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Lübeck Weiher verteidigt Schulkindbetreuung
Lokales Lübeck Weiher verteidigt Schulkindbetreuung
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14:45 08.12.2017
Als landesweit vorbildlich beschreiben Kathrin Weiher und Friedrich Thorn die Schulkindbetreuung in der Hansestadt. Quelle: Fotos: Felix König
Lübeck

Zu eng, zu laut, zu wenig Personal – so lautet die Kritik an der Schulkindbetreuung der Stadt. Die Räume würden nicht ausreichen, Kinder hätten manchmal weniger Platz als Tiere, es sei oft ohrenbetäubend laut, und das Personal würde zum Teil verheizt. So drastisch schildert die Interessenvertretung Bildung und Betreuung in Ganztagsangeboten an Schulen (IVBGS) in einem Schreiben an Politiker (die LN berichteten) die aktuelle Situation. Auch die Hortretterinnen, eine vor zwei Jahren gegründete Initiative, beklagt die großen Qualitätsunterschiede zwischen den Horten und der Betreuung in den Schulen.

4000 Kinder in der Betreuung, neun Millionen Euro Kosten, einheitliche Standards – und das alles freiwillig. Eltern müssten der Kommune auf die Schulter klopfen, findet Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) und weist die Kritik an der Schulkindbetreuung mit deutlichen Worten zurück.

Bildungssenatorin Weiher und ihre Fachleute weisen diese Kritik als ungerechtfertigt und teilweise sogar unverschämt zurück. „Das ist total kontraproduktiv, dass die so ein Fass aufmachen“, wütet die Senatorin, „es gibt überhaupt keinen gesetzlichen Rechtsanspruch auf die Schulkindbetreuung. Wir machen viel mehr, als wir müssten, um den Eltern zu helfen.“ Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport, ermahnt die Gegenseite, mit Begriffen wie Kindeswohlgefährdung vorsichtig zu sein. Klaus-Peter Jürgensen, Teamleiter Kita-Förderung, sagt: „Über solche Vorwürfe kann ich nur den Kopf schütteln.“

Schulkindbetreuung ist ein Massengeschäft. Die Zahl der Kinder, die nachmittags öffentlich betreut werden, ist in den vergangenen zehn Jahren von 900 auf 4000 gestiegen. Die Verwaltung schätzt, dass die Zahl auf 4500 steigen wird. Die Stadt hat alle Fördertöpfe zusammengelegt, um die Aufgabe zu finanzieren. Rund neun Millionen Euro sind dafür nötig – inklusive der Elternbeiträge. Die Stadt zahlt davon sechs Millionen. Die Summe wird auf über zehn Millionen Euro steigen. Die Stadt hat angefangen, den „Flickenteppich in der Ganztagsbetreuung“, wie Friedrich Thorn das nennt, zu vereinheitlichen. Es gibt verlässliche Betreuungszeiten, bei Bedarf auch morgens vor der Schule, es gibt eine Fachkraft auf 20 Kinder und in speziellen Gruppen an zehn Standorten sogar zwei Fachkräfte auf 15 Kinder. Es gibt zahlreiche zusätzliche Honorarkräfte. Die Stadt hat mit Hilfe des Bundes Millionen in den Bau von Mensen gesteckt, damit alle Kinder ein warmes Essen erhalten. Es gibt einheitliche Elternbeiträge von 120 Euro im Monat, die aber je nach Bedürftigkeit abgesenkt werden. „30 bis 40 Prozent der Eltern erhalten eine Ermäßigung“, sagt Klaus-Peter Jürgensen. Es gibt eine Sozialstaffel und neuerdings sogar eine Geschwister-Ermäßigung. Lübeck sei landesweit Vorbild, sagt die Verwaltung.

Trotzdem sei das System erst im Aufbau, erklärt Bildungsmanagerin Sonja Rieper. Aktuell gelten diese verbindlichen Vorgaben an 15 von 37 Grundschulen, nächstes Jahr kommen 17 Standorte hinzu. Und ja, es gebe ein Raumproblem, räumen Weihers Fachleute ein. „Aber es gibt in den Schulen auch Musikräume, Sporthallen und Außenflächen, die genutzt werden können“, sagt die Senatorin. „Es müssen nicht alle Kinder den ganzen Tag im Klassenraum hocken.“ Die Verwaltung plant gerade eine andere Möblierung der Klassenzimmer – mit Sofas, Aufteilung in Zonen, Regalen für Spiele, Teppichen und Sitzkissen.

Thorn: „Wir denken auch ganz wild.“

Unterdessen haben die Hortretterinnen eine Petition beim Kieler Landtag eingereicht. Juleka Schulte-Ostermann von der Initiative: „Wir möchten rechtlich prüfen lassen, ob die Stadt mit der jetzigen Form der Betreuten Grundschule gegen Bundesgesetze verstößt.“ Die Hortretterinnen wollen, dass auch für die Schulkindbetreuung die Maßgaben des Kindertagesstättengesetzes gelten. Bildungssenatorin Weiher: „Das Kita-Gesetz gilt für Kitas und Horte, nicht aber für Betreute Grundschulen.“ Diese Petition gehe ins Leere.

 Von Kai Dordowsky

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