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Lübeck Werdende Mütter in Not: Hebammen dringend gesucht
Lokales Lübeck Werdende Mütter in Not: Hebammen dringend gesucht
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09:44 17.09.2017
Hebamme Annemarie Weiss (li) mit Mutter Cathrin und Baby Linus. Quelle: Wolfgang Maxwitat

 Anke Bertram, Verbandsvorsitzende in Schleswig-Holstein, warnt: „Wir sind auf dem besten Weg dahin, dass ein Berufsstand mit langer Tradition langsam ausstirbt.“

Mindestens 20 Hebammen hat Claudia Kasch aus Bornhöved (Kreis Segeberg) angerufen – und nur Absagen bekommen. „Es waren einfach keine Kapazitäten mehr frei“, berichtet die 30-Jährige. Miriam Gräfke (29) aus Hamburg ist nach zehn Wochen endlich fündig geworden. „Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Hebammen ich abgeklappert habe“, erzählt sie. Ihr erstes Kind soll in den nächsten Tagen zur Welt kommen. „Da ist viel Unsicherheit. Es ist wichtig, jemanden an seiner Seite zu haben, der Erfahrung hat.“ Hebammen betreuen Frauen in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett.
„Den Engpass haben wir schon lange prophezeit“, sagt Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein. Die Arbeitsbedingungen im freiberuflichen Bereich seien schlecht. „Schlechte Vergütung, nächtliche Arbeitszeiten, hohe Haftpflichtprämien – irgendwann ist man ausgebrannt.“ Zwar ist den freiberuflichen Hebammen gerade eine durchschnittliche Erhöhung der Vergütung von 17 Prozent zugesagt worden. „Das klingt nach viel, ist aber noch immer zu wenig“, so Bertram.

Nach Auskunft ihrer Hamburger Kollegin Andrea Sturm bekommt eine Hebamme für eine Wochenbettbetreuung bisher knapp 33 Euro – egal, wie lange sie bei der Frau bleibe. „Für den Stundenlohn würde kein Klempner rauskommen“, meint Sturm. Zudem habe sich der Arbeitsaufwand in der Wochenbettbetreuung stark erhöht, da die Mütter heute nach nur wenigen Tagen aus der Klinik entlassen werden.

Wie viele Hebammen fehlen, ist nicht bekannt. Der Berufsverband sammelt seit drei Jahren Daten zur Unterversorgung. Bundesweit haben sich inzwischen 14 274 Frauen eingetragen, weil sie keine Hebamme gefunden haben – die meisten im vergangenen Jahr. Die Zahl stellt nach Einschätzung des Verbandes aber nur die „Spitze des Eisbergs“ dar. Denn längst nicht alle wissen von dieser Erfassung.

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) kündigt an, die Ausbildungskapazitäten bedarfsgerecht ausbauen zu wollen. Auch wolle man die Etablierung des Studiengangs für Hebammen und Geburtshelfer in Lübeck positiv begleiten. „Hebammen leisten einen essentiell wichtigen Teil der Geburtshilfe“, betonte Garg.

Julia Paulat

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