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Lübeck Wenn das Geld für den Strom nicht reicht
Lokales Lübeck Wenn das Geld für den Strom nicht reicht
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11:07 25.12.2012
Wir haben eine gesellschaftliche und soziale Verantwortung.“Lars Hertrampf, Stadtwerke
Lübeck

Das Licht bleibt aus, nur schwacher Kerzenschein erhellt die Wohnung. Für viele ist das eine romantische Vorstellung, für andere wiederum harte Realität. Sie können oder wollen die Stromrechnung nicht bezahlen, weshalb ihnen der Versorger den Anschluss sperrt. In der Weihnachtszeit ist dies ein besonders schweres Schicksal, doch die Stadtwerke schalten aus innerer Überzeugung über die Festtage niemandem den Strom ab.

Es ist ein heikles Thema, über das gerade jetzt niemand gerne redet: Stromsperren. Nach LN-Informationen trifft es in Lübeck das ganze Jahr über allein bei den Stadtwerken im Schnitt mehrere tausend Personen. Die Gründe sind vielfältig, sie reichen von Armut bis hin zum Vergessen der Rechnung. Gerade im Winter treffen oft die Nachzahlungen und der monatliche Abschlag aufeinander.

Die Stadtwerke nehmen daher gerade zu Weihnachten Rücksicht. „Wir sperren nicht über die Feiertage“, sagt Sprecher Lars Hertrampf. Dieser interne Weihnachtsfrieden gelte bereits seit Jahren ab Mitte Dezember bis in den Januar. „Wir haben eine gesellschaftliche und soziale Verantwortung“, sagt Hertrampf. Niemand soll während der besinnlichen Zeit ohne Licht und Wärme dastehen.

Einzelfälle will der Stadtwerke-Sprecher aber nicht ausschließen. „Es kann immer besondere Fälle geben.“ Dennoch nennt er Stromsperren „das letzte Mittel“. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Mehrzahl der Betroffenen einfach nur andere Prioritäten setzt und daher das Bezahlen vergisst. Hertrampf: „Der klassische Fall, jemand ist zu arm, ist nicht die Masse.“ Gerade bei finanziell klammen Haushalten gebe es bereits häufig Absprachen mit den beteiligten Behörden. Insgesamt haben die Stadtwerke etwa 130 000 Kunden, die Zahl der Stromsperren will Hertrampf nicht kommentieren. „Die meisten haben nach 24 oder 48 Stunden wieder Strom“, sagt er stattdessen. Sobald das Licht aus bleibt, reagieren die säumigen Kunden und begleichen die Rechnung.

Zuspruch für das edle Handeln der Stadtwerke kommt von der Verbraucherzentrale. „Das ist korrekt und ordentlich“, urteilt Thomas Hagen, wenngleich er ebenfalls Imagegründe hinter dem selbst auferlegten Moratorium vermutet. Laut Hagen habe die Zahl der Stromsperren wegen der steigenden Preise zugenommen. Sollte jemand betroffen sein, sei es aber falsch, „den Kopf in den Sand zu stecken“.

Ein Gespräch mit dem Versorger helfe, ebenso wie das Begleichen eines Teils der Rechnung.

Den Linken geht das nicht weit genug. Sie fordern ein Moratorium von November bis März — den gesamten Winter. Einen längeren Zeitraum lehnt Lars Hertrampf entschieden ab. „So können wir die Betroffenen nie für das Thema sensibilisieren“, sagt er. Hertrampf setzt sich dagegen für Energiesparseminare für sozial Schwache ein.

Peer Hellerling

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