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Lübeck Wildschweine mit Freischwimmer
Lokales Lübeck Wildschweine mit Freischwimmer
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20:21 17.09.2016
Werner Nachtigal (li.) und Christoph Benett, Sprecher der Kreisjägerschaft, untersuchen die Spuren der Eindringlinge. Quelle: Fotos: Garve (2), Dpa

Sie kommen in der Dämmerung und sind auf der Suche nach Futter. Und sie können schwimmen. „Die Wildschweine haben hier alles umgegraben“, klagt Werner Nachtigal und holt mit dem Arm weit aus. „Bei meiner Nachbarin sind sie sogar bis zur Terrasse vorgedrungen.“ Der 80-Jährige zeigt in Richtung der Trave, die am Ende seines Grundstücks entlang fließt. Von der anderen Uferseite kommen die Sauen geschwommen und richten auf den Grundstücken gegenüber eine richtige Sauerei an. Im satten Gras der Wiese liegen aufgewühlte Erdhaufen. „Ich könnte weinen, wenn ich meinen Garten so sehe“, sagt Nachtigal. Weil die Wildschwein-Besuche in diesem Jahr zu einer Regelmäßigkeit geworden sind, haben die Anwohner Hilfe bei den Jägern gesucht.

Die Gärten der Anwohner in der Hamburger Straße werden immer wieder von Wildschweinen verwüstet – Die Tiere kommen über die Trave geschwommen – Kreisjägerschaft empfiehlt einen Elektrozaun.

„Ich könnte weinen, wenn ich meinen

Garten so sehe.“ Werner Nachtigal

„Es ist ein wahres Wildschweinparadies hier“, sagt Christoph Benett, Sprecher der Kreisjägerschaft, als er mit Werner Nachtigal über das 8000 Quadratmeter große Wassergrundstück geht. „Hier wechseln sie rein“, erklärt Benett und zeigt auf eine schilfbewachsene Ecke am Ufer, gleich neben dem Badesteg von Werner Nachtigal. „Wildschweine sind sehr gute Schwimmer“, so Benett – „die Strecke ist kein Problem für sie und hier haben einige offenbar den Freischwimmer.“ Außerdem steht auf der Wiese auch noch ein stattlicher Apfelbaum. „Das ist für die Sauen wie ein Büfett“, sagt Benett. Wenn die Äpfel langsam verrotten, gibt es auch noch eine Menge Würmer, die die Wildschweine verdrücken. Vor dem Winter würden die Wildschweine jetzt eine Menge Futter suchen. Zur Not eben auch in dem hübschen Garten von Werner Nachtigal.

Zudem seien die Tiere sehr intelligent. „Die Sauen merken sich, wo es Nahrung gibt – und hier sind sie auch noch durch die Bäume und Büsche gut geschützt“, erklärt Christoph Benett. In der Rotte würden die Wildschweine sogar kommunizieren. „Die erzählen sich also auch noch untereinander von meiner Wiese?“, fragt Werner Nachtigal erstaunt.

In Lübeck ist das Wildschweinproblem bekannt: „Aber die Bejagung ist schwierig“, erklärt der Sprecher des Kreisjägerverbandes. Als Jäger müsse man nicht nur tierschutzrechtlich, sondern auch sicherheitstechnisch darauf achten, wann und wo man schießen dürfe. Die Population solle zwar unter Kontrolle gehalten werden, „aber nicht um jeden Preis“. Die einzige Lösung für die Wassergrundstückbesitzer: ein massiver Zaun. „Oder ein Elektro-Zaun“, so Benett. Vergrämungsmethoden wie Duftstoffe würden die Wildschweine nach ein paar Tagen nicht mehr stören. „Ein Stromgerät kostet 400 bis 500 Euro, dazu dann noch der Draht, der relativ günstig ist. Wenn die Nachbarn zusammenlegen, könnte man die Grundstücke gut abzäunen“, ist sich der Stadtjäger sicher. Bei der Beratung und Vermittlung von Firmen möchte die Kreisjägerschaft den Anwohnern der Hamburger Straße gerne helfen. Mit seinen Nachbarn möchte Werner Nachtigal nun die Lage erneut besprechen. „Es sind mehrere Hundert Meter, die wir einzäunen müssten, aber vielleicht ist das eine Lösung für uns“, sagt der 80-Jährige.

Tomma Petersen

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