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16:47 24.06.2013
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Lübeck

Warum haben (fast) alle diese App?

Irgendwann kann man dem Druck nicht mehr standhalten. Den irritierten Blicken, dem „Wie, du hast kein WhatsApp?“, was so viel heißen soll wie: „Ich soll also dafür zahlen, dir Nachrichten zu schicken, am besten noch teure Foto-MMS, nur weil du – zutreffendes bitte einsetzen – kein Smartphone, keine Ahnung oder Datenschutzbedenken hast? Na toll!“ Während die klassische Kurznachricht pro Stück oder über eine SMS-Flat bezahlt wird, fallen für eine WhatsApp-Nachricht keine Extragebühren an (siehe unten). Man kann so oft und so viel schreiben, wie man möchte.

Kann WhatsApp mehr als SMS?

User können über Gruppen mit bis zu 30 Personen auf einmal Nachrichten austauschen – praktisch für Terminvereinbarungen. Fotos, Videos und Musikdateien bis 12 MB werden zugestellt.

Wer ist dabei?

Laut Firmenchef Jan Koum ist WhatsApp mit 200 Millionen aktiven Nutzern größer als Twitter. 

Umsonst oder nicht?

Die Preispolitik ist, gelinde gesagt, etwas undurchsichtig. Die Gratis-Zeiten sind jedoch vorbei – was angesichts der Tatsache, dass Google eine Milliarde Dollar für den Dienst lockermachen will, nicht überrascht. Der Umsatz soll jetzt schon bei 100 Millionen Dollar im Jahr liegen – und nun kommen die kostenpflichtigen Abos. „Noch in diesem Jahr“, so die offizielle Ansage. Für iPhone-Besitzer kostet der Download 89 Cent, das erste Jahr bleibt kostenfrei, in Zukunft soll danach 1 Dollar für jedes weitere fällig werden. Android- und Windows-Phone-User sollen die Gebühr ebenfalls zahlen, für sie ist der Download derzeit noch kostenlos.

Was ist mit Werbung?

Die Firmenchefs Brian Acton und Jan Koum sind laut eigener Aussage „zwei Typen, die zusammen vorher 20 Jahre als Computerfreaks bei Yahoo gearbeitet“ und die Nase voll haben von Werbung als „Störung der Ästhetik, Beleidigung ihrer Intelligenz und Unterbrechung des Gedankengangs“. Dann schon lieber die Gebühren.

Wo ist der Haken?

In der Vergangenheit sind mehrfach Sicherheitslücken bekannt geworden. Identitätsdiebstahl war mithilfe kleiner Programme, die im Netz kursieren, ein Leichtes. Nutzer müssen bei der Anmeldung ihr Adressbuch offenlegen, so werden alle Mobilfunknummern der Kontakte auf einem Server in den USA gespeichert. Dies läuft automatisch ab – selbst selten genutzte Karteileichen (Hausmeister, Urlaubsflirt...) landen ungefragt in der Kontaktliste. Ohne dass mit diesen Personen eine Unterhaltung geführt wurde, kann man per Klick auf ihr Profil sehen, wann sie zuletzt online waren – für viele ein Eingriff in die Privatsphäre. Die Nachrichten werden zudem nicht sicher verschlüsselt und sind in Wlan-Netzen leicht auszuspähen.

Wie zuverlässig ist der Versand?

Oft genug dauert er Stunden, von Echtzeit keine Spur. Manchmal liegt das an Serverproblemen. Meist jedoch an einer schlechten Datenverbindung. Telekom-Kunden schauten im September 2012 in die Röhre, als ein Softwareupdate den Dienst blockierte. Einige Tarife seien für die Nutzung von Instant-Messaging-Diensten nicht geeignet, hieß es. Insider munkeln: Providern wie der Telekom könne das nur Recht sein, verlieren sie doch immer mehr SMS-Kunden, je runder Whatsapp läuft. Mit Joyn legten Telekom und Vodafone im März ein Konkurrenzprodukt auf. Übrigens: Ein Haken hinter einer Whatsapp-Nachricht bedeutet: Zum Server übertragen. Zwei Haken: Zugestellt. Es handelt sich also nicht um eine Lesebestätigung.

Fazit:

Stiftung Warentest fand WhatsApp 2012 „sehr kritisch“, konnte dem Nachrichtenversand über Facebook allerdings ebenso wenig Gutes abgewinnen. Spätestens wenn bald die Gebühren per Kreditkarte eingezogen werden oder Google die App übernimmt, gilt es, die Nutzung zu überdenken. Annika Reichardt

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