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Lübeck „Wiesn“-Stimmung in der MuK
Lokales Lübeck „Wiesn“-Stimmung in der MuK
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23:06 21.08.2016
Vorbote: Ein großes Plakat an der MuK kündigt das Event vom 1. bis 3. Oktober an. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Wolfgang Maxwitat

Es gibt wieder ein Oktoberfest in Lübeck. Am langen ersten Oktoberwochenende lädt der Lübecker Party-Veranstalter Mike Hasemann zum bayerischen Fest in die MuK.

Der Veranstalter Mike Hasemann richtet in der Rotunde erstmals ein Oktoberfest aus.

Hasemann spielt auf das Oktoberfest an, das bis 2005 auf dem Markt stattfand und vielen nicht nur in guter Erinnerung ist. Seit 1997 veranstaltete der Lübecker Schaustellerverband unter der Federführung des Zeltverleihers Henning König es in bester Lage auf dem Markt. Zu Hochzeiten zog es nach Veranstalterangaben fast 100000 Besucher an. Allerdings hatte die Polizei mitunter alle Hände voll zu tun. Es gab Pöbeleien, Schlägereien, Körperverletzungen. An einem Abend im Jahr 2001 waren 22 Streifenwagen im Einsatz. 2006 entschied die Bürgerschaft, Lübecks gute Stube für derartige Feste nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

So etwas werde sich in der MuK nicht wiederholen, versichert Hasemann, der nach eigenen Angaben 100000 Euro in das Event investiert. „Wir haben keine Kirmes vor, und wir werden darauf achten, wer reinkommt.“ Dass bei einem Oktoberfest Bier fließt, gehört für ihn dazu: „Natürlich müssen die Leute trinken. Wir wollen ja Umsatz machen. Aber wir machen eine klassische Türkontrolle, das funktioniert.“ Hasemann hat Erfahrung als Veranstalter in der MuK. Besonders bekannt sind seine Ü-30-Partys. „Wir haben in zehn Jahren bei meinen Veranstaltungen nicht eine Schlägerei gehabt“, betont er.

Das Konzept habe die MuK gemeinsam mit Hasemann entwickelt, sagt MuK-Sprecherin Gesa Lüdeke. Es sei eine gute Ergänzung des Veranstaltungsprogramms. „Man spricht noch einmal ein ganz anderes Publikum an.“ Sie verspricht: „Es wird nicht zu einem Fest mutieren, wo alles aus den Fugen gerät.“

Christian Martin Lukas, Chef der städtischen Tourismusagentur LTM (und ehemaliger Sprecher der MuK), hat nichts gegen das Fest. „Ich komme aus Bayern“, sagt er, „und das Oktoberfest dort ist in Teilen sehr hochwertig“, sagt er, schränkt allerdings ein: „Ich würde es nie veranstalten, um die Marke Lübeck zu stärken. Aber die MuK hat in der jetzigen Situation ja überhaupt keine Wahl.“ Hintergrund ist die schlechte finanzielle Lage des Hauses, dessen Konzertsaal wegen baulicher Mängel seit fast einem Jahr gesperrt ist.

Die MuK braucht dringend Einnahmen – das ist auch für Henning Stabe (CDU), den Vorsitzenden des Kulturausschusses der Bürgerschaft, der entscheidende Punkt. Gefragt, ob die MuK der richtige Ort für ein Oktoberfest sei, sagt er: „Meiner Ansicht nach ist kein Ort außerhalb der „Wiesn“ der richtige für ein Oktoberfest. Aber jede Veranstaltung, die dazu beiträgt, ein paar Euro in die Kassen der MuK zu spülen, ist in Ordnung.“

Thorsten Fürter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte im Januar Aufsehen erregt mit der Behauptung, die MuK werde nur von Mittel- und Oberschicht besucht. „Grundsätzlich haben die Grünen nichts dagegen, wenn gefeiert wird“, sagt er jetzt. „Natürlich ist das jetzt kein kulturelles Ereignis, aber die MuK muss gucken, dass sie Veranstaltungen an Land zieht.“

Überhaupt kein Problem mit der Veranstaltung hat Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck-Managements: „Dafür ist die MuK doch da!“, sagt sie. „Ich maße mir nicht an zu sagen, wo fängt Qualität an, wo hört sie auf.“ Sie verweist auf die jährliche „Bagaluten-Wiehnacht“ der Band Torfrock: „Da sagen manche auch: ,Oh, Gott!‘, andere sagen: ,Das ist Kult!‘ Nur weil das Kind Oktoberfest heißt, muss ich nicht sagen, dass es da ein Problem gibt.“

Der SPD-Politiker Frank Zahn, Mitglied des MuK-Aufsichtsrats, begrüßt, dass ein Lübecker Unternehmer das Fest ausrichtet. Auch sonst hat er nichts auszusetzen: „Die MuK wurde immer mal wieder ermahnt, dass sie ein ausgewogenes Programmangebot haben soll“, sagt er. Und fügt hinzu, bezogen auf das Oktoberfest: „Ich würde da auch hingehen.“

Oktoberfest-Boom

40 000 Besucher zog im vergangenen Jahr das Möbel-Kraft-Oktoberfest in Bad Segeberg an. Es findet auch dieses Jahr an mehreren Terminen ab 16. September statt.

Im September und Oktober gibt es größere Oktoberfeste unter anderem in Hamburg-Bergedorf, Lüneburg, Boizenburg und Schwerin. Dazu kommen kleinere wie bei der Freiwilligen Feuerwehr in Niendorf bei Berkenthin (Herzogtum Lauenburg, 25. September).

 Hanno Kabel

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