Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wassereinbruch: Die „Greif“ sinkt auf den Grund der Trave
Lokales Lübeck Wassereinbruch: Die „Greif“ sinkt auf den Grund der Trave
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:49 22.12.2015
Gegen das Sinken der „Greif“ war die Feuerwehr machtlos. Am Dienstagvormittag wurden bessere Ölsperren ausgelegt um die Umweltverschmutzung so gering wie möglich zu halten. Quelle: Holger Kröger
Anzeige
Innenstadt

Schadensbegrenzung — das ist gestern Vormittag das Hauptanliegen aller Beteiligten im Museumshafen. Dicke, weiße Ölbindeschlängel werden um die „Greif“ gelegt, damit der Schmierstoff sich nicht weiter über die Trave ausbreitet. „Das ist der Super-Gau für den Eigner“, sagt Hafenmeister René Gies. Von dem Traditionssegler ragen bloß noch die zwei Masten schräg in den Himmel. An der Wasseroberfläche treiben das angebundene Beiboot, drei Paddel und zwei Holzbretter. Obwohl die „Greif“ nicht allzu tief liegt, ist das Oberdeck durch das trübe Trave-Wasser nicht mehr zu erkennen.

Der knapp 15 Meter lange Ostseekutter aus den 60er Jahren lag erst seit drei Wochen im Lübecker Museumshafen, „demnächst hatte er eigentlich einen großen Törn vor sich“, sagt Gies. Doch dieser Plan wurde binnen einer Nacht zunichte gemacht: Beim Gassigehen mit seinem Hund hatte ein Lübecker gestern gegen 2.30 Uhr bemerkt, dass das Heck der „Greif“ zu sinken begann. Er rief umgehend die Feuerwehr, doch die konnte den Untergang des Schiffes nicht mehr verhindern. „Zuerst hieß es, es sei eine Person im Wasser“, sagt Feuerwehreinsatzleiter Marco Lihring, „das stellte sich letztlich als Schiff im Wasser heraus.“

Anfangs kontrollierten die Retter vorsorglich, ob sich nicht doch noch eine Person an Bord befand. Als das ausgeschlossen werden konnte, kümmerten sie sich um das Eindämmen der Umweltverschmutzung.

„Das Schiff war aber bereits winterfest“, so Lihring. Heißt: Es befand sich kaum Kraftstoff an Bord — lediglich vier bis fünf Liter für den spontanen Gebrauch. „In Absprache mit dem städtischen Umweltbereich haben wir dann die Schlängel ausgelegt.“ Später wurden noch Spezialvliese über der „Greif“ ausgelegt. „Sie saugen zum einen das Öl auf, zum anderen sind sie ein guter Indikator dafür, wie viel Verunreinigungen noch im Wasser sind“, sagt Sabine Machinia von der Unteren Wasserbehörde.

Nun stellt sich die Frage nach der Bergung: Der Ostseekutter liegt in etwa 2,40 Metern Tiefe auf Grund, unter ihm gibt es noch knapp einen Meter Schlamm. Taucher erkunden gestern Vormittag den Havaristen. „Wir schauen nach, wie weit die ,Greif‘ an der Kaimauer liegt und wie stark sie eingesunken ist“, sagt Andreas Ulbricht von der Firma Taucher Hock.

Währenddessen kümmert sich an Land sein Chef Jürgen Hock um die bevorstehende Bergung. „Das wird den Verkehr an der Untertrave erheblich beeinträchtigen“, sagt er. Der Kran müsse auf der Fahrbahn stehen, von dort aus müsse er dann das etwa 20 Meter entfernte Schiff anheben. Hafenmeister Gies spricht sich eng mit dem Eigner aus Duisburg ab, der momentan aber Urlaub in Frankreich macht. „Das wird wohl ein teures Weihnachtsgeschenk“, sagt Gies. Konkrete Kosten sind aber noch nicht absehbar.

Allerdings: Die Bergung des Traditionsseglers „Dagny“, der Ende September 2014 in Neustadt sank und zurzeit in Lübeck repariert wird, kostete knapp 70 000 Euro. Eine ähnliche Summe sei auch bei der „Greif“ zu erwarten, meinen die Experten vor Ort. Heute Vormittag soll es ein Treffen mit allen Beteiligten geben, wie und wann die „Greif“ zurück an die Oberfläche geholt werden soll — der Eigner machte sich noch gestern auf den Weg nach Lübeck. „Je länger das Schiff unter Wasser liegt, desto größer wird der Schaden“, sagt Hafenmeister Gies.

Einen Grund für die Havarie gibt es bislang nicht. Womöglich war das Holz zu trocken und hatte sich verzogen, sodass leicht Wasser durch die Spalten einströmen konnte — das war auch die Ursache bei der „Dagny“. „Genaues wissen wir aber erst nach der Bergung“, sagt Gies. Im Frühjahr hätte die „Greif“ einen Werfttermin gehabt.

„Das ist der Super-Gau.

Je länger das Schiff unter Wasser bleibt, desto größer wird der Schaden.“
Hafenmeister René Gies

Peer Hellerling

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige