Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wenn der Mast in den Schuh muss
Lokales Lübeck Wenn der Mast in den Schuh muss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:18 09.11.2017
Damit nichts umherflattert, befestigen die Vereinsmitglieder die Takelage sicher am Mast. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn (3), Sabine Risch
Anzeige
Innenstadt

Bootsbaumeister Heino Schmarje (76) kann eigentlich nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Doch als der 25 Meter lange Mast in die dafür vorgesehene Öffnung im Deck der „Lisa“ dirigiert wird und sich immer wieder Zuschauer in die Sichtachse zwischen ihm und Kranführer Wolfgang Dähn stellen, blitzt bei Schmarje einmal kurz so etwas wie Nervosität auf. „Ich kann nichts sehen, gehen Sie bitte da weg!“, ruft er einmal und wenig später etwas bestimmter ein zweites Mal.

Zur Galerie
Björn Schütt montiert überprüft die Gurte am Mast der Lisa von Lübeck.

Seit 8 Uhr morgens sind die beiden Kräne der Firmen Longuet und Graeser & Zielke auf der Nördlichen Wallhalbinsel. Zunächst haben sie die Barkasse der Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck wieder ins Wasser gehoben. Dann musste der sechs Tonnen schwere Mast, an dem die Ehrenamtler der Gesellschaft bereits wieder die gesamte Takelage montiert hatten, fest und sicher vergurtet werden.

Ein Kran hebt den Mast, der zweite zieht ihn in Schräglage. Vorsichtig bugsieren Schmarje, Kapitän Hans Heuer und andere den 60 Zentimeter dicken Mast in die Decksöffnung.

Unten im Salon der „Lisa“ kommt der Mast an. Noch ein Stück tiefer, ganz unten im Rumpf, versuchen Helfer, den Mast in den passenden „Schuh“ zu führen. Etwa vier Meter des Mastes verschwinden unter Deck. Schmarje, der mal oben, mal unten schaut, ob alles in Ordnung ist, dirigiert. „Ein Stück hoch“, ruft er Kranführer Dähn zu. Dann wird der Koloss aus Douglasie erneut abgesenkt. „Jetzt hat es rumms gemacht“, ruft Schmarje um 10.32 Uhr, doch von unten kommt die Nachricht: „Achtern liegt der Mast auf, vorne hat er fast drei Zentimeter Luft!“ Schmarje eilt wieder unter Deck, wo der Mast in seinem Schuh, wie Kapitän Peter Hecht erklärt, mit Keilen befestigt wird. Ebenso wie übrigens auf Deck.

Als Bootsbaumeister Schmarje wenig später wieder auf Deck erscheint, ist er zufrieden. Es passt, nur einer der Keile war zu dick. Die Goldmünze – das ist alte Seefahrer-Tradition – liegt unter dem Mast. „Jetzt steht der Mast da, wo er hingehört.“ Zum Schluss braucht es nur noch einen Kran – den von Graeser und Zielke, denn der hat einen Arbeitskorb am Haken. Damit zieht er Hans-Jürgen Wulff in die Höhe, denn oben, an der Spitze des Mastes, ist der andere Kran noch mit riesigen Haken befestigt. Schaukelnd bewegt sich der Korb nach oben, Wulff erledigt die Arbeit und hat wenig später wieder festen Boden unter den Füßen. Ausgemacht hat ihm die Fahrt im schwankenden Korb nichts. „Es war schön frische Luft da oben“, scherzt er. Wie seine Vereinskollegen, die sich gerade damit beschäftigen, die Takelage wieder zu enttüddeln und am Schiff zu befestigen, ist er nicht mehr ganz jung, steht aber voller Elan ehrenamtlich in Diensten des Lübecker Hanseschiffs. Nachwuchs ist willkommen – Interessierte können sich dienstags von 9 bis 13 Uhr unter Telefon 0451/7982740 melden.

 Von Sabine Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mehr als 1,6 Millionen Euro lässt das Land sich die Fischtreppe kosten, die Wakenitz und Kanaltrave verbinden wird. Doch schon jetzt zeichnet sich Ärger ab.

08.11.2017

17 Millionen Euro Sanierungsstau, zwei Millionen Euro Defizit im laufenden Betrieb und die Chefin ist auch nicht mehr da: Die städtischen Seniorenheime stehen vor einem Berg von Problemen. Politiker, Verwaltung und die Bürgermeister-Kandidaten diskutieren jetzt über Neubauten.

08.11.2017

Das Leben der Menschen im Umbruch der ehemaligen DDR bis hin zur Nachwendezeit steht derzeit im Vordergrund einer Ausstellung in der Jakobikirche. Dazu findet morgen eine musikalische Hommage an den verstorbenen Schauspieler Manfred Krug statt, der aus der DDR stammte.

08.11.2017
Anzeige