Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wildschwein von vier Hunden gejagt
Lokales Lübeck Wildschwein von vier Hunden gejagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:26 12.01.2017
Mit Welpe „Aura“ lässt Jagdpächter Wolf Menken den Blick über das Naturschutzgebiet schweifen. Für Hunde herrscht Leinenpflicht. Quelle: Fotos: Neelsen
Anzeige
Lübeck/Lüdersdorf

Freilaufende Hunde stöbern ein Wildschwein auf und hetzen es über die Heidefläche. Ein weißer Schäferhund, der einer Spaziergängerin begegnet, hat hellrote Blutspuren am Maul. In der Palinger Heide sollen vier große Hunde ein Wildtier gejagt haben. Einige der Hunde sollen aus einer Hundeschule und -pension stammen. Die Polizei bestätigt einen Vorfall mit freilaufenden, wildernden Hunden.

Halterin lässt Tiere in Palinger Heide frei laufen – Jagdpächter: „Wir haben hier ein Riesenproblem“.

„Ich wurde von einer Zeugin angerufen“, berichtet der Lübecker Jagdpächter Wolf Menken. Die Frau habe auf dem Waldparkplatz an der Straße Schattin den weißen Schäferhund laufen sehen und ihn zu sich gerufen. „Ein zweiter Spaziergänger hatte ebenfalls vier freilaufende Hunde an der Wildtierbrücke gesehen“, so Menken.

Aus Polizeikreisen wird der Vorfall bestätigt. Demnach waren die Beamten gerufen worden, nachdem vier Hunde in der Nähe von Duvennest ein Wildschwein verfolgten.

Als die Polizisten am Tatort eintrafen, war eine Hundehalterin mit zwei Tieren noch vor Ort. Tatsächlich stellte man vor Ort fest, dass einer der Hunde Blutspuren im Fell hatte. Ob diese von dem Wildschwein stammen, ist allerdings unklar. Die zwei weiteren Hunde seien laut Polizeibericht ins Dorf gelaufen. Wem die Tiere gehören, sei derzeit nicht bekannt. Die Hundehalterin habe eingeräumt, dass sie ihre beiden Tiere ohne Leine habe laufen lassen.

„Die Halterin war sehr einsichtig. Einen Hund hatte sie von der Leine gelassen, der war getürmt. Den zweiten Hund hatte sie dann hinterhergeschickt, um den ersten einzufangen“, erzählt Jagdpächter Menken. Besonders bitter: Die Hunde stammen aus einer Hundeschule und -pension, die sich laut Website mit „Problemen wie Jagen“ beschäftigt.

Das gehetzte Wildschwein konnte Jagdpächter Menken nie finden. „Wir sind mit einem Schweißhund raus und haben versucht, die Fährte aufzunehmen“, erklärt Menken. Nach Erzählungen der Spaziergängerin sei das Schwein bereits sehr erschöpft gewesen, als es versuchte, vor den Hunden zu flüchten. „Die Hunde haben es flankiert und waren dicht dran“, so der 68-Jährige. Das helle Blut an der Hundeschnauze deute daraufhin, dass das Wildschwein im Kopfbereich geblutet habe. „Das Grundproblem ist einfach, dass hier viele Städter unterwegs sind, die die freien Flächen nutzen, um ihre Hunde laufen zu lassen“, sagt der Jagdpächter. Vor allem aus Lübeck kämen die Hundehalter. „Dabei ist hier nicht nur Naturschutzgebiet, wo Leinenpflicht herrscht.“

Hinzu kommt, dass die Ländereien reiner Privatbesitz sind. Es gibt keine öffentlichen Wege. Die Hinweisschilder und der Leinenzwang werden von Menschen einfach ignoriert. „Wildtiere sind tagsüber kaum noch zu sehen; die freilaufenden Hunde verschrecken sie“, so Menken.

Die Besitzer der Vierbeiner seien oft unbelehrbar. „Natürlich gibt es gute Gegenbeispiele. Einige genießen friedlich die Natur. Aber wir haben ein Riesenproblem mit freilaufenden Hunden.“ Die Halter würden mit ihrem Verhalten nicht nur Wildtiere und andere Menschen gefährden. „Wenn ein Hund beim Wildern auf eine Bache trifft, kommt er nicht mehr lebend aus dem Wald“, macht Jagdpächter Menken deutlich.

 Tomma Petersen und Michael Prochnow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige