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Lübeck Wenn Nazi-Lieder ein Kirchenfest stören
Lokales Lübeck Wenn Nazi-Lieder ein Kirchenfest stören
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20:31 05.11.2013
Ernstes Spiel: Marie-Sofie Schumann (15, v. l.), Sönke Lorberg-Fehring und Lea-Nadine Petersen (15). Quelle: Jacob

Die Begebenheit könnte sich in jeder Stadt abspielen — auch in Lübeck: Die Gemeinde feiert ein Fest, das einen unschönen Verlauf nimmt. Am Lagerfeuer werden völkische Lieder gesungen, ein türkischer Imbiss muss vorzeitig den Betrieb einstellen. Daraufhin titelt die Presse: „Nazifest in der Kirche?“ Außerdem tauchen auf der Internet-Plattform Youtube zwei Handyfilme auf, die den Abbau des türkischen Imbisses und eine hässliche Szene am Lagerfeuer zeigen. Gegenüber der Zeitung beschwichtigt der Pastor die Situation — der betroffene Gemeinderat beruft daraufhin einen runden Tisch ein.

Das ist die Ausgangslage des Planspiels „Wegen dem bisschen Musik!?“, das jetzt 21 Teilnehmer, darunter Konfirmanden, Gemeinderatsvertreter und Pastoren, in die Bodelschwingh-Kirche gelockt hat. Eine mehrstündig nachgespielte Gemeinderatssitzung mit unterschiedlichen Argumenten steht im Mittelpunkt. Die Teilnehmer stellen sich viele Fragen. Fehlt es der Gemeinde an Mut? Soll sie von vornherein jene Festbesucher ausschließen, die auffällig gekleidet sind? Können unvorhergesehene Konflikte etwa durch Gespräche ausgeräumt werden? Anhand einer Powerpoint-Präsentation werden auch verschiedene völkische Lieder eingespielt, die zu dem Riesen-Eklat geführt haben.

„Es betrifft uns alle“, sagt Teilnehmerin Marie-Sofie Schumann (15) zum Spiel, „außerdem ist es sehr spannend, weil man in andere Rollen schlüpft.“ Auch Lea-Nadine Petersen ist von der gespielten Szenerie ganz angetan. „Es verhilft zu einer besseren, eigenen Meinungsfindung“, erzählt die 15-Jährige. Nach kontroversen Diskussionen verkündet der Gemeinderat, offen im Umgang mit Außenseitern vorzugehen. „Es handelt sich um Jugendliche, die ihr Leben noch vor sich haben“, heißt es vom gespielten Sprecher des Rates, Peter Perner. „Unsere Verantwortung ist enorm.“

Eine Einschätzung, die Gemeinde- Pastor Sönke Lorberg-Fehring im realen Leben nicht teilt. Entgegen des Planspiel-Beschlusses würde der Geistliche „sehr viel klarer gegen rechtsextreme Musik auf einem Gemeindefest reagieren und die generelle Frage aufwerfen, ob das Singen entsprechender Lieder verfassungswidrig sowie strafrelevant ist, somit angezeigt gehört. „Im wahren Leben würden solche Fragen in derart hochemotionalen Gemeinde-Situationen leicht in den Hintergrund treten. „Doch genau darum geht es in dem Planspiel: Sich gedanklich vorzubereiten auf Ausnahmesituationen, um dann mit einem kühlen Kopf das Richtige zu tun und dem kirchlichen Auftrag treu zu bleiben, Frieden zu stiften und dem Unfrieden entgegenzutreten.“ jac

LN

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