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Lübeck Weniger Gleise, höhere Preise: Frischzellenkur für Lübecks Hafenbahn
Lokales Lübeck Weniger Gleise, höhere Preise: Frischzellenkur für Lübecks Hafenbahn
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00:00 21.12.2011
Innenstadt-Gleise an der Untertrave: Diese Schienen werden von der Stadt aufgegeben. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

ist im Besitz einer Eisenbahn. Denn die Hansestadt gehört zu den wenigen Städten in Deutschland, die eigene Bahngleise besitzt – sie führen alle zu den fünf Bahnhöfen in Lübecks Häfen. Wer den Hafen per Schiene beliefert, wird jetzt stärker zur Kasse gebeten. Denn der Betrieb der Hafenbahn ist defizitär. Voraussichtlich ab April will die Lübeck Port Authority (LPA) – das frühere Hafenamt – die Gebühren anheben. Statt 122,46 Euro soll ein Zug mit 15 Wagen, der einmal zur Kaikante und zurück fährt, jetzt 136 Euro bezahlen. Vor 2008 war es sogar noch billiger: Da kostete die Tour nur 35,80 Euro.

„Wir wollen den Kostendeckungsgrad auf 20 bis 23 Prozent anheben“, erklärt der Chef Hans-Wolfgang Wiese. Er hofft auf 700 000 bis 800 000 Euro Einnahmen, dem stehen aber Kosten von drei Millionen Euro gegenüber. Außerdem führt Wiese ein Belohnungssystem ein: Wer pünktlich kommt, kriegt bis zu 15 Prozent Rabatt; wer hingegen seine Fahrt auf der Schiene erst ganz kurzfristig anmeldet, muss bis zu 50 Prozent Zuschlag zahlen. Noch weiter als jetzt will Wiese die Preise zunächst nicht anheben, weil er fürchtet, dass dann der Transport auf der Straße für die Unternehmen billiger wird. Aktuell werden sowieso nur 16 Prozent der 30 Millionen Tonnen im Lübecker Hafen über die Schiene transportiert. Nur ein bis zwei Prozent kommen über den Elbe-Lübeck-Kanal, der Rest rollt über die Straße. Wiese will den Schienenanteil aber langfristig auf 30 Prozent steigern. Er ist überzeugt, dass der Lübecker Hafen über alle drei Verkehrswege erreichbar sein muss. Wiese: „Lübeck braucht die Hafenbahn.“

Ganz offiziell ist die Hansestadt seit dem 4. April 2011 Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen und Betreiber von Bahngleisen. Die Stadt musste 2008 die Hafenbahn von der Lübecker Hafengesellschaft (LHG) übernehmen. Damals hatte der Schienenbetrieb gerade mal einen Kostendeckungsgrad von fünf Prozent. 65 Kilometer gehören zum lübschen Schienennetz, das alle fünf Bahnhöfe in Lübecks Häfen verbindet. Im Durchschnitt fahren dort 400 Züge im Monat entlang. 500 000 bis eine Million Euro muss das LPA für die Instandhaltung der Hafenbahn ausgeben.

Allerdings gehören Lübeck nur die Endstücke dieser Schienenstrecken – der Rest wird von der Deutschen Bahn bewirtschaftet. So kann ein Güterzug vom Vorwerker Hafen über die Roddenkoppel und die Schwartauer Waldhalle an Dänischburg vorbei zum Seelandterminal oder zum Skandinavienkai gelangen. Aber auch von der Roddenkoppel über den Hauptbahnhof zum Konstinkai oder zum Schlutuper Hafen hat die Stadt eine eigene Schienenstrecke. Für die Tour Konstinkai bis zur Roddenkoppel gibt es seit 1892 aber auch eine Kurzstrecke mitten durch die Altstadt. Die Gleise führen über Hub- und Drehbrücke zum Roddenkoppelkai. 1,9 Kilometer misst diese Gleisstrecke – als die Brücken noch funktionierten und der Konstinkai als Hafen florierte, rumpelten dort zwei bis drei Züge am Tag durch.

Doch nun herrscht tote Hose. Deshalb will Wiese die Innenstadt-Gleise aufgeben. „Dort können nur Züge bis 200 Meter Länge lang fahren“, sagt Wiese. Und diese sind für Holz-Transporte einfach zu kurz, solche Züge kommen auf 600 Meter Länge. Der Bauausschuss hat nach langer Debatte (siehe unten) zugestimmt, Ende Januar muss die Bürgerschaft den Beschluss absegnen. Dann dauert es ein halbes Jahr, bis das formale Verfahren abgeschlossen ist. Sind die Gleise einmal stillgelegt, können sie nicht mehr reaktiviert werden.

Schon geplant, aber noch nicht beschlossen ist ein neuer Güterbahnhof am Skandinavienkai. Dort will Wiese im Gewerbegebiet für zehn Millionen Euro neue Gleise samt Stellwerk errichten. Wiese geht von einer 50- bis 75-prozentigen Förderung durch das Land aus. Hintergrund der Pläne: Die Güterströme am Skandinavienkai sollen besser organisiert werden. Die Autos würden über den neuen Bahnhof abgewickelt, die anderen Güter über den alten. 2014 könnte der neue Bahnhof in Betrieb genommen werden.

Josphine von Zastrow

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