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Lübeck Weißes Dinner unter schwarzen Wolken
Lokales Lübeck Weißes Dinner unter schwarzen Wolken
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13:25 11.11.2017
„Probe“ fürs Dinner: Annett Schroeder (v.l.), Irene Wenske-Kuchenbrand und Gabi Kulbe. Quelle: Risch

Als am Abend die ersten Böen durch die Stadt peitschen und der Regen pladdert, ist das Weiße Dinner vorbei. Zumindest unter freiem Himmel. Schnell wuchtet Martin Mohrmann von der Gürtel-Manufaktur den Tisch samt weißer Decke in den Laden und Andreas Westland trägt die Erdbeer-Bowle hinterher. „Macht nichts“, sagt Mohrmann noch schnell, „wir bauen drinnen auf und schauen Fußball.“

Eine Viertelstunde vorher sah es noch anders aus. Die Luft ist zwar drückend, aber Carl Planthaber (19), Deborah Baltscheit (19), Hannah und Lena Woköch (beide 18) sind in Sommerabendstimmung. „Ich habe das Weiße Dinner im vergangenen Jahr gesehen und fand es wunderschön“, erinnert sich Hannah. „Ich wollte unbedingt mitmachen.“ Mit ihrer Schwester und den Freunden hat sie ein Picknick aus Bruschetta, Nudelsalat und Kräuterbutter aufgetischt. „Fast alles vegan“, sagt Planthaber und hebt seinen Trinkbecher zum Anstoßen. Immerhin gibt es etwas zu feiern.

Denn im fünften Jahr ist die Veranstaltung schon so etwas wie eine Tradition: Männer, Frauen und Kinder kommen komplett weiß gekleidet an weiß gedeckten Tafeln zusammen, die zu einer großen Tafel werden, an der man sich austauscht — nicht nur verbal, sondern auch kulinarisch. „Eine Geschäftsfrau, die mittlerweile gar nicht mehr hier ansässig ist“, erzählt Gabi Kulbe von der Interessengemeinschaft Fleischhauerstraße, „hat die Idee aus Hamburg mitgebracht“. Und sie kam in Lübeck gut an. Seitdem stellt die Interessengemeinschaft das kostenlose, nichtkommerzielle sommerliche Event auf der Straße auf die Beine — zunächst weniger professionell, jetzt sogar mit hübsch von Annett Schroeder gestalteten Einladungskarten und Flyern. 5000 Karten hat die Interessengemeinschaft gedruckt, Mitglieder verteilten sie in den vergangenen Tagen in der Stadt. Bei Facebook gab es bereits am Donnerstag 104 Zusagen.

Dass in den ersten beiden Jahren trotz Regens viele Leute kamen, können die Organisatorinnen kaum glauben. „Und letztes Jahr gab es bis auf kleine Lücken eine lange Tafel von der Schlumacherstraße bis zur Königstraße.“ Das Schöne am Weißen Dinner sei „die Offenheit: Jeder bringt was mit, jeder teilt mit anderen“, so Kulbe, die selbst Anwohnerin der Fleischhauerstraße ist. „Und manches Mal macht jemand spontan Musik. Wir hatten schon einen Chor hier, und Jana Nitsch schaut meist mit ihrem Akkordeon vorbei“, erzählt Annett Schroeder. Für alle ist es so etwas wie ein jährliches Highlight.

Fast alle in der Einkaufsstraße machen mit, die 40 aktiven Mitglieder der Interessengemeinschaft teilen sich die Arbeit und die Kosten. Wobei die sich auf 300 Euro für die Straßensperrung belaufen, wie Gabi Kulbe erzählt. Was Monate im Voraus beantragt werden müsse. Einziges Problem: die auch am Festtag in der Straße parkenden Autos. „Die könnte man einmal im Jahr für ein paar Stunden woanders abstellen“, meint Annett Schroeder.

Nur das Wetter lässt sich leider nicht umparken. Irene Wenske-Kuchenbrandt vom Nordischen Weinhaus steht mit ihrer kleinen Abendgesellschaft noch am längsten in der Straße. Sie haben einen Pavillon aufgebaut und genießen Entenbrust, Schweinefilet und einige Köstlichkeiten mehr.

Die Geschichte
1988 soll in Paris — wo sonst, wenn nicht in der Hauptstadt des „Savoir Vivre“ — das erste „Diner en blanc“ stattgefunden haben, nachdem eine private Gartenparty wegen Überfüllung spontan zum Bois de Boulogne verlegt worden war. Infolgedessen verabredete man sich fortan weiß gekleidet an mitgebrachten, langen Tafeln an prominenten Orten — unter anderem am Place de la Concorde oder im Innenhof des Louvre.
Die besondere Art des eigentlich spontanen Massenpicknicks an öffentlichen Orten schwappte nach Deutschland herüber, am Berliner Gendarmenmarkt, im Münchener Hofgarten und an vielen anderen Orten gibt es mittlerweile Weiße Dinner. In Hamburg sollen sich 2011 mehr als 2000 Menschen an dem Event beteiligt haben.
2010 gab es das erste Weiße Dinner in der Fleischhauerstraße.

Cosima Künzel und Sabine Risch

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