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Lübeck Wegen Kailine: Investor in Travemünde gibt auf
Lokales Lübeck Wegen Kailine: Investor in Travemünde gibt auf
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22:16 10.09.2013
Geschlossen: Seit fast einem Jahr steht das Autohaus am Godewind 5 in Travemünde leer. Der Verkauf des Areals ist jetzt geplatzt. Quelle: Foto: Maxwitat

Aus, vorbei: Ein Hamburger Bauunternehmer stoppt eine 40-Millionen-Euro-Investition, weil ihm die politische Situation in Lübeck zu unsicher ist. Er wollte Wohnungen, Geschäfte und ein Parkhaus auf dem Godewind-Gelände in Travemünde errichten. Dort, wo jetzt das geschlossene Autohaus Kittner steht. „Er hat uns mitgeteilt, dass er das Vorhaben nicht weiter verfolgt, weil er nach der Kailine-Entscheidung keine Sicherheit mehr für das Projekt sieht“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Das Risiko sei zu hoch, dass er am Ende zwar ein Grundstück habe, aber kein Baurecht bekomme, erklärt Saxe. Die Stadt sei seit Monaten in Gesprächen wegen des Bauvorhabens.

Der Hintergrund: Die Bürgerschaft hatte das Bauprojekt Kailine auf der Nördlichen Wallhalbinsel vor zwei Wochen gestoppt. Auf dem Areal gibt es zwar Baurecht, aber die Investoren hatten nur einen Anhandgabevertrag, sie sollten ihre Grundstücke ein Jahr entwickeln. Kurz vor Abschluss des Kaufvertrages kippte die Bürgerschaft das Vorhaben — mit einer Rathausmehrheit aus CDU, Grünen und Linken.

Deshalb ernteten deren Vertreter im Hauptausschuss jetzt den Spott von FDP und SPD. „Da haben sie jetzt Millionen versenkt“, kritisiert FDP-Frontmann Thomas Rathcke. „Wer Geschäfte machen will, macht Geschäfte“, kontert CDU-Fraktionsvize Lars Rottloff. Er vertraue der Auskunft des Bürgermeisters nicht. „Wir werden selbst bei dem Unternehmen Auskunft einholen“, so Rottloff. Ulrich Pluschkell (SPD) tritt verärgert nach: „Dann könnten Sie ihm ja auch gleich erklären, dass so etwas nie wieder passieren wird.“

Nach LN-Informationen wollte der Hamburger Bauunternehmer das Grundstück für drei Millionen Euro kaufen. Es gehört der Kittner-Gruppe. Doch letzte Woche sagte er den Notartermin kurzfristig ab. „Ein beachtliches Investitionsvorhaben in Travemünde wird nun nicht realisiert“, reagiert Saxe entsetzt. Wohnungen würden nicht gebaut, Aufträge fürs Handwerk nicht erteilt. Es bestätige sich jetzt zum ersten Mal „die Besorgnis, dass der Ruf der Stadt als Investitionsstandort dramatisch und nachhaltig beschädigt wird“. Saxe malt eine düstere Zukunft: „Ich fürchte, das Vorhaben wird nicht das letzte sein, das abgebrochen wird.“ Er, Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) und auch Wirtschaftsförderer Dirk Gerdes seien auch mit anderen Investoren „in schwierigen Gesprächen“. Aktuell steht der Bau eines Aja-Hotels auf dem ehemaligen Aqua-Top-Areal in Travemünde an. Dort will die Deutsche Immobilien Rostock 46 Millionen Euro investieren. Außerdem will „Motel One“ auf dem ehemaligen Stadthaus-Gelände am Markt ein Hotel bauen — für sechs bis acht Millionen Euro.

In Travemünde hat das Autohaus Kittner Ende November dicht gemacht. Vor anderthalb Jahren wollte die Bauverwaltung das komplette Areal überplanen, um dort Hotels, Gesundheitszentren und Wellness- und Badelandschaften zu ermöglichen. Der Verkauf von Autos war darin nicht mehr vorgesehen. Die Baupolitiker lehnten den Vorstoß ab, weil das Autohaus Kittner damals noch geöffnet hatte — und es keinen Investor gab.

Besonderes Bauwerk
Das geschwungene Gebäude des ehemaligen Autohauses, Am Godewind 5, steht unter Denkmalschutz. Es soll laut einem alten Verwaltungspapier „in künftige Baukonzepte eingebunden werden“. Das Bauwerk habe eine „besondere Bedeutung“, vor allem die Stahl- und Glas-Konstruktion in „betont leichter, feiner Formensprache“ sei besonders. Architekt Waldemar Hüsing (1909 bis 1981) hat es entworfen.

Josephine von Zastrow

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