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21:45 16.09.2016
Geht Ende April 2017 in den Ruhestand: Bausenator Franz-Peter Boden. Quelle: Jelonnek

Die Hansestadt sucht zum 1. Mai 2017 einen neuen Bausenator oder eine Senatorin. Die Ausschreibung wurde jetzt vom Hauptausschuss abgesegnet. Der oder die Neue im Senat muss über umfangreiche Führungserfahrungen in der Verwaltung sowie einschlägige Erfahrungen in den Bereichen Planen und Bauen verfügen, einen kommunikativen Führungsstil pflegen und sich insbesondere um den Bau von bezahlbaren Wohnungen kümmern. Gesucht wird über Stellenausschreibungen im Internet und in Printmedien wie der Wochenzeitung „Die Zeit“ und in den LN. Amtsinhaber Franz-Peter Boden (SPD), seit 13,5 Jahren in Amt und Würden, geht jetzt endgültig in den Ruhestand.

Das wollte Boden schon zum Mai 2015. Doch die Wahl einer Nachfolgerin endete im Desaster. Bundesweit machte sich die Hansestadt lächerlich, als zwei Bewerberinnen auf den letzten Drücker von der Fahne gingen. Die Kandidatin von CDU, Linke, BfL, FDP und den damaligen Partei-Piraten hatte zurückgezogen, nachdem Unklarheiten über ihren Lebenslauf aufgekommen waren. Auch die von der SPD nominierte Bianca Urban, die in Bremen als Abteilungsleiterin der Stadtplanung arbeitete, zog überraschend zurück. „Ich bin offensichtlich zwischen die Räder parteipolitischer Querelen geraten“, sagte Urban. Die politische Szene sei so zerstritten, „dass eine zukunftsgerichtete Zusammenarbeit kaum noch möglich scheint“, bilanzierte die frustrierte Bewerberin.

Das soll diesmal besser werden. „Wir haben alle aus dieser Wahl gelernt“, erklärt CDU-Fraktionschef Andreas Zander, „und wir werden uns alle Mühe geben, dass das nicht noch einmal passiert.“ Zander glaubt nicht, dass das Desaster von damals mögliche Kandidaten bei der jetzigen Ausschreibung abschreckt. SPD-Fraktionschef Jan Lindenau ist sich da nicht so sicher. „Beim letzten Versuch war es schwer, qualifiziertes Personal zu finden. Wir hoffen auf eine bessere Auswahl.“ Lindenau weiß, dass die SPD-Kandidatin in Vorstellungsrunden vor Fraktionen „teilweise bepöbelt“ wurde. Den plötzlichen Rückzug der Kandidatin stellt Marcel Niewöhner ganz anders da. „Die SPD hat Bianca Urban geopfert“, sagt der BfL-Fraktionsvorsitzende. Mittlerweile habe die ganze Bürgerschaft vielleicht verstanden, dass nicht nach Parteibuch, sondern nach Fachkompetenz gewählt werden müsse. Niewöhner: „Unkoordinierte Baustellen, verrottende Gebäude – wir brauchen eine deutliche Verbesserung in der Leitungsebene.“

Grünen-Chef Thorsten Fürter ist zuversichtlich, dass sich das Debakel vom November 2014 nicht wiederholt. Schon bei der Wahl der Senatoren für Wirtschaft und Soziales sowie Innen und Umwelt im Januar 2016 habe sich ein neues Verfahren, moderiert vom Bürgermeister, bewährt. „Wir alle haben unsere Lektion gelernt“, sagt Fürter.

Umstritten ist allerdings ein Antrag der SPD, die die Runde vergrößern will, in der sich die Bewerberinnen und Bewerber vorstellen. Neben den Politikern sollen auch Vertreter des Architekturforums, des Bundes Deutscher Architekten, der Wohnungswirtschaft, des Mietervereins, der Haus- und Grundbesitzer, der Siedler sowie der Kreishandwerkerschaft zugegen sein. Die CDU lehnt das ab. Fraktionschef Zander: „Wir wollen keine Bürgerbefragung, werden dem SPD-Antrag nicht zustimmen.“ Grünen-Chef Fürter findet den Vorschlag politisch charmant, aber rechtlich schwierig. Denn Kandidaten, die sich aus einer gesicherten Anstellung heraus in Lübeck bewerben, müssen Gewähr haben, dass die Vorstellung nicht-öffentlich bleibt. Außerdem müsste auch die Bürgerinitiative BIRL beteiligt werden. Die größer gewordene BfL-Fraktion hingegen unterstützt den SPD-Vorschlag.

Gewählt wird Ende Januar 2017. Die Bewerbungsfrist für den mit rund 92 000 Euro pro Jahr dotierten Job läuft am 31. Oktober dieses Jahres aus.

Der Amtsinhaber

Am 1. Mai 2003 übernahm Franz-Peter Boden (SPD) die Leitung des Fachbereichs Planen und Bauen von seinem Vorgänger Volker Zahn (SPD). Boden leitete bis dahin das Baudezernat der Stadt Hürth in Nordrhein-Westfalen und setzte sich gegen 45 Mitbewerber durch. Ende Januar 2009 wurde der Ingenieur und Stadtplaner, Chef von 600 Mitarbeitern, wiedergewählt. Im November 2014 sollte ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gewählt werden. Dazu kam es nicht. Weil plötzlich keine Kandidaten mehr zur Verfügung standen, wurde Boden überredet, weiterzumachen. Eigentlich wollte er im April 2015 in den Ruhestand gehen. Jetzt ist Ende April 2017 Schluss. Im November wird der Bausenator 65 Jahre alt. Boden ist gebürtiger Rheinländer, kam in Köln zur Welt, baute in der Domstadt sein Abitur und studierte in Dortmund Raumplanung.

 Kai Dordowsky

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