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Lübeck Was wird aus dem „Eishaus“?
Lokales Lübeck Was wird aus dem „Eishaus“?
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09:07 01.01.2016
Beliebte Location für Techno- und Goa-Partys: das „Eishaus“ von Herbert Sachers an der Geniner Straße. Quelle: Olaf Malzahn
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St. Jürgen

Laut wird es immer mal wieder im „Eishaus“, der einstigen Diskothek des Lübecker Gastronomie-Urgesteins Herbert Sachers. So wie gestern: Da stieg dort eine „Traumwelten“-Silvesterparty mit diversen DJs. Techno und Goa für die junge Generation, die vielleicht bis heute Abend, 20 Uhr, durchtanzt. Doch schon seit etwa zwei Jahren versucht Sachers die besondere Immobilie, die er 1992 zunächst als Lager erworben hatte, zu veräußern. Seit zwei Jahren jedenfalls taucht sie immer wieder in einem einschlägigen Immobilienportal auf.

Sachers hatte das „Eishaus“, gelegen im Gewerbegebiet Genin, 1995 als Diskothek eröffnet. 2005, nach Eröffnung der Großraum-Diskothek „A 1“ an der Lohmühle, schloss das „Eishaus“. Im Spätsommer 2006 übernahm es ein Betreiber, 2010 pachtete es Martin Heitmann und investierte 200000 Euro in eine Neugestaltung. Auch das war nicht von Dauer. Inzwischen vermietet es Sachers tageweise an Partymacher.

Ein Dauerzustand ist das für ihn nicht. Verkaufen oder noch einmal komplett verpachten — das wäre Sachers‘ Wunsch. Dass es mit dem Verkauf bislang nicht klappt, obwohl die Bausubstanz des knapp 114 Jahre alten Backsteingebäudes in Ordnung sei, könnte unter anderem mit der Lage im Gewerbegebiet zusammenhängen: Zwar kann man hier ordentlich Krach machen, ohne irgendwen zu stören, aber dafür ist die Nutzung auch beschränkt.

„Ich würde es sofort ausbauen, wenn man hier Wohnungen machen könnte“, sagt Sachers, aber es sei eine gewerbliche Nutzung vorgeschrieben. Deshalb hatte er das „Eishaus“ vergeblich der Stadt als Unterkunft für Flüchtlinge angeboten.

Ein Rucksack-Hotel, wie Herbert Sachers es schon einmal geplant hatte, wäre hingegen zulässig. „Aber dann habe ich erfahren, dass am Bahnhof ein solches Hotel gebaut werden soll — und meine Pläne wieder verworfen.“ Da aus den Plänen am Bahnhof ganz offensichtlich ebenfalls nichts wurde, aktuell nichts über ein solches Vorhaben bekannt ist und Lübeck lediglich am Werkhof in der Kanalstraße das 1991 eröffnete Rucksack-Hotel hat, könnte es sich Sachers doch noch einmal überlegen.

Bis Bewegung in die Sache kommt oder sich ein Käufer findet, gehen die gelegentlichen „Eishaus“-Partys der jüngeren Generation erst einmal weiter.

Lager für Bierfässer

1902 baut Heinrich Lück das Gebäude an der Geniner Straße als Kühlhaus für seine Lück- Brauerei.


Im Winter wurden Eisblöcke aus dem gefrorenen Wasser der Kanal-Trave herausgehauen und mittels eines Zahnrades auf den Dachboden des Hauses gezogen. Durch das Herabfallen in den Innenraum zersplitterten die Eisblöcke und eigneten sich wunderbar für die Lagerung der Bierfässer. Die Kühlung hielt wegen der dicken Mauern lange.
Im benachbarten Gebäude, heute „Continental Foods“, vormals „Campbell‘s“, davor „Erasco“, war die Produktion des Bieres untergebracht.


Das 114 Jahre alte Gebäude ist als einfaches Kulturdenkmal eingetragen.

Sabine Risch

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