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Lübeck 200 Frauen zum Weltfrauentag in Lübeck im Streik
Lokales Lübeck 200 Frauen zum Weltfrauentag in Lübeck im Streik
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22:00 08.03.2019
200 Frauen liefen am Weltfrauentag durch die Innenstadt und forderten ein gewaltfreies und gleichberechtigtes Leben. Quelle: Felix König
Innenstadt

Ein breites Bündnis von Feministinnen hat am Weltfrauentag den ersten Frauenstreik in Lübeck veranstaltet. „Wir streiken nicht gegen jemanden, sondern für Frauenrechte und Gleichberechtigung“, sagt Isabel Scholz von der Grünen Jugend. „Es geht nicht darum, dass die Lohnarbeit niedergelegt wird, sondern dass wir heute einmal nicht den Haushalt führen“, erklärt Bianca Cavallaro, eine der Organisatorinnen.

Auf zahlreichen lila Zetteln haben die streikenden Frauen die Erfolge der Frauenbewegung aufgeschrieben und an Wäscheleinen unter die Arkaden gehängt. Quelle: Felix König

Frauenrechte zum Frauentag

Der Frauenstreik am Weltfrauentag war eine bundesweite Aktion von Feministinnen. 200 kamen in Lübeck, zogen durch die Innenstadt, riefen Forderungen und machten an verschiedenen Stellen für kurze Kundgebungen Station. Originelle Idee: Unter den Arkaden hatten Frauen Wäscheleinen gespannt und daran auf lila Zetteln die Erfolge von 100 Jahre Kampf um Frauenrechte aufgeschrieben.

Bianca Cavallaro ist eine der Organisatorinnen des Frauenstreiks in Lübeck: „Wir sind ein breites Bündnis von Feministinnen.“ Quelle: Felix König

Vor dem Pflegeheim am Koberg machten die Frauen auf die schlechte Bezahlung in Pflegeberufen aufmerksam. Bianca Cavallaro: „Davon sind zumeist Frauen betroffen.“ Isabel Scholz zählt auf, wie wenige Frauen es in die Vorstände von Weltkonzernen schaffen und dass Frauen nur 30 Prozent der Bundestagsabgeordneten stellen. Die angehende Akademikerin, die an der Uni Lübeck Robotik und autonome Systeme studiert, berichtet auch von Studiengängen, in denen kaum Frauen gesichtet werden.

Isabel Scholz (Grüne Jugend): „Wir streiken für Gleichberechtigung und gegen die Benachteiligung von Frauen.“ Quelle: Felix König

Frauen raus auf die Straße

Silke Hansen vom Frauenverband Courage ärgert sich, dass sie bei einer Qualifizierungsmaßnahme in einer Weberei fast so wenig Geld hat wie eine Arbeitslose. „An unserem Sozialsystem muss sich etwas ändern“, fordert Hansen, „wer etwas macht, muss mehr haben als die, die nichts macht.“ Petra Bonk von Courage kritisiert, dass es immer noch nicht genug Betreuungsplätze für Kinder gibt. Die Hausfrau, die zwei Kinder betreut, würde gerne arbeiten. Der Verein Courage will kostenlose Kinderbetreuung, kostenlosen Nahverkehr und kostenlose Gesundheitsvorsorge.

Maria Meyer, die seit 23 Jahren mit einem Infostand zum Weltfrauentag in der Fußgängerzone steht, kritisiert aber auch die eigenen Reihen. „Es gibt 30 Veranstaltungen zum Frauentag, aber die meisten finden in Räumen statt, wo die Veranstalterinnen unter sich bleiben. Frauen müssen raus auf die Straße.“

Streit um Parteifahnen

Auf der Straße kommt es erst einmal zu Diskussionen, bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung setzen kann. Mitglieder der marxistischen MLPD weigern sich, ihre Parteifahnen einzurollen. Die Feministinnen, die den Frauenstreik organisieren, haben im Vorfeld gefordert, dass auf alle Partei-, Gewerkschafts- und Nationalfahnen verzichtet wird. „Wir wollen keine einzelnen Gruppen, sondern ein Block sein“, erklärt Bianca Cavallaro die Anweisung. Nach ein paar Minuten gibt die MLPD klein bei, es kann losgehen.

Frauen benennen Straße um

Unterwegs, an der Ecke Beckergrube und Breite Straße, überkleben die streikenden Frauen ein Straßenschild. „Dr.-Kristina-Hänel-Straße“ steht da für kurze Zeit. Die Gießener Frauenärztin wurde als „Abtreibungsärztin“ in ganz Deutschland bekannt, weil sie gegen den Paragrafen 219a kämpft, der Ärztinnen Informationen zum Schwangerschaftsabbruch untersagt.

Die Wäscheleine unter den Arkaden zeigt, dass Frauen im Kampf um Rechte schon weit gekommen sind. „Wir sind aber immer noch nicht am Ende des Weges“, erklärt Catharina Strutz-Hauch vom Mitveranstalter Frauennotruf, „vieles ist noch nicht erreicht worden.“

Kai Dordowsky

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