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Lübeck Wie gemalt: Neues Buch erklärt die Kommunalpolitik
Lokales Lübeck Wie gemalt: Neues Buch erklärt die Kommunalpolitik
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18:55 11.03.2016
Bei der Arbeit: Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) leitet seit fast 16 Jahren die Stadtverwaltung, ist Chef von mehreren Tausend Mitarbeitern und muss politische Beschlüsse umsetzen. Zeichnungen: Felix Karweick
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Lübeck

Eine Familie sitzt am Frühstückstisch. Vater liest die Lübecker Nachrichten und ärgert sich über das, was er da lesen muss. Mutter steht hinter ihm und fasst sich an den Kopf. Die beiden Kinder beobachten ihre Eltern. „Bestimmt haben sich deine Eltern schon einmal über die Politik aufgeregt, mal ist sie zu langsam, mal macht sie etwas falsch und manchmal macht sie auch überhaupt nichts“, schreiben die beiden SPD-Literaten Jan Lindenau und Tim Klüssendorf. Die Partei gibt zum „Tag des offenen Rathauses“ ein Buch heraus. „Was ist los im Lübecker Rathaus?“ heißt das Werk, das der Lübecker Karikaturist Felix Karweick illustriert hat. Auflage des Erstlings: 2500 Exemplare, die am 12. März im Rathaus verteilt werden.

Die Idee zu dem Buch im Format eines „Pixi“-Heftchens hatte der SPD-Fraktionschef Lindenau, dessen fünfjähriger Sohn „sich gelegentlich Gedanken macht, was sein Papa macht, wenn er so viel unterwegs ist“. Mit-Autor Tim Klüssendorf („Ich fand die Idee sofort super“) steuerte weitere Textpassagen dazu bei. Das Werk erläutert in einfacher Sprache die oft komplizierten Verfahren von Kommunalpolitik.

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Das Buch „Was ist los im Rathaus?“ zeigt Bernd Saxe beim Zeitunglesen, seiner Lieblingsbeschäftigung.

„Selbst Ur-Lübecker kennen das Rathaus nicht.“Jan Lindenau (SPD)

Denn die SPD hat durch Bürgerpraktikum und Bürgersprechstunden Kontakt zu Lübeckern und dabei festgestellt, „dass viele Menschen und selbst Parteimitglieder die komplexen Zusammenhänge nicht voll durchschauen“, sagt Lindenau. Das Buch soll dazu beitragen, Politik im Rathaus durchsichtiger zu machen, und es soll zugleich für Kommunalpolitik werben.

Diesem Unterfangen hat sich auch das Büro der Bürgerschaft (BdB) verschrieben, das den „Tag des offenen Rathauses“ organisiert. Das BdB hat bei einer Filmfirma ein Erklärvideo zu politischen Abläufen im Rathaus in Auftrag gegeben. In drei Minuten und 20 Sekunden wird eine Geschichte in Schwarz-Weiß-Bildern vorgeführt. Die Story: Pia ärgert sich über einen kaputten Radweg. Der Streifen zeigt, wie sie sich für die Sanierung einsetzen kann — über die Einwohnerversammlung, eine Beschwerde beim Bürgermeister oder durch ein Gespräch mit einer Rathausfraktion. Pia wendet sich an eine Fraktion, die nimmt die Beschwerde auf, fordert einen Bericht der Verwaltung an, schließlich beschließt die Bürgerschaft die Sanierung — und der Vorgang landet im Senat, in dem der Bürgermeister den Bausenator mit der Umsetzung beauftragt. Die Idee hatte die BdB- Leiterin Andrea Aewerdieck-Zorom, die in Gesprächen mit Bürgern auch immer wieder feststellte, dass die Kenntnisse über Kommunalpolitik begrenzt sind. „Viele Leute sind erstaunt, dass Kommunalpolitiker ehrenamtlich arbeiten“, erzählt Aewerdieck-Zorom.

Viele Parteien versuchen, Bürgern ihr Tun und Wirken irgendwie näherzubringen. Die SPD hat im vergangenen Jahr das Bürgerpraktikum eingeführt, bei dem Lübecker eine Woche lang die SPD- Kommunalpolitiker begleiten. 16 Bürger nutzten das Angebot, für das die Genossen im vergangenen Jahr sogar einen Preis erhielten; für dieses Jahr liegen schon wieder sieben Bewerbungen vor. Die Liberalen und die Wählergemeinschaft BfL laden regelmäßig zu Stammtischen ein. Die Grünen haben gerade eine neue Kampagne gestartet. Zu Themen wie Kultur, Stadtentwicklung oder Soziales wurden Arbeitskreise gebildet, die für alle Bürger offenstehen — ob mit oder ohne Parteibuch. „Wir wollen damit den Sachverstand der Bürger nutzen, die sich nicht an eine Partei binden wollen“, erklärt Bürgerschaftsmitglied Katja Mentz. Die Linke startet morgen eine neue Kampagne, die Bürger zum Mitmachen bei Projekten wie Erwerbslosenfrühstück oder Kino im Praktikermarkt auffordert.

Allen Angeboten ist eines gemein: Sie bewegen keine Massen. Das ist beim „Tag des offenen Rathauses“ anders. Zur Premiere vor zehn Jahren kamen Tausende Lübecker.

Offenes Rathaus

Am Sonnabend, 12. März, öffnet das Rathaus von 10 bis 17 Uhr seine Türen. Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und Bürgermeister Bernd Saxe (beide SPD) laden zu einer Entdeckungstour durch die historischen Räume. Einblicke in die Arbeit von Verwaltung und Politik geben Mitarbeiter des Personalservices, Vertreter des Seniorenbeirates und die Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse. Politiker stehen an diversen Infoständen Rede und Antwort. Im Roten Saal berichten Ausschussvorsitzende über die Arbeit in den politischen Gremien — um 11 Uhr geht es um Jugend, um 12 Uhr um Kultur, um 14 Uhr um Wirtschaft, um 15 Uhr um den Hauptausschuss und um 16 Uhr um Schule und Sport. Ein Kurzfilm wird im Bürgerschaftssaal gezeigt.

Von Kai Dordowsky

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