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Lübeck Wieder Massenschlägerei und Messerstecherei am Zob
Lokales Lübeck Wieder Massenschlägerei und Messerstecherei am Zob
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22:04 11.12.2017
Bei der Messerstecherei am Lübecker ZOB wurden zwei Persoenen verletzt. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Es ist Sonntagmorgen, gerade 0.30 Uhr, als bei der Einsatzleitstelle der Polizei mehrere Notrufe eingehen: Im Bereich der Bussteige gibt es eine größere Schlägerei. Zwölf Streifenwagenbesatzungen eilen zum Zob, beim Eintreffen sehen sie etwa zehn Personen, die fluchtartig den Platz verlassen wollen – und sich dabei lautstark anbrüllen.

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Wie so oft in diesem Jahr hat sich eine Massenschlägerei entwickelt, bei der auch Waffen eingesetzt werden: Zehn Einsätze allein im Zeitraum zwischen Anfang Mai und Mitte Juni verzeichnete die Polizei in Lübeck – stets Schlägereien größerer Gruppen, scheinbar aus heiterem Himmel, oft sind junge Männer mit Migrationshintergrund beteiligt, teilweise gab es auch einen Drogenhintergrund.

Dieses Mal scheint es den nicht zu geben: „Die ersten Feststellungen und Ermittlungen ergaben, dass sich offensichtlich aufgrund von vorausgegangenen Beleidigungen eine Schlägerei entwickelt hatte, bei der ein Beteiligter ein Messer einsetzte“, teilen Dr. Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, und Polizeisprecher Stefan Muhtz am Montag mit.

Die Einsatzkräfte der Nacht von Sonnabend auf Sonntag sehen einen 29-Jährigen, der mit Stichverletzungen im Bauchbereich und am Ohr auf dem Boden liegt. Ein 26-Jähriger klagt über Atembeschwerden, kollabiert kurzzeitig und hat leichte Gesichtsverletzungen, ein 27-Jähriger hat eine Stichverletzung im Bauch und wird – wie der 29-Jährige – ins Krankenhaus gebracht und operiert. Zwei weitere Männer und zwei Frauen werden leicht verletzt. Alle stammen aus dem Irak und wohnen bis auf zwei Verletzte in Lübeck.

Zudem klagt ein 18-Jähriger aus Afghanistan über Schmerzen im Bauch, wo er nach eigenen Angaben mit einem Schlagring getroffen worden sei.

Der Tatverdächtige stammt ebenfalls aus Afghanistan. Aufgrund erster Zeugenaussagen wird der 17-Jährige, als Intensivtäter in Sachen Gewaltdelikte polizeibekannt, festgenommen. Noch am Montag beantragt die Staatsanwaltschaft den Erlass eines Haftbefehls und führt den jungen Afghanen dem Haftrichter vor. Die mutmaßliche Tatwaffe – ein Küchenmesser – finden die Beamten vor Ort und stellen sie sicher.

Bereits Anfang 2016 wurden Busse mit Sicherheitskameras ausgestattet und Kameras auf der Mittelinsel des Zobs installiert. In Kooperation von Stadt und Polizei war der Zob, ebenso wie der Krähenteich, zum gefährlichen Ort erklärt worden. Das heißt: Ohne Anlass dürfen hier Personen kontrolliert werden.

Die verstärkte Zusammenarbeit der Polizei mit Streetworkern, Schulleitern und Drogenberatern, so hieß es noch im September, habe Wirkung gezeigt: Sowohl die Drogenproblematik als auch die Massenschlägereien seien unter Kontrolle. Zwischen Anfang Juni und Anfang September waren 100 Personen überprüft worden, 15 Strafverfahren – wegen Körperverletzung – wurden eingeleitet. Während sich die Drogenszene am Zob beruhigt habe, gibt es die Schlägereien weiterhin.

Für die Aufklärung des aktuellen Falls ist die vom Stadtverkehr installierte Kamera an der Mittelinsel des Zobs eine Hilfe: „Die entsprechenden Bänder wurden sichergestellt und ausgewertet“, so Muhtz. „Im Fokus der weiteren Ermittlungen stehen zunächst insbesondere die Vernehmungen der Beteiligten und der Zeugen.“

Von Sabine Risch

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