Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Mit dem „Bachelor“ auf Tour
Lokales Lübeck Mit dem „Bachelor“ auf Tour
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 19.02.2019
„Poems for Jamiro“ live on stage. Quelle: Poems for Jamiro
Lübeck

 Die Statistik ist nicht sehr verheißungsvoll – so kann nur lediglich jeder fünfte erfolgreiche Abgänger einer Musikhochschule auf eine Festanstellung in einem Orchester hoffen, heißt es von der Deutschen Orchestervereinigung. Und um das zu schaffen, braucht es gute Nerven. „Ich rate zu einer akribischen Vorbereitung für das Probespiel“, erklärt beispielhaft Bratschen-Professorin Barbara Westphal von der Musikhochschule Lübeck (MHL), „man muss nicht nur seine Solostücke sehr gut spielen können, sondern auch die Orchesterstellen. Das wird öfter mal vernachlässigt.“ Insgesamt urteilt sie: „Der Student muss eine wahnwitzige Motivation mitbringen, um dieses scheußliche und brutale Verfahren zu überstehen. Und man muss es nicht persönlich nehmen, wenn man scheitert, sondern es immer wieder versuchen.“

Viele Musikerinnen und Musiker – wenn sie nicht gerade die Laufbahn als Schulpädagogen wählen – arbeiten daher mit ihrem akademischen Abschluss in der Tasche freiberuflich. Wie dies dann aussehen kann, zeigt das Duo „Poems for Jamiro“, Nina Müller und Laila Nysten, die beide im vergangenen Jahr die MHL hinter sich ließen. „Dass wir uns getroffen haben, war wirklich ein glücklicher Zufall, da wir unterschiedlichen Studienjahrgängen angehörten“, berichten beide, „vor knapp fünf Jahren haben wir uns in der Mensa kennengelernt und im Gespräch festgestellt, dass wir in demselben Hamburger Vorort, in Lehmsahl-Mellingstedt, aufgewachsen sind.“ Da sei die Basis gelegt gewesen, schmunzeln sie.

„Poems for Jamiro“ live on stage. Quelle: Poems for Jamiro

Und nur ein paar Wochen später sind die zwei Musikerinnen schon Seite an Seite auf eine dreiwöchige Tour gegangen. „Denn meine Band hatte sich kurz vorher aufgelöst; allerdings wollte ich unbedingt meine neuen, gerade selbst geschriebenen Songs auf die Bühne bringen“, erinnert sich Nina Müller, die ihr Studium mit klassischem Klavier begonnen hatte, aber nach zwei Jahren auf Pop-Klavier umgestiegen ist. Da habe sie dann sehr spontan Laila gefragt, ob sie mitkommen möchte, um sie bei den Konzerten auf der Geige zu begleiten. Ergebnis: Zwei Wochen am Stück habe man sich förmlich in der Hochschule eingeschlossen, um noch vor der Tour intensiv zu proben. Seitdem gibt es die Formation „Poems for Jamiro“.

Ihr mittlerweile vergriffenes Debütalbum „Homeward Bound“ aus dem Jahr 2014 dokumentiert diese Anfangsphase als akustisches Singer-Songwriter-Tandem. Passend dazu gesellte sich der Gewinn des Hamburger „Krach & Getöse“-Preises im selben Jahr. „Danach mussten wir zusammen bleiben“, lachen beide. Inzwischen zeugt ihr zweites Album „Human“ mit elf neuen Songs, mit dem sie gerade auf Deutschland-Tour sind, von einer deutlichen musikalischen Weiterentwicklung. In der Tonalität von der Zauberkraft isländischer Popmusik fasziniert, zeigen die neuen Stücke die gesamte Bandbreite der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten eines Indie-Electro-Pop-Duos, das mitunter klingt, als sei es ein ganzes Orchester.

Cover „Poems for Jamiro“. Quelle: Poems for Jamiro

„Das Gute an einem Musikpädagogik-Studiengang ist, dass man in alles ein bisschen reingeschnuppert hat“, resümiert Nina Müller, „davon profitieren wir enorm. Wir singen und spielen diverse Instrumente.“ Und es sei die Lust am Ausprobieren, so die 32-Jährige. Und ihre 24-jährige Kollegin ergänzt: „Das Studium ist relativ verschult; es bietet nicht den größten Freiraum, um sich kreativ mal eben auszuklinken.“ Da sei viel Eigeninitiative gefordert und auch mal der Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Beide weisen aber ebenfalls darauf hin, dass es an der MHL ein großes Netz an Unterstützung sowie viele Chancen, sich zu zeigen, gebe. In diesem Kontext erwähnen sie insbesondere Bernd Ruf, Professor für Popularmusik, sowie die entsprechenden Projekte wie die Pop-Revuen und die Werkstatt Popularmusik.

Prof. Rico Gubler, Präsident der MHL, betont: „Es ist erforderlich, eine Vorstellung davon zu haben, wie man sich künstlerisch ausdrückt, aber es braucht genauso eine Vorstellung, wie man sich zum Beispiel in der musikalischen Teilhabe verhält, um künstlerische Projekte zu realisieren.“ Das Duo „Poems for Jamiro“ ist wohl ein gutes Beispiel dafür.

Am Freitag live im „Rider’s Cafe“

Im vergangenen Jahr gab es an der Musikhochschule Lübeck insgesamt 124 Absolventinnen und Absolventen, davon 19 in den pädagogischen Studiengängen (Bachelor of Arts und Master of Education) und 103 in den rein künstlerischen Studiengängen (Bachelor und Master of Music). Die beliebtesten Instrumente waren dabei Violine und Klavier.

Das Duo „Poems for Jamiro“ ist gerade auf Tour. Begonnen hat sie am 6. Februar in Berlin; zu sehen und zu hören sind die beiden Musikerinnen jetzt noch am Freitag in Lübeck, im „Rider’s Cafe“ in der Leinweberstraße 4, sowie am Sonntag, 24. Februar, im Hamburger „Knust“, Neuer Kamp 30. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Tickets gibt es unter www.gastspielreisen.com/poems-for-jamiro

Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Aus der verwilderten Fläche am Spargelhof soll ein kleiner Park werden. Die Politiker entscheiden im Herbst darüber, ob sie dafür auch Geld ausgeben wollen.

19.02.2019

Familie Büttner startet neu durch: Nach einigen kleinen Schönheitsreparaturen öffnen sich am Donnerstag wieder die Türen des Traditionslokals in der Mühlenstraße.

20.02.2019

Seit 15 Jahren begleitet der Welterbe- und Gestaltungsbeirat die Arbeit der Hansestadt Lübeck. Jetzt gibt es eine neue Broschüre über die Aktivitäten. Vorstellung in der Kunsthalle St. Annen.

19.02.2019