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Lübeck Waterfront: Steht der Bau der Brauerei vor dem Aus?
Lokales Lübeck Waterfront: Steht der Bau der Brauerei vor dem Aus?
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21:25 15.09.2017
Blick auf den Priwall: Etwas versetzt rechts hinter der „Passat“ sollte eigentlich eine Mikrobrauerei gebaut werden. Quelle: Lutz Roessler

„Wir müssen sehen, ob wir etwas ganz anderes bauen“, macht Hollesen nach der Sitzung klar. Denn es sei ungewiss, ob er die Forderungen der Welterbe-Wächter in seinem Konzept erfüllen könne. „Wir haben enormen Baudruck“, so Hollesen. Er will die Entscheidung in den nächsten zwei Wochen mit seinen Architekten Georg Konermann und Ingo Siegmund treffen. „Der Bebauungsplan gibt es her, dass wir dort auch Wohnungen errichten dürfen.“ Das sei für ihn viel wirtschaftlicher.

Das Problem: Der Neubau der Mikrobrauerei wurde komplett umgeplant. Dabei ist das Gebäude eines von vieren direkt an der Wasserkante des Passathafens. Der Entwurf aller vier Gebäude wurden zusammen in einem Wettbewerb preisgekrönt. Grund für den neuen Entwurf der Brauerei: „Die Baukosten sind zu hoch“, sagt Hollesen. Vier Millionen Euro kostet der Neubau der Mikrobrauerei, denn die Pfahlgründung ist aufwendig und teuer. Und durch das Konzept der Craft-Bier-Brauerei lässt sich der Bau nicht refinanzieren – anders als bei den drei anderen Neubauten direkt am Wasser, in denen Ferienwohnungen entstehen.

Der Plan für die Brauerei: alte Container statt schicker Neubau. „Es soll cool und kultig sein“, wirbt Hollesen. Außerdem schrumpft das Bauwerk auf ein Viertel zusammen und wird niedriger – es hat dann nur die Höhe von einem beziehungsweise zwei Containern statt zwei Geschosse. Vorgesehen ist eine breite Treppe, die an die Steganlage des Passathafens reicht. Dort entsteht durch aufgeschnittene Container ein öffentlicher Platz. Etwas höher – auf der Ebene der Promenade – soll es einen Biergarten geben. Aus einem Container heraus werden Getränke verkauft. Daneben ist aus zusammengeschweißten Containern ein 100 Quadratmeter großer Gastronomieraum geplant, der das gesamte Jahr betrieben wird.

„Es soll nicht perfekt sein, sondern einen improvisierten Gebäudecharakter haben“, beschreibt Konermann die Architektur. Die gebrauchten Container haben Dellen und sichtbare Schweißnähte. „Es soll etwas derber, rustikaler, robuster sein“, sagt er. Das Gebäude der Brauerei sei zusammen mit dem Betreiber entwickelt worden. Die Container werden in Schwedenrot gestrichen, so wie auch die anderen drei Neubauten.

Das kommt schlecht an beim Gestaltungsbeirat. Der drängt darauf, dass die vier Gebäude an der Wasserkante zwar verschieden sein können, aber dieselbe Architektursprache haben müssen. „Nur die gleiche Farbe – das kann doch nicht alles sein“, sagt Hilde Barz-Malfatti. Und der Vorsitzendes Jürgen Springer betont: „Wir haben die Sorge, dass dort sehr unterschiedliche Häuser stehen, die nur durch die Farbe zusammengehalten werden.“ Während die drei anderen Neubauten aus Trapez-Blech und mit feinen Geländern errichtet werden, soll die Mikrobrauerei aus groben Containern gebaut werden. „Es kommt sehr auf das Material und die Ausführung an“, sagt Springer. „Sonst fällt diese Reihe der vier Gebäude an der Wasserkante auseinander.“

Petra Kahlfeldt erklärt: „Die Brauerei hat eine deutlich andere Architektur-Melodie.“ Das sei nicht das Ergebnis des Wettbewerbs. Per Pederson indes vertritt eine andere Meinung als seine Kollegen.

Aber auch er ist nicht zufrieden mit dem Entwurf. Pederson: „Wenn Container, dann eindeutig.“ Der Entwurf sei es ein Zwitter: Halb schicker Neubau, halb alter Container.

Der erste Neubau an der Wasserkante wird im Herbst 2018 fertig.

Großprojekt

Auf dem Priwall entsteht derzeit die riesige Ferienanlage Waterfront – für 152 Millionen Euro. Seit Oktober 2015 wird das 3,8 Hektar große Areal rund um den Passathafen komplett umgebaut. Mitte 2019 soll alles fertig sein. Gebaut werden dort 475 Ferienwohnungen mit 1546 Betten.

Rund um den Passathafen werden vier Gebäude direkt an der Wasserkante errichtet und weitere 16 an der Promenade. Dahinter werden 32 Dünenvillen mit 120 Ferienwohnungen gebaut. Zudem wird ein Tagungshotel an der Promenade errichtet, in dem 86 Ferienwohnungen untergebracht sind. Geplant sind 18 Läden und Restaurants, ein Beach-Club, die Ostseestation und eine Indoor-Spielhalle mit Golfbahnen.

 Josephine von Zastrow

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