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Lübeck Weniger Platz: Neue Auflagen gefährden das Weinfest
Lokales Lübeck Weniger Platz: Neue Auflagen gefährden das Weinfest
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18:23 11.06.2017
Vergorene Stimmung auf dem Koberg. Die Winzer auf dem diesjährigen Weinfest sind sauer. Neue Sicherheitsauflagen schmälern wortwörtlich das Probiervergnügen. Die Standbetreiber fürchten um ihren Umsatz. Quelle: Lutz Roessler

Vergorene Stimmung auf dem Koberg. Die Winzer auf dem diesjährigen Weinfest sind sauer. Neue Sicherheitsauflagen schmälern wortwörtlich das Probiervergnügen. Die Standbetreiber fürchten um ihren Umsatz.

Fünf Meter von der Straße entfernt trennt ein Bauzaun das Weinfest vom Asphalt. Zur anderen Seite hin müssen die Winzer drei Meter Platz zu der schmalen gepflasterten Straße lassen. „Dadurch fällt etwa ein Drittel der Sitzgarnituren weg“, sagt Gunther Matheus (54) vom Weingut Matheus an der Mosel. In den Vorjahren hätten in der Mitte des Platzes immer zwei Sitzgarnituren nebeneinander stehen können, so Matheus. Jetzt gibt es nur noch eine Reihe. „Dabei haben uns die Kunden in den Vorjahren immer schon gesagt, dass es mehr Plätze geben müsste“, erzählt Wolfgang Eckes (55). Durch die neuen Auflagen würden insgesamt 200 Sitzplätze wegfallen. Eckes ist seit dem ersten Weinfest vor 22 Jahren in Lübeck mit dabei und sagt: „Unter diesen Bedingungen kann ich im nächsten Jahr nicht mehr kommen.“ Und etwa 50 Prozent seiner Winzerkollegen würden das genauso sehen. Sie fühlen sich von der Stadtverwaltung schlecht behandelt. „Zumal man der organisierenden Agentur erst am 2. Mai von den Änderungen berichtet hat“, sagt Eckes. „Wir hatten gar keine Möglichkeit mehr, darauf zu reagieren. Innensenator Ludger Hinsen (CDU) verweist indessen auf die veränderte Sicherheitslage: „Gerade in der jetzigen Zeit bitte ich um Verständnis für die gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen.“

Die Winzer auf dem Koberg aber sehen nicht, inwiefern die Verkleinerung des Platzes die Sicherheit erhöhen soll. Es gibt keine richtigen Barrieren, nur die großen Abstände zur Straße. „Der Bauzaun soll vor allem Betrunkene davon abhalten, über die Straße zu laufen“, erklärt Doris Schütz vom Lübeck und Travemünde Marketing (LTM). Sie sagt: „Sicherheit geht vor, wir sehen aber die Unzufriedenheit und sind mit der Veranstaltungsagentur im Gespräch.“ Zumal das Weinfest für den Koberg wichtig sei. „Das ist eine Traditionsveranstaltung, die den Platz seit 22 Jahren belebt.“ Doch auch Schütz Erklärung führt bei den Winzern zu Irritationen. „Um Betrunkene aufzuhalten, muss man den Zaun aber nicht so weit auf den Platz stellen“, entgegnet Gunther Matheus Ehefrau Gerda. „Und die Toiletten stehen jetzt auf dem Koberg und nicht mehr auf der anderen Seite, so dass die Leute ohnehin nicht mehr rüberlaufen“, ergänzt Eckes. Er sagt: „Pro Stand müssen Ausgaben von etwa 4000 Euro gedeckt werden, so wird das nichts.“ Wenn sich das nächstes Jahr nicht bessert, so Eckes, ist das Weinfest 2017 das letzte gewesen.

Der Weinsommer auf dem Koberg ist noch am heutigen Sonntag von 12 bis 20 Uhr geöffnet.

 Luisa Jacobsen

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