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Lübeck Was wird aus der Brandruine?
Lokales Lübeck Was wird aus der Brandruine?
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21:56 06.06.2017
Der Tag danach: Viele Lübecker besuchen nach der verheerenden Brandnacht die Ruine. Die Flammen haben das Haus am späten Pfingstsonnabend komplett zerstört. Die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt. Quelle: Foto: Holger Kröger, Wolfgang Maxwitat (3)
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Innenstadt

Zerstörte Geschichte: Eines der ältesten Häuser Lübecks ist komplett niedergebrannt. Das Dach und der Giebel sind eingestürzt – alles im Haus ist total kaputt. Das Haus von 1291 steht in der Kleinen Burgstraße/Ecke Hinter der Burg – gegenüber des Burgklosters. Das denkmalgeschützte Haus steht seit 20 Jahren leer und ist seit zehn Jahren eingerüstet. Die Brandursache ist noch unklar. Nach Angaben der Polizei entstand ein Schaden von 200 000 Euro.

Verletzt wurde niemand. Aber die direkte Nachbarsfamilie Krohn muss ihr Haus verlassen, denn das Dach ist beschädigt, die Räume riechen nach Rauch. Die Familie ist zunächst einmal bei Freunden untergekommen.

Bis auf die Grundmauern ist eines der ältesten Häuser Lübecks an Pfingsten zerstört worden – Dach und Giebel sind eingestürzt – Verletzt wurde niemand – Schaden beträgt 200 000 Euro.

Blick zurück: Das historische Gebäude steht schon lichterloh in Flammen, als der Notruf am Sonnabend um 22.45 Uhr bei der Feuerwehr eingeht. Innerhalb von Sekunden schlagen riesige Flammen aus dem Haus. Zehn Meter hoch – und weithin sichtbar. Die Nachbarn stehen auf der Straße, Nachtschwärmer halten an und beobachten den massiven Einsatz der Feuerwehr. Mit mehr als hundert Leuten sind Berufsfeuerwehr und Freiwillige Wehren vor Ort. Sie verhindern, dass die Flammen auf die benachbarten Häuser übergreifen. Die Polizei sperrt die Große Burgstraße komplett. Es dauert eine Dreiviertelstunde, bis der Brand unter Kontrolle ist. Offiziell gelöscht ist das Feuer dann erst am Sonntag um 14 Uhr. Die Brandwache zieht ab.

Hier sehen Sie Bilder von den Aufräumarbeiten nach dem Feuer.

„Ein Trauerspiel“, sagt Detlef Zaube. Der 65-jährige Besitzer des Hauses steht zwei Tage nach dem verheerenden Brand vor der Ruine und kann es nicht fassen. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, gesteht er ratlos. Am Tag nach dem Brand sollte die Fassade eigentlich abgerissen werden, berichtet Jörg Sellerbeck von der Bürgerinitiative Rettet Lübecks Altstadt (Birl). Ein Baustatiker war vor Ort. Doch da hat die Denkmalpflege Einspruch erhoben. Die Fassade soll jetzt erhalten bleiben – wenn das geht. „Wir müssen sehen, was noch zu retten ist“, sagt Zaube. Denn derzeit stehen nur noch die Wände des Hauses. Der Spitzgiebel ist weggebrochen, das Dach heruntergekracht, der Schornstein eingestürzt. Durch die verkohlten Fensterlücken des Hauses ist nur noch Schutt zu sehen – nach unten gestürzte schwarze Balken, einzelne Metallstangen. An dem Gebäude befindet sich noch ein Teil des Gerüstes, das dort schon seit zehn Jahren steht. Etliche Lübecker bleiben vor den Gittern stehen, die mit rot-weißem Flatterband eingefasst sind: „Polizeiabsperrung“ ist darauf gedruckt.

Eine halbe Million Euro habe er schon in das Haus gesteckt, berichtet Zaube. Aus einer Zwangsversteigerung hat er es vor zehn Jahren gekauft – und dachte, er erwirbt ein ehemaliges Hotel. Das war es auch von den 1950er bis in die 1980er Jahre hinein. Doch das Gebäude ist heruntergekommen und voller Müll. Ein Rucksack-Hotel wollte Zaube eigentlich daraus machen. Doch bei dem Zustand ist schnell klar: Das wird nichts. Deshalb wollte Zaube es als seinen Alterswohnsitz herrichten. Er erhielt eine Baugenehmigung, um es in ein Wohnhaus umzuwandeln.

Doch als das Gebäude leergeräumt war, kamen die nächsten Schwierigkeiten. Hauptproblem: „Die Statik des Hauses war eine völlige Katastrophe“, sagt Zaube. Es gab keine Fensterstürze. Die Fensterrahmen hielten die Fassade irgendwie aufrecht. Stützende Balken waren einfach in der Mitte abgeschnitten, weil sie für irgendeinen Umbau im Weg waren. Zudem drohte die Hauswand zur Seite Kleine Burgstraße zu kippen. Balken, Stahlträger, Anker – all das hat Zaube eingebaut. Die Fassade hatte drei Farbschichten, die mussten mühsam weggemeißelt werden.

Zwischendrin hatte Zaube Ärger mit der Denkmalpflege, der sich aber mittlerweile gelegt hat. Der Dachstuhl seines Gebäudes und die der Nachbarhäuser sind in einem Stück gebaut. „Ein Dachwerk – historisch wertvoll“, sagt Sellerbeck. Es sei das Beispiel für eine Reihenhaus-Bebauung im Mittelalter. Zaube wollte den Dachstuhl erneuern – den historischen belassen und daneben einen neuen bauen.

Die Fichtenhölzer hat er bereits im Haus gelagert. Sein Architekt Michael Lauenroth nimmt an, dass das Haus deshalb so schnell lichterloh brannte. Zaube ärgert, dass viele Nachbarn meinen, auf der Baustelle sei nichts passiert. Zaube: „Kaum hatte man ein Problem gelöst, kamen immer wieder neue.“

 Josephine von Zastrow

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