Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wille kehrt zurück — als Strafverteidiger
Lokales Lübeck Wille kehrt zurück — als Strafverteidiger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:28 25.11.2013
Anwalt Heinrich Wille