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Lübeck Wie vor 800 Jahren: Ein Keller aus Eichenholz
Lokales Lübeck Wie vor 800 Jahren: Ein Keller aus Eichenholz
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10:49 25.01.2018
Jan Scheide (19) aus Dresden absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Wallmuseum in Oldenburg (Holstein). Mit anderen FSJlern aus Schleswig-Holstein baut er in Lübeck einen Keller nach, der auf dem Grundstück Fischstraße 17 gefunden wurde.
Innenstadt

Jan Scheide (19) nimmt den schweren Hammer und treibt drei Metallkeile nebeneinander in den dicken, liegenden Eichenstamm. Das Holz knackt. Er nimmt den mittleren Keil heraus und schiebt einen dicken Holzkeil nach. Die Decke des Stamms hebt sich. Jan Scheide und seine Kollegen lösen sie vom Stamm und tragen sie weg.

Junge Freiwillige bauen auf der Nördlichen Wallhalbinsel einen Keller aus dem 12. Jahrhundert nach. Er soll in einer Ausstellung in Berlin gezeigt werden. Das Original hatten Archäologen im Gründungsviertel gefunden.

Kulturerbejahr 2018

Die Europäische Kommission hat dieses Jahr zum Kulturerbejahr erklärt. Es soll den Europäern ihr gemeinsames kulturelles Erbe näherbringen.

In Deutschland gibt es etwa 60 Projekte – sie präsentieren so unterschiedliche Themen wie die Geschichte des Moors im Emsland, die Bamberger Altstadt und die Betonarchitektur des Ruhrgebiets.

Infos unter www.sharingheritage.de.

Als die ersten Siedler vor 850 Jahren im Gründungsviertel ihre Häuser bauten, gab es noch keine Sägewerke. Aber gute Handwerker gab es. Mit dem Verfahren, das Jan Scheide und die anderen Freiwilligen der Jugendbauhütte Lübeck anwenden, machten sie aus Eichenstämmen Balken, und aus den Balken bauten sie Keller. „Die Leute müssen gut zusammengearbeitet haben“, sagt Lukas Bögemann (19) nach seinen Erfahrungen mit der alten Bauweise.

Mehr als 40 solcher Holzkeller fanden die Archäologen bei ihren Ausgrabungen im Gründungsviertel in den Jahren 2009 bis 2014. Die letzten Ausgrabungen waren 2017 abgeschlossen. Jetzt sind die Wissenschaftler dabei, ihre Funde und Befunde auszuwerten. Im Herbst werden sie ihren mehrere tausend Seiten starken Bericht präsentieren. Aber es wird auch anschaulichere Darstellungsformen für die breite Öffentlichkeit geben. Für dieses Projekt unter dem Titel „Archäologie und Stadtplanung in Lübeck – das urbane Erfolgsmodell des Ostseeraums verstehen, vermitteln und erleben“ haben die Possehl-Stiftung und die Bundesregierung zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 je 100000 Euro bereitgestellt.

Dazu gehört der Kellerbau der Jugendbauhütte. Unter Anleitung lernen junge Erwachsene, die in Schleswig-Holstein ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren, die alten Handwerkstechniken. Die Kellerkonstruktion, die sie auf diese Weise nachbilden, wird in Einzelteilen nach Berlin transportiert und ab Ende September in der Ausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt. 2019 ist sie dann im Museumsquartier St. Annen zu sehen.

Außerdem wird es in diesem Jahr Führungen im Gründungsviertel geben, das nach dem Abriss eines Berufsschulkomplexes aus den 50er Jahren ein Neubaugebiet ist. Dabei sollen auch moderne Medien zum Einsatz kommen. Eine FSJlerin hat eigens eine Führung für Schulklassen entwickelt. Einzelne Keller würden in den Neubauten als „historische Reservate“ erhalten, erklärt Manfred Schneider, Chef des städtischen Bereichs Archäologie.

Ein Video zu diesem Artikel finden Sie unter www.LN-Online.de/Videos.

 Hanno Kabel

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