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Wie kommt die Stadt an die Jugend von heute ran?

Lübeck Wie kommt die Stadt an die Jugend von heute ran?

Die Politiker wollen die Meinung der jüngeren Generation öfter einholen. Unklar ist aber, wie das gehen soll.

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Manchmal ist Politik unterhaltsam: Alicia Carrau (ganz l.), Sara Hadley (Mitte) und Jan Karnatz (r.) diskutieren übers Mitmachen. Das Stadtschülerparlament will als Stimme der jungen Generation wahrgenommen werden.

Quelle: jvz

Lübeck. Diesmal wurden sie gefragt: Wann sollen die Geschäfte an den Einkaufssonntagen öffnen? Klare Antwort vom Stadtschülerparlament (SSP): 11 bis 17 Uhr. Genützt hat es nichts. Die Läden werden von 13 bis 18 Uhr aufgemacht. So viel zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Stadt. „Es muss sich etwas an der Einstellung der Menschen ändern“, meint Sara Hadley (18). Die Schülerin der Oberschule zum Dom gehört zum neuen SSP, deren Mitglieder und Gäste sich dicht gedrängt in der Mengstraße 41 im Dachgeschoss tummeln. Das Thema: Wie kommt die Stadt ran an die Jugendlichen? Wie können die jungen Frauen und Männer ihre Meinung gegenüber der Stadt kundtun?

„Vielleicht gibt es noch andere Formen als das Stadtschülerparlament“, meint Pito Bernet, Geschäftsführer des Kreisjugendrings. Er gehört zu einer Arbeitsgruppe, die aus dem Jugendhilfeausschuss entstanden ist und sich um das Mitmachen der Jugend kümmern soll. Denn die lübschen Politiker haben beschlossen, dass sie mehr Beteiligung der jüngeren Generation wollen. Deshalb ist Bernet bei der Sitzung des SSP. Ein großes Problem der Schüler: die Busse. Vor allem an dem Berufsschulzentrum an der Lohmühle geht zu Spitzenzeiten nichts mehr. „Das Problem in der Triftstraße gibt es schon lange“, sagt Christopher Blanck (16) von der Friedrich-List-Schule. „Aber es passiert nichts.“ Unterm Strich zählten dann doch wirtschaftliche Argumente. Er ist etwas desillusioniert: „Wir haben wenig Einfluss, um etwas zu ändern.“ SSP-Sprecher Christopher Funke stimmt zu: „Es ist schwer, etwas zu ändern, wenn es schon fertig ist.“ Auch Sara berichtet von einem Projekt an ihrer Schule, bei dem es um Klima und Umwelt ging. „Wir haben das auch den Politikern vorgestellt, und die waren angetan.“ Doch passiert ist — nichts. „Das scheitert an der Barriere des Geldes“, meint die junge Frau.

Ein anderer: „Es ist ein langer steiniger Weg.“ Und man stelle sich die Frage, ob das ganze Engagement überhaupt zum Erfolg führt?

Die Themen, für die sich die Schüler am meisten interessieren, sind schnell beisammen: Busse, Fahrradwege, es gibt den Wunsch nach mehr Veranstaltungen, mehr Sport und sozialen Projekten. Aber auch mehr Mitsprache in der Schule steht auf dem Wunschzettel ganz oben: bei Pausenzeiten, Ferien — und den beweglichen freien Tage wollen die Kinder und Jugendlichen gefragt werden. Aber auch Klassenregeln wollen sie mitbestimmen. Doch in den Schulen funktioniert das Mitmachen sehr unterschiedlich — je nach Lehrer. „Wir reden bei uns im Klassenrat manchmal gegen eine Wand bei unserem Lehrer“, berichtet eine junge Schülerin. „Bei uns funktioniert das gut. Wir sind da sehr gleichberechtigt“, ist hingegen Vanessa Grünlingers Erfahrung. Die 18-Jährige besucht die Berufsschule in Lensahn in Ostholstein.

Doch es ist für die Stadtverwaltung auch nicht immer leicht, an die Jugendlichen ranzukommen, so Bernet. „Lehrer müssen sich auch engagieren, dass Jugendliche sich engagieren“, meint eine Schülerin.

Wenn Mitbestimmung in der Klasse gelernt werde, dann falle das auch bei Themen der Stadt leichter. Für SSP-Sprecher Jan Karnatz (18) vom Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium ist klar: „Als Stadtschülerparlament wollen wir der zentrale Ansprechpartner sein.“ In der Debatte wird aber auch klar: Jugendzentren oder Schulen müssen sich selbst in Sprecherräten organisieren. Und zusätzlich wäre Projektarbeit angesagt zu aktuellen Themen, an denen sich Jugendliche beteiligen können. Als Beispiel nennt Bernet das Thema Spielplätze. Da versorgt die Stadt die umliegenden Häuser mit Flyern und fordert zur Mitgestaltung von den Spielplätzen auf. Bernet: „Das funktioniert meist sehr gut.“

Das nächste Treffen zum Thema Mitbestimmung ist am Dienstag, 26. November, um 17 Uhr in der Diele in der Mengstraße 41.

Josephine von Zastrow

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