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Lübeck Weiher gegen Lindenau: Einer wird gewinnen
Lokales Lübeck Weiher gegen Lindenau: Einer wird gewinnen
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12:10 07.11.2017
Kathrin Weiher und Jan Lindenau ziehen in die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters ein.  Quelle: Felix König/54°

LN: Erster Platz – aber nicht gewonnen. Frau Weiher, sind Sie enttäuscht, weil Sie noch einmal in die Stichwahl müssen? Kathrin Weiher: Nein, das habe ich so erwartet.

Kathrin Weiher und Jan Lindenau ziehen in die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters ein. Im LN-Interview sprechen sie über ihre Strategie und Prognose für den Zweikampf.

Wie erklären Sie, dass ein parteiloser Stadtplaner wie Detlev Stolzenberg aus dem Stand 20 Prozent holt? Das hat mich überrascht. Ich habe schon mit zehn Prozent für Herrn Stolzenberg gerechnet. Dass Ali Alam von der Satire-Partei fünf Prozent geholt hat, finde ich auch viel. Wenn man sich überlegt, dass 60 Prozent gar nicht zur Wahl gegangen sind, 20 Prozent der Wähler Herrn Stolzenberg gewählt haben – der gegen die jetzigen Strukturen eingetreten ist – und Ali Alam als Satirekandidat aufgetreten ist, heißt das: 70 Prozent der Wahlberechtigten fühlen sich von der klassischen Politik nicht mehr vertreten. Das finde ich beunruhigend. Es ist heute en vogue, gegen alles zu sein, aber so schlecht finde ich unsere Strukturen gar nicht.

Wie hat mein Stadtteil gewählt? Hier geht's zu den Ergebnissen

Glauben Sie, dass die Stolzenberg- Wähler Protestwähler sind? Ich kann mir vorstellen, dass sich darunter ein Anteil an Protestwählern befindet. Aber viele wollen auch schlicht eine Verbesserung der Verwaltung und mehr Bürgermitsprache.

Wie wollen Sie die Wähler von Detlev Stolzenberg zu sich holen? Ich denke, es gibt einige, die Schnittmengen zu uns haben – beispielsweise bei dem grünen Profil. Oder bei den Themen Denkmalpflege, Archäologie und Stadtplanung. Die werde ich stärker herausstellen. Es ist ja nicht so, dass ich dazu nichts zu sagen hätte. Ansonsten muss es auch gelingen, die eigenen Wähler verstärkt an die Urnen zu bekommen. Bei 60 Prozent, die gar nicht zur Wahl gegangen sind, gibt es schließlich noch Potenzial.

Haben Sie oder jemand aus Ihrem Unterstützerkreis Stolzenberg einen Posten angeboten, damit er eine Wahlempfehlung für Sie abgibt? Auf keinen Fall. Nein.

Wie sieht Ihr Wahlkampf bis zur Stichwahl am 19. November aus? Da ich den ersten Wahlgang gewonnen habe, können wir bei der Strategie bleiben. Es wird noch eine Pressekonferenz geben, dazu Wahlkampfstände. Ich will zudem den Haus-zu-Haus-Wahlkampf verstärken. Es gibt wahrscheinlich auch ein etwas ergänzendes Print-Produkt. Aber es bleibt bei einem seriösen Wahlkampf ohne hektischen Aktionismus.

Hängen Sie neue Plakate auf? Noch mehr Plakate? Eher nicht.

Sie hatten Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) als Unterstützer da. Kommen noch weitere Prominente? Ich denke schon, aber das ist noch in der Planung.

Nur 39 Prozent haben gewählt, warum ist die Wahl so vielen egal? Ich finde das unheimlich schade und kann es auch nicht ganz verstehen. Wir werden parteiübergreifend darüber sprechen müssen, warum es den Menschen so egal ist. Für mich ist die Kommunalpolitik die interessanteste Ebene, die das Miteinander in einer Stadt in erster Linie gestaltet.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie bei der Stichwahl? Ich wünsche mir zu gewinnen. Es wird sicher ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Herr Lindenau wird in den nächsten 14 Tagen alles geben, er hat ja auch noch Sonderurlaub. Lindenau hat aber eine schwierige Position. Für die SPD nur 29 Prozent zu holen, ist unheimlich wenig. Das sind 13 Prozent weniger als Bernd Saxe (SPD) bei der letzten Bürgermeisterwahl geholt hat. Das ist schlechter als das Ergebnis der SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller-Ohm. Viele Menschen wollen einen Wechsel. Ich hoffe, dass es ein fairer und anständiger Wahlkampf bleibt. Den werde ich auch weiter führen.

