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Lübeck Wie gefährlich ist der „Schmutzregen“?
Lokales Lübeck Wie gefährlich ist der „Schmutzregen“?
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20:27 16.07.2016
Übersät von gelb-braunen Punkten, die sich schwer entfernen lassen: das Dachflächenfenster von Jens Garber aus Niendorf. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Was fällt da nur vom Himmel? Das fragen sich immer mehr Lübecker. Der gelb-braune Niederschlag, der Autos, Fenster und Wäsche verdreckt, beunruhigte Einwohner zunächst nur auf Marli in einem kleinen Wohnbereich (Heiweg, Hegelweg, Schopenhauerstraße, Am Pohl). Sie äußerten den Verdacht, dass Flugzeuge im Landeanflug zum Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel die Fäkalientanks entsorgen, um Kosten zu sparen (die LN berichteten). Luftfahrt-Experten verwiesen dies ins Reich der Fantasie. Ein Fäkalien-Regen könne aufgrund der unterschiedlichen Windströmungen keinesfalls immer wieder auf einen so kleinen Wohnbereich niedergehen. Außerdem hätten die Flugzeuge geschlossene Toilettensysteme.

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Immer mehr Lübecker Bürger sind von dem gelb-braunen Niederschlag betroffen, besorgt und fordern jetzt Labortests – Umweltministerium soll klären, ob der Dreck aus Fäkalientanks von Flugzeugen stammt.

„Ich will wissen,

was da vom

Himmel tropft.“Eckhard Görlitz

Doch jetzt steht fest: Der gelbbraune „Schmutzregen“ fällt nicht nur auf Marli, sondern sprüht auch auf Niendorf hernieder, neun Kilometer südwestlich. Sein Auto sei regelmäßig schon kurz nach der Fahrt durch die Waschanlage verdreckt, die Dachflächenfenster seien ebenso wie die glasierten Dachziegel gelb-braun gepunktet, berichtet Jens Garber beunruhigt, der ein Haus an der Niendorfer Hauptstraße hat. Garber befürchtet, dass das Gemüse, das er anbaut, nicht mehr ausreichend hygienisch ist. Und Wäsche könne nicht mehr in seinem Garten getrocknet werden, weil sie häufig gesprenkelt sei: „Die gelb-braunen Flecken kriegt man kaum noch weg.“ Ob Auto, Stühle, Ziegel, Wäsche – „das Zeug ist überall“, klagt Jens Garber. Auch er hat Flugzeuge im Verdacht, die von Süden kommend einen Bogen über Niendorf fliegen und zurück nach Hamburg, weil sie vermutlich in der Warteschleife steckten.

Immer mehr Lübecker melden sich und fordern von den Behörden Aufklärung und Labortests. Sie haben allesamt große Zweifel an der These, dass es sich bei dem ekligen Niederschlag um „Bienenschiet“

handelt. „Das müssten dann ja Millionen von Bienen sein, die kurzfristig die Autos verdrecken“, betont Lydia Knappe, die mit ihrem Mann in der Augustenstraße an der Grenze zwischen St. Jürgen und St.

Gertrud wohnt. „Es gibt aber kaum Bienen in diesem Jahr.“ Je nach Windrichtung müsse ihr Mann den völlig verdreckten Wagen alle zwei Tage in die Waschstraße fahren: „Der ist total genervt.“

Eckhard Görlitz hat ein Haus im Dahliensteg, rund 500 Meter südwestlich des Heiwegs. Seit Jahren ärgert er sich über den Schmutz, der im Sommer „mehrmals in der Woche“ vom Himmel fällt. Die Behauptung, Bienen seien die Schuldigen, findet er lachhaft. Görlitz berichtet, wie er vor wenigen Tagen an einem schönen Sommernachmittag im Garten saß. Plötzlich nieselte Gelb-Braunes auf ihn nieder. Sein weißes Hemd war umgehend gepunktet. Auch er fordert einen Labortest: „Ich will wissen, was da vom Himmel tropft.“

Lothar Lindequist-Bulan wohnt seit zehn Jahren im Schellingweg/Ecke Soldatenweg. Seit einigen Jahren gebe es diesen gelb-braunen Niederschlag, betont auch er. „Verschmutzte Autos findet man bis zum Kaufhof hin auf einer Strecke von mindestens einem Kilometer.“ Vergangene Woche ließ er sein Auto waschen, „am Tag darauf war es wieder vollkommen verdreckt.“ Bienen die Schuld dafür zu geben, hält auch Lindequist-Bulan für absurd. Er will Klarheit. In einem Schreiben an das schleswig-holsteinische Umweltministerium fordert er eine „zeitnahe Antwort“ unter anderem auf die Fragen: Sind diese Niederschläge gesundheitsgefährdend? (Immerhin befänden sich in dem betroffenen Gebiet mehrere Grünflächen und Kinderspielplätze.) Liegt über dem betroffenen Gebiet eine Flugschneise? Betrieb das Umweltministerium schon Ursachenforschung? (Nennenswerte Industrien gibt es hier und in weiterer Umgebung nicht.) Und: Konnte das Umweltministerium schon feststellen, um was für Stoffe es sich handelt?

Torsten Teichmann

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