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Lokales Lübeck Wie weit ist Lübeck bei der Integration?
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20:10 13.08.2018
Zwei Flüchtlinge arbeiten in einer Metallwerkstatt. Integration von Zugewanderten erfolgt über Bildung, Ausbildung und Arbeit und natürlich zuerst über Sprachkurse. Ein Lübecker Integrationsmonitoring hat Daten dazu für die Hansestadt zusammengetragen. Quelle: Fotos: Maxwitat/roessler/archiv
Lübeck

Spyridon Aslanidis hat als Kind in Hamburg Alltagsrassismus erlebt. So schlimm, dass seine Mutter mit ihm nach Griechenland zurückkehrte. Später kam Aslanidis nach Deutschland zurück. Heute arbeitet er bei der Wirtschaftsförderung, hat politische Ämter bekleidet und ist Vorsitzender des Forums für Migranten. „Bei meiner Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben erfahre ich keine Diskriminierung“, sagt Aslanidis. Sprüche zu den Griechenland-Rettungspaketen hat er unter Scherzen abgetan. Trotzdem ist er überzeugt, dass Ausländer und Zugewanderte Diskriminierung erleben. „Sie ist wie ein Eisberg, wir sehen nur die Spitze.“

Seit dem Özil-Rücktritt diskutiert ganz Deutschland über die Integration von Zugewanderten. Die Hansestadt hat in ihrem „Integrationsmonitoring 2016/2017“ sogar Zahlen dazu. Philipp Köhler von der Stabsstelle Integration räumt ein: „Es ist noch ein weiter Weg.“

Wie kann Lübeck Menschen mit Migrationshintergrund integrieren? Die Frage stellten sich Politiker schon vor Jahren. Heraus kam 2012 ein Integrationskonzept mit zahllosen Empfehlungen. Geschaffen wurde ein Integrationsfonds, aus dem Projekte finanziert werden. Dazu wurde eine Stabsstelle Integration eingerichtet. Die arbeitet an Indikatoren zur Integration, hat im März 2018 einen Zwischenbericht vorgelegt. „Wir brauchen Informationen darüber, in welchen Bereichen es Defizite und Handlungsbedarfe gibt“, begründet Sozialsenator Sven Schindler (SPD) diesen Bericht. Der zeigt auf, welche Bildungs- und Arbeitschancen Ausländer in der Hansestadt haben. Allein auf diesen beiden Feldern gibt es genügend Handlungsbedarf.

Drei Prozent auf Gymnasien

Zehn Prozent der Bevölkerung sind Ausländer ohne deutschen Pass. Unter den Schulabgängern, die statt in eine Lehre oder ein Studium zu wechseln im sogenannten Übergangssystem landen, machen Ausländer 21,8 Prozent aus. Der Anteil von ausländischen Schülern, die an Gymnasien unterrichtet werden, liegt seit Jahren konstant bei um die drei Prozent. „Ein Ziel ist es, den Anteil dieser Schüler zu erhöhen“, erklärt Philipp Köhler von der Stabsstelle Integration. Michelle Akyurt, Kind türkischer Eltern, in Hamburg geboren, Rechtsanwältin und Fraktionschefin der Grünen in der Bürgerschaft, hat als Schülerin erlebt, „dass die Herkunft bei der Empfehlung für das Gymnasium eine Rolle spielt. Und das hat sich bis heute nicht geändert.“

Der Anteil der Ausländer in Lübeck, die Hartz IV empfangen, beträgt 23 Prozent. Frühkindliche Bildung gilt als Schlüssel zur reibungslosen Integration. Der Integrationsmonitor zeigt, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund in den Krippen (Kinder bis zu drei Jahre) unterrepräsentiert sind. Mit der Bildungsintegration klappe es in Deutschland noch nicht gut, bestätigt Aneta Wolter. Die gebürtige Albanerin und Diplom-Ingenieurin sitzt für die CDU in der Bürgerschaft und engagiert sich im Migrationsforum. „Für viele dieser Kinder fängt genau mit der Einschulung ihr schulischer Erfolg und oft genug auch ihr Misserfolg an“, sagt Wolter, die rassistische Anspielungen erlebt hat.

Wichtig für die Wirtschaft

Doch sowohl Aslanidis als auch Wolter attestieren der Hansestadt, dass sie sich um Integration bemüht. „Lübeck bietet den Migranten und Ausländern viele Chancen auf verschiedenen Ebenen“, sagt Aneta Wolter, „im Vergleich zu anderen Städten klappt dies schon recht gut.“ Aslanidis verweist auf „die lebendige Szene aus Vereinen, Initiativen und Projekten, die Integration, Teilhabe und Vielfalt in Lübeck voranbringen“. In den letzten fünf Jahren sei vieles in Bewegung gekommen. Sogar die Wirtschaft bemühe sich wegen des Fachkräftemangels zusehends um Flüchtlinge. Unternehmer mit ausländischen Wurzeln sind für die Lübecker Wirtschaft durchaus ein Faktor, berichtet Aydin Candan. „Es gibt rund 1000 Geschäfte, die von einem Bewohner mit Migrationshintergrund betrieben werden“, sagt der kurdischstämmige SPD-Politiker, der für Moisling in der Bürgerschaft sitzt und Lübeck als weltoffene Stadt erlebt. „Im Großen und Ganzen erlebe ich fast ausschließlich Menschen in Lübeck, die mir und anderen Menschen mit Migrationshintergrund freundlich begegnen.“

Wie steht es um die Sprachförderung für Flüchtlinge in der Hansestadt? Das wollte Grünen-Fraktionschefin Akyurt wissen. Das Angebot ist riesig. Es gibt Sprachkurse vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, vom Land sowie ehrenamtliche Sprachcafés. Dazu hat die Volkshochschule mit Hilfe der Possehl-Stiftung „Deutsch für alle“ aufgelegt. In den Jahren 2016 und 2017 wurden dadurch rund 15

000 Unterrichtseinheiten angeboten.

„Die Sprachförderung in Lübeck ist im landesweiten Vergleich sehr gut“, sagt Philipp Köhler von der Stabsstelle Integration. Allerdings: Die Erfolgsquote bei den Abschlüssen sei in den vergangenen Jahren gesunken – nicht nur in Lübeck, sondern bundesweit. Licht und Schatten also. Grünen-Politikerin Akyurt: „Die Qualität von Sprachkursen ist ausbaufähig.“ Sie schlägt Anreize für Anbieter vor, die eine hohe Zahl an Teilnehmern erfolgreich qualifizieren.

Von Kai Dordowsky

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