Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wie der Doppeladler auf die Flagge kam
Lokales Lübeck Wie der Doppeladler auf die Flagge kam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 15.12.2015
Eine Originalzeichnung des Stadtarchivs zeigt die Lübecker Flagge von 1850. Quelle: Stadtarchiv

war bis 1937 ein Stadtstaat, einer der kleinsten in Deutschland. Als Staat besaß es auch eine Flagge: Sie war von altersher waagerecht geteilt, oben weiß

und unten rot. Erstmalig wurde sie auf dem Schiffsiegel der Stadt von 1280 abgebildet.

Eine genauere Festlegung, wie die lübsche Flagge auszusehen hatte, beschloss der Senat aber erst 1850 — übrigens ohne Mitwirkung der Bürgerschaft: ein weiß-rot geteiltes Tuch, in der Mitte ein liegendes Rechteck mit dem schwarzen Doppeladler. So sollten fortan alle Lübecker Staatsgebäude und Staatsschiffe gekennzeichnet werden. Darum sprach man bald von der sogenannten Staatsflagge.

Vor genau 80 Jahren, im Herbst 1935, beschloss dann die nationalsozialistische Reichsregierung, die Fahne der Partei, die Hakenkreuzfahne, zur neuen Reichs- und Nationalflagge zu machen. Auf dem sogenannten Reichsparteitag der Freiheit wurde auch zum ersten Mal ein lübeckisches Banner gezeigt. Es handelte sich dabei um an einem waagerechten Schaft mittig hängendes Hoheitszeichen. Dieses neue Emblem hatte Lübecks Staatsarchivar Georg Fink entworfen. Drei Monate später wurde es vom Reichsstatthalter Hildebrandt ausschließlich für die Stadtgemeinde Lübeck reserviert.

Als Lübeck im April 1937 in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert werden sollte, fand Bürgermeister Hans Böhmcker es an der Zeit, die Lübeckflagge neu zu gestalten. Zunächst plante die Verwaltung einen künstlerischen Wettbewerb. Doch dann lernte Böhmcker den „Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung“ kennen. Dieser heute längst vergessene Professor Hans Schweitzer aus Berlin entwarf für viel Geld die uns heute geläufige Lübeckflagge. Den Doppeladler hat er vom Zentrum in das Obereck der Flagge gesetzt und ihn auch ganz neu gestaltet.

Nach Kriegsende ist alles beim alten geblieben. Man hielt an Flagge und Banner fest, wie sie 1937 neu gestaltet worden waren, obwohl Oberbürgermeister Emil Helms die Rückkehr zur Staatsflagge von 1850 vorschlug. Die Bürgerschaft konnte sich dazu nicht durchringen. Sogar die seinerzeit beschlossene hoheitliche Flaggenexklusivität blieb noch anderthalb Jahrzehnte bestehen. Erst seit Erlass der Hauptsatzung von 1965 kann jedermann wieder die Lübeckflagge verwenden.

Gerhard Ahrens

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kommunaler Versorger investiert 30 Millionen Euro - Tochtergesellschaft errichtet zwei neue Windräder — Fernwärme wird 5,5 Prozent billiger, Gas und Strom bleiben stabil.

15.12.2015

Dank Spenden können junge Flüchtlinge bei der Vorwerker Diakonie von einer besseren Zukunft träumen.

15.12.2015

AOK Nordwest folgt der TK – 72 Euro mehr im Jahr bei Bruttoverdienst von 3000 Euro.

15.12.2015
Anzeige