen und den Konflikt zwischen Stadt und Reeder.

Ursache ist das neue Linienschiff von Lübeck nach Travemünde. „Erheblichen Anteil daran hat die ,MS Hanse‘“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Für das Schiff wird die Brücke „annähernd vier Mal täglich geöffnet“. Denn die „MS Hanse“ hat andere Durchfahrtszeiten als die regulären Öffnungszeiten der Brücke. Fakt ist: Im Sommer gibt es vier Zeitfenster, in denen die Eric-Warburg-Brücke aufklappt, wenn Freizeitschiffer, zum Beispiel Segler, passieren wollen. Das gilt seit 2009. Anfangs waren es nur zwei Öffnungzeiten. Aber: Zusätzlich muss die Klappe für Berufsschiffe öffnen. Sie haben Vorfahrt, denn die Trave ist eine Bundeswasserstraße. Autos müssen daher warten. Die „MS Hanse“ ist solch ein Berufsschiff und hat das Recht auf eine Brückenöffnung zu jeder Zeit. Sie fährt seit zwei Jahren auf dieser Strecke, seither klappt die Eric-Warburg-Brücke wesentlich öfter nach oben. Spitzenreiter war ein Tag im Juni mit elf Öffnungen. Sonst sind es durchschnittlich sieben am Tag. Im Mai und Juni waren es jeweils 200 Mal, im Juli sogar 220 Mal. Eine Lösung wäre, die Öffnungszeiten für die Freizeitschiffer und die Durchfahrtszeiten der „MS Hanse“ anzugleichen. Doch genau darum gibt es Streit.

„Ziel muss es sein, möglichst wenige Brückenöffnungszeiten zu haben“, fordert Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender im Bauausschuss. Als die Brücke gebaut wurde, gab es hitzige Debatten im Ausschuss über die Zahl der täglichen Brückenöffnungen. „Für den Verkehrsfluss ist es sinnvoll, dass die Brücke so wenig wie möglich öffnet“, macht Verkehrsexperte Dirk Freitag (CDU) klar. „Je weniger Öffnungszeiten, desto besser für den Verkehrsfluss“, stimmt Baupolitiker Harald Quirder (SPD) zu.

Der Knackpunkt: Die Stadt fordert, die „MS Hanse“ solle ihre An- und Abfahrtszeiten ändern – und sie an die der Freizeitschiffer anpassen. Die „MS Hanse“ indes kontert, die Stadt solle die Öffnungzeiten der Freizeitschiffer ändern und an ihren Fahrplan anpassen. Dazu hat es bereits ein Gespräch gegeben.

„Warum verlegt die Stadt nicht die Öffnungszeiten?“, fragt Rolf Böttcher, Inhaber der gleichnamigen Reederei, der das Schiff gehört. Er habe den Fahrplan für 2017 bereits beworben – über das Lübeck und Travemünde Marketing (LTM) sowie mit Busunternehmen. Doch vor allem: „Wir sind ein Linienschiff und haben die Zeiten an das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg gemeldet“, so Böttcher. Da könne er nicht einfach anders fahren. Die Stadt hingegen kontert: „Unsere Durchfahrtszeiten sind national und international publiziert“, so Dorel. Die Segler orientierten sich daran. Und: „Die Öffnungszeiten haben wir ebenfalls abgesprochen.“ Neue Zeiten müsste die Bürgerschaft beschließen. Auch Lötsch ist skeptisch: „Derjenige, der als Letzter kommt, muss sich eigentlich hinten anstellen.“

Böttcher sieht das anders. Tatsächlich, sagt er, warteten die Freizeitschiffe auf die „MS Hanse“ und führen zusammen mit ihr durch: „Die Segler wissen sehr gut Bescheid. Die ,MS Hanse‘ fährt nie allein durch.“ Konkret geht es um zwei Öffnungzeiten, die synchronisiert werden könnten. Die „MS Hanse“ fährt um 11 Uhr in Travemünde ab und passiert um 12.20 Uhr die Brücke. Kurz danach wird sie um 12.30 Uhr für die Freizeitsegler geöffnet, wenn denn welche passieren wollen. Zudem geht es um die Öffnung um 17 Uhr. Nach Aussage von Böttcher fährt sein Schiff um 17.05 Uhr zur regulären Öffnungszeit hindurch. Das klappt aber offenbar nicht immer.

Außerdem: „Die Stadt hat die Brücke zu niedrig gebaut“, meint Böttcher. Zwischen sechs und sieben Metern Höhe misst sie ab Wasser. Neun Meter wären aber für eine Bundeswasserstraße notwendig. Lötsch entgegnet: „Nach meinem Wissen wurde die Brücke nach der geltenden Norm gebaut.“

Die Zeiten

Öffnungszeiten Freizeitschiffer: Im Sommer täglich 9.30 bis 10 Uhr, 12 bis 12.30 Uhr sowie 17.30 bis 18 Uhr und 19.30 bis 20 Uhr. Im Winter täglich 9.30 bis 10 Uhr sowie 15 bis 15.30 Uhr.

Fahrplan „MS Hanse“: Abfahrt Travemünde, Kaiserbrücke, täglich 11 und 15 Uhr, Ankunft Lübeck gegenüber vom Hansemuseum 12.30 und 16.30 Uhr. Abfahrt Lübeck täglich 13 und 17 Uhr, Ankunft Travemünde 14.30 und 18.30 Uhr.

Gemeinsam eine Lösung finden

Dieser Konflikt zwischen Stadt und Reederei ist unnötig und lösbar. Eigentlich können wir uns freuen: Die Eric- Warburg-Brücke ist seit ihrer Eröffnung eine gute Entlastung für den Altstadtverkehr. Und die „MS Hanse“ ist als neues Ausflugsschiff, das Travemünde mit dem Europäischen Hansemuseum verbindet, eine echte Bereicherung – und das nicht nur für Touristen.

Damit die Entlastung für den Verkehr möglichst groß und die Zahl der Staus möglichst klein ist, müssen die Brücken-Öffnungszeiten aber gering gehalten werden. Hier ist es die Pflicht beider Seiten, im Sinne aller Lübecker eine gute Lösung zu finden. Die Brücke zweimal am Tag zweimal kurz hintereinander zu öffnen, einmal für die Freizeitschiffe und einmal für die „MS Hanse“, ist unsinnig. Hier ist eine Synchronisation möglich.

Dabei ist es ganz einfach: Beide Seiten zeigen nicht mit dem Finger auf den anderen, sondern schauen gemeinsam, was einfacher und schneller zu ändern ist: die Zeitfenster der Stadt oder die Durchfahrten der „MS Hanse“. Und das wird dann gemacht. Gern darf man sich dabei auch gegenseitig unterstützen und sich zum Beispiel Kosten teilen, falls denn welche anfallen.

Und wenn die Anpassung etwas dauert, weil beispielsweise Öffnungszeiten für 2017 schon veröffentlicht wurden, dann werden wir Lübecker Autofahrer es auch verkraften, noch ein Jahr zu warten. Wir sind ja schließlich noch ganz anderen Kummer gewöhnt. . .

 Josephine von Zastrow

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