 Interview: Josephine von Zastrow

Daten-Analyse: Lindenau muss in Travemünde aufholen - und die Moislinger zum Wählen motivieren

http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Lindenau-muss-in-Travemuende-punkten

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LN: Herr Lindenau, zweiter Platz hinter Kathrin Weiher und das in einer SPD-Hochburg: Sind Sie enttäuscht, Herr Lindenau? Jan Lindenau: Ich bin voll motiviert vor dem Hintergrund, dass wir in unseren Hochburgen im Vergleich zu den vorangegangenen Wahlen deutlich hinzugewonnen haben. Darauf werden wir für die Stichwahl aufbauen.

Wie erklären Sie sich, dass ein parteiloser Stadtplaner aus dem Stand 20 Prozent holt? Detlev Stolzenberg hat einen engagierten Wahlkampf gemacht, und er hat Themen angesprochen, bei denen es erkennbar in der Stadt Defizite gibt. Mangelnde Transparenz und Kommunikation der Verwaltung habe ich auch kritisiert, aber da hat er einen besseren Zuspruch bekommen.

Wie wollen Sie die Wähler von Detlev Stolzenberg im zweiten Wahlgang für sich gewinnen? Eine Wiedereröffnung der Stadtteilbüros, die auch Stolzenberg wollte, gibt es nur mit mir, nicht mit Kathrin Weiher. Der Dialog auf Augenhöhe zwischen Bürgern und Verwaltung, der Stolzenberg wichtig war, ist auch für mich von Anfang an Thema gewesen. Das Thema Fahrradverkehr besetze ich, indem ich für ein neues Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof und eine neue Verbindung von der Innenstadt zu den Hochschulen werbe. Ich glaube, dass ich damit die Stolzenberg- Wähler überzeugen kann.

Kann es nicht sein, dass Stolzenberg von vielen gewählt wurde, die einen Parteilosen wollten? Die Wähler von Detlev Stolzenberg achten auf Inhalte. Meine Partei hat erkannt, dass es in dieser Stadt Veränderungen geben muss, dafür stehe ich.

Gibt es von der SPD Angebote an Detlev Stolzenberg, damit er Sie unterstützt? Wir machen keine Angebote. Selbstverständlich bin ich im Gespräch mit allen Kandidaten, die angetreten sind, außer natürlich mit Kathrin Weiher. Ich spreche auch mit Fraktionen, die bisher keinen Kandidaten unterstützt haben.

Mit der Fraktion der GAL? Unter anderem, ja. Dialog ist das Gebot der Stunde.

Mit wem reden Sie noch? Mit den Freien Wählern.

Wie sieht Ihr Wahlkampf bis zum 19. November aus? So ideenreich wie die letzten Wochen. Wir werden noch mindestens zwei größere Veranstaltungen organisieren, wir machen Haustürbesuche und Infostände.

Bei den Veranstaltungen zünden Sie das angekündigte Feuerwerk? Ja, ein Feuerwerk der Inhalte. Wir werden diese Veranstaltungen rechtzeitig vorher ankündigen. Wir planen die Veranstaltungen so, dass sie aller Voraussicht nach auch im Radio zu hören sind und live auf Facebook verfolgt werden können. So dass alle, die in den Veranstaltungen keinen Platz finden, zuhören können.

Hängen Sie neue Plakate auf, verteilen Sie weitere Flyer, schalten Sie Anzeigen? Meine Unterstützer-Initiative will 50000 Faltblätter verteilen. Mein Videofilm im Internet hat bereits über 25000 Zuschauer gehabt. Wir werden 10000 Hustenbonbons verteilen mit dem Slogan „Bleiben Sie gesund, weil ich Ihre Stimme brauche“.

39 Prozent Wahlbeteiligung. Warum ist es den meisten Lübeckern egal, wer Bürgermeister wird? Das ist schade. Denn in der Kommunalpolitik können Bürger am stärksten Einfluss nehmen.

Wie geht die Stichwahl am 19. November aus? Ich gewinne – in Richtung 52 Prozent plus x ist alles möglich.

Interview: Kai Dordowsky

Duell im Hansemuseum

Wer ist besser für Lübeck? Machen Sie sich Ihr Bild von beiden Bürgermeister-Kandidaten. Die LN befragen Kathrin Weiher und Jan Lindenau im „HanseTalk: Das Duell“ am Sonntag, 12.  November, um 12 Uhr im Saal „La Rochelle“ des Europäischen Hansemuseums. Der Eintritt ist kostenlos, nötig ist aber eine Anmeldung auf der Internetseite 

LN-online.de/Stichwahl . Wenn die Zahl der Anmeldungen die der Plätze übersteigt, entscheidet das Los. Auf der Facebookseite der LN können Sie den Talk auch im Livestream sehen.

Alle Berichte, Analysen und Reaktionen sehen Sie auf unserer Themenseite - mit einer interaktiven Karte, mit der Sie das Wahlergebnis selbst auswerten können!

LN

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