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Lübeck Weihers Plan: Aus Förderschule wird Flüchtlingsschule
Lokales Lübeck Weihers Plan: Aus Förderschule wird Flüchtlingsschule
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18:29 06.07.2016
In der Schwartauer Allee steht ein städtisches Gebäude leer, in dem früher die Friedrich-List-Schule, dieVolkshochschule und der Sportbund untergebracht waren. Quelle: Maxwitat

Wie eine Löwin kämpft Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) um das Gebäude der früheren List-Schule an der Schwartauer Allee.

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Die Berend-Schröder-Schule könnte aus der Innenstadt in freie Räume an der Schwartauer Allee ziehen – Am Langen Lohberg wäre dann Platz für DaZ-Klassen.

„Ich brauche die ehemalige List-Schule als Reserve.“Kathrin Weiher (Bildungssenatorin)

Eigentlich sollte hier eine neue Unterkunft für Obdachlose entstehen. Doch in letzter Minute sei Weiher „von der Seite reingegrätscht“, empört sich der Vorsitzende des Sozialausschusses, Andreas Sankewitz (SPD). Die Senatorin sichert sich das seit Längerem leerstehende Gebäude. „Ich brauche die Schule als Reserve“, sagte Weiher in der Bürgerschaft.

630 Flüchtlingskinder besuchen derzeit die DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Klassen in der Hansestadt. Weiher braucht 20 bis 30 zusätzliche Klassenräume, um zunächst die Flüchtlingskinder allein und später zusammen mit einheimischen Kindern unterrichten zu können. „Vor allem in der Innenstadt muss ich Unterrichtsräume sicherstellen“, erklärt die Senatorin. Obwohl derzeit deutlich weniger Flüchtlinge nach Lübeck kommen, sei die Zahl der schulpflichtigen Flüchtlingskinder noch unvermindert hoch.

Und so sehen ihre ersten Überlegungen aus: Die Förderschule Berend Schröder vom Langen Lohberg könnte in das leerstehende Gebäude in der Schwartauer Allee umziehen. Die am Langen Lohberg frei werdenden Räume könnten von der Emanuel-Geibel-, der Gotthard-Kühl- und der Julius-Leber- Schule für DaZ-Klassen genutzt werden. An diesen drei Schulen herrsche durch die Aufnahme vieler Flüchtlingskinder Raumnot. Weiher: „Fast jeder Quadratmeter ist für DaZ-Klassen ausgenutzt.“

Uwe Schneider, Leiter der Berend-Schröder-Schule, hat von diesen vagen Überlegungen gehört, will sich aber dazu erst äußern, wenn sie konkreter werden. Schneider: „Ich habe mir die ehemalige List-Schule noch nicht einmal angeschaut.“ Der von der Hansestadt beauftragte Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau hat für die Berend-Schröder-Schule weit radikalere Schritte vorgeschlagen – wegen sinkender Schülerzahlen könnte dieses Förderzentrum deutlich verkleinert oder sogar aufgehoben werden. So weit will Weiher auf keinen Fall gehen: „Ich werde die Berend-Schröder-Schule nicht einstampfen, wir wollen das Förderzentrum erhalten.“

Vor allem die SPD hat enorme Probleme mit den Gedankenspielen der Senatorin. Jan Lindenau (SPD): „Nichts Genaues weiß man nicht. Wir bekommen nur Zahlen, aber kein Konzept.“ Weiher habe nicht geklärt, wie viel ein neuer Schulbetrieb an der Schwartauer Allee kosten würde. Der Schulhof der List-Schule stehe nur zur Hälfte zur Verfügung, und die Turnhalle sei in Erbpacht auf 99 Jahre an einen Dritten vergeben. Carl Howe (GAL) findet den Weiher-Plan unausgegoren. „Wo sollen die Schüler ihren Sport ausüben?“, fragt Howe. Aus Sicht der Bildungssenatorin sind das Detailfragen, die noch geklärt werden müssen.

In der Bürgerschaft erhält sie viel Rückendeckung. „Mit ist eine Senatorin, die rechtzeitig Reserven vorhält, lieber, als ein Senator, der Entwicklungen in der Flüchtlingspolitik hinterherläuft“, sagt Grünen- Kreisvorsitzender Thorsten Fürter, der das Lob für Weiher mit einer Breitseite für Sozialsenator Sven Schindler (SPD) verbindet. „Weiher hält Kapazitäten vor, um Flüchtlinge zu integrieren“, bestärkt FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke die Senatorin in ihrer Politik. „Schulgebäude sollten für Schulen genutzt werden“, betont CDU- Kreisvorsitzende Anette Röttger. Bei Weiher ist das Signal angekommen. „Die Bürgerschaft geht meinen Weg mit“, sagt die parteilose Politikerin. Jetzt will sie „auf Eltern und Lehrer zugehen“.

Wohin mit Obdachlosen?

Ursprünglich sollte die Vorwerker Diakonie das Gebäude der ehemaligen Friedrich-List-Schule in der Schwartauer Allee kaufen, um dort eine neue Unterkunft für Obdachlose zu schaffen. Die Vorwerker Diakonie verzichtet nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung aber vorerst darauf. Die Stadt hilft dafür ihrerseits bei der Suche nach einem Grundstück für einen Neubau.

Sozialsenator Sven Schindler (SPD) berichtete aber jetzt, dass ein bereits bestehendes Gebäude für die Unterbringung von Obdachlosen gefunden werde.

 Kai Dordowsky

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