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Lübeck Wenn Krebs ein Leben finanziell bedroht
Lokales Lübeck Wenn Krebs ein Leben finanziell bedroht
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22:55 19.09.2016
Georg Knoop, genannt Hugo, steht gesundheitlich und finanziell vor einer ungewissen Zukunft.
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Lübeck/Selmsdorf

Das Leben von Georg Knoop teilt sich in die Zeit bis zum 19. Oktober 2015 und die Zeit danach. An dem Tag erfuhr der junge Mann, dass er an Krebs erkrankt ist. Seitdem kämpft er gegen die Krankheit, die jetzt auch seine finanzielle Existenz bedroht. Freunde und Verwandte haben über das soziale Netzwerk Facebook eine Spendenaktion für den 35-Jährigen gestartet. Sie hoffen auf viele Unterstützer. Die Seite ist über die Suchworte „Hugo wir spenden für dich“ zu finden.

Ein Bild aus schöneren Tagen: Georg Knoop und seine Lebensgefährtin Jana Gulski. Quelle: Fotos: Privat

Hugo – unter diesem Namen ist Georg Knoop vielen Menschen bekannt. Er wuchs in Teschow bei Selmsdorf auf. Seine Schwester Franziska hat sich nun mit einer Nachricht an die LN gewandt: „Seine Freunde haben ein Konto eingerichtet für Spenden, weil die finanzielle Situation langsam zur Belastung wird. Die würden Freunde, Bekannte und Familie ihm gern abnehmen.“ Ihr Bruder habe einen schweren, leidvollen Weg hinter sich und noch vor sich. Georg Knoops Lebensgefährtin Jana Gulski berichtet: „Er hat jetzt die zwölfte Operation.“ Bisher bekam er Bestrahlungen. Am Montag begann seine Chemotherapie. Drei Monate wird sie dauern.

Es war ein schönes Leben, das „Hugo“ und seine Freundin Jana, genannt Janny, bis zum 19. Oktober 2015 führten. Sie schreibt auf der Seite „Hugo wir spenden für dich“: „Er war selbstständig mit einer Kfz-Tuningfirma und wir beide glücklich. Wir waren immer lebensfroh und haben viel unternommen. Das hat sich an dem Tag geändert.“ Georg Knoop erklärt: „Ich hatte für fünf Jahre meine Tuningfirma in Lübeck, bevor ich krank geworden bin.“ Blade Car Concept (BCC) hieß der Betrieb des gelernten Kfz-Mechanikers. Heute bedauert Georg Knoop: „Ich musste alles aufgeben.“ Er hat die Firma abgemeldet. Es ging nicht anders. Die Krankheit ließ ihm keine andere Wahl – vorerst. Doch er ist optimistisch. „Ich habe vor, sie irgendwann wieder aufzumachen, wenn ich wieder gesund bin.“

Bis dahin ist es noch ein langer Kampf. Die Krankheit hat Georg Knoop gezeichnet. Er ist blass, spricht unter Schmerzen und mit rauer Stimme. „Mundbodenkarzinom“ lautete die Diagnose der Ärzte im Herbst 2015. Bei der ersten Operation stellten sie fest, dass auch die Zunge befallen war. Sie entfernten die linke Seite der Zunge und den Mundboden, ersetzten beides mit Gewebe aus der Schulter. Es folgten Monate voller Schmerzen. „Sogar so extrem, dass er regelmäßig ohnmächtig wurde bei falschen Bewegungen“, erinnert sich Jana Gulski. Das Leben mit Krebs ist für Georg Knoop oft schmerzhaft und teuer. Die Medikamente sind kostspielig, und nicht alles übernimmt die Kasse. Jana Gulski berichtet: „Oft müssen wir Kosten vorstrecken oder bekommen sie gar nicht zurück.“ Hinzu kommen Ausgaben für gesunde, hochwertige Lebensmittel, die Ärzte dem Krebspatienten dringend empfehlen. Und dann sind da noch die vielen Fahrten zum Krankenhaus und die hohen Parkgebühren auf dem Gelände der Uniklinik.

Das Ergebnis für Georg Knoop und seine Lebensgefährtin, die ihn unterstützt, wo sie nur kann: Das Gesparte ist weg. „Ohne Familie und andere Leute wäre es schon längst so gewesen“, erläutert Jana Gulski. Zum Glück sei schon etwas Geld aus der Spendenaktion eingegangen. „Es war auch höchste Eisenbahn“, sagt Jana Gulski. „Am nächsten Tag mussten wir 500 Euro für Medikamente auslegen.“

Das Spendenkonto läuft unter DE 18140510001506208386 und auf Jana Gulskis Namen. Die Initiatoren und Unterstützer sind für jede Hilfe dankbar. Georg Knoop und seiner Lebensgefährtin ist diese Dankbarkeit anzumerken.

• Kontakt über Facebook, Seite „Hugo wir spenden für dich“.

Ein Tabuthema

Finanzielle Probleme von Krebspatienten sind ein gesellschaftliches Tabuthema, das bisher weder im Gesundheitssystem noch in der Politik oder auch der breiten Öffentlichkeit die dringend nötige Aufmerksamkeit gefunden hat.

Betroffene drohen durch das soziale Raster zu fallen. Doch durch Schamgefühle lassen sich sehr viele daran hindern, über ihre teils existenziellen finanziellen Schwierigkeiten zu sprechen.

 Jürgen Lenz

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