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Lübeck Roadtrip in die Atacama-Wüste
Lokales Lübeck Roadtrip in die Atacama-Wüste
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17:09 04.12.2018
Mit ihren Freunden Anna (l.) und Lukas erkundet Weltradlerin Luisa Rische die chilenische Pazifikküste. Quelle: Luisa Rische
Lübeck/Vina del Mar

Während die Schokoweihnachtsmänner die Supermärkte fluten, steigen die Temperaturen. Es fühlt sich an wie April, nach einem kalten Winter erwacht die Welt zum Leben. Doch im Süden ist immer noch alles verkehrt herum: Es ist Herbst, Weihnachten naht, genau wie der Sommer.

Auf dem Highway nach Syndey

Autofähren, stillgelegte Gleise, Trampelpfade und Küstenwege führen mich nach Sydney. Ich halte mich fern vom Princess Highway, doch im Bundesstaat New South Wales gehen mir die Alternativen aus. Auf der einzigen Verbindung zwischen Melbourne und Sydney fahren so viele Autos, Lastwagen und Busse wie auf der A1 nach Hamburg. Die Straße allerdings ist einspurig, die Fahrer rasen mit 110, 120 Stundenkilometern an mir vorbei, ohne auch nur einen Zentimeter zur Seite zu weichen.

200 Kilometer vor Sydney verliere ich die Geduld, halte am Ausgang von Batemans Bay meinen Daumen hoch und muss nicht lange warten. Narayan hält mit seinem 550 000-Kilometer-Toyota-Bus, voll mit allem, was der Mensch nicht braucht: Ukulelen, Kartenspiele, Perücken, Teddybären, Sombreros, Luftschlangen. Der Schauspieler, Therapeut, Casino-Clown, Yogi und Surfer ist so glücklich wie ich, einen Mitfahrer zu haben. Er plappert, ohne Luft zu holen, den ganzen Weg bis zum Royal National Park im Süden Sydneys. Dort setzt er mich ab.

Handstand vor berühmter Kulisse: Luisa Rische und ihr Fahrrad „Anton“ in Sydney. Quelle: Luisa Rische

Im Park lerne ich Lehrerin Celia kennen, die mich kurzerhand zu sich nach Hause einlädt. Als ich bei ihr ankomme, sind Celia und Tochter auf dem Sprung, denn die Schwiegertochter hat gerade ihr Kind geboren. Ich soll es mir gemütlich machen. Sturmfrei habe ich auch einen Tag später bei Caroline und Chris. Die zwei Radreisenden habe ich im Staat Victoria auf einer stillgelegten Eisenbahnstrecke kennengelernt. Auch sie haben mich eingeladen, auch sie lassen mich, eine Fremde, stundenlang allein in ihrem Haus.

Mit dem Flieger nach Südamerika

Mit Auto, Rad, Fähre und Zug geht es zum Flughafen in den Flieger nach Südamerika. Um 12.40 Uhr heben wir ab. 13 Stunden später lande ich um 11.25 Uhr in Santiago de Chile. Zeitreisen war nie leichter. Ein alter Freund, Jorge, holt mich ab. Er lebt mit seiner Familie in Viña del Mar, wo ich zwei Tage bleibe, bevor es mit dem Auto in die Wüste geht, denn für zweieinhalb Wochen reise ich nicht allein.

Anna und Lukas begleiten mich. Meine beste Freundin und ihr Freund, deren Ankunft ich seit Beginn meiner Reise entgegenfiebere, holen mich mit dem Mietauto in Viña ab. Wir fahren ins Elqui Tal, zum Energieknoten der Erde. Wir trinken das Nationalgetränk Pisco Sour und beobachten die Sterne. Über die Panamericana geht es zu den Küstenstädten Caldera und Taltal, in den Zuckerhut-Nationalpark, durch dystopische Industrietäler, an verlassenen Bergarbeiterstädten vorbei in die Hochebenen der trockensten Wüste der Welt.

Höhe, Sonne, Trockenheit

Es ist ein absurder Fleck Erde. Ein Stück Mond in Chile. Eine Welt aus einem „Mad Max“-Film. Lebensfeindlich, so scheint es. Die Höhe, die Sonne, die Trockenheit hauen uns am ersten Tag um. Bindehautentzündung, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schnappatmung. „Dinge, die nie auf die Bucket List gemusst hätten: durch die Wüste fahren“, erklärt Anna. Doch wir fahren weiter, in die von aktiven Vulkanen, Sanddünen und Salzseen umringte Oase San Pedro.

Mit dem Snowboard die Sanddüne herunter: Die chilenische Wüste ist eine lebensfeindliche Region. Quelle: Luisa Rische

Die Einheimischen laufen herum wie Inuits: Schirmmütze, Sonnenbrille, Mundtuch, Nackenschutz. Wer hier überleben will, muss auf das Sonnenbad verzichten. Während Anna und Lukas Erholung in den Thermen suchen, steige ich aufs Snowboard und surfe die Sanddünen hinunter. Einen Lift gibt es nicht. Ich muss die Düne hinauflaufen. Auf 3000 Metern ist das eine atemlose Angelegenheit.

Abschied von Anna und Lukas

Zurück am Meer ziehen wir die feuchte Luft wie Süchtige durch die ausgetrockneten Nasen ein. Wir werden fast high vom Sauerstoff. Zumindest benehmen wir uns so. Über die Panamericana geht es zurück in den Süden, zurück nach Viña del Mar, wo sich die Wege trennen. Während Anna und Lukas nach Deutschland zurückfliegen, bleibe ich noch bei Jorge und Cami, Emilia und Joaquín. Eine letzte Pause, bevor ich mit dem Fahrrad in die Anden und nach Patagonien starte.

Luisa Rische

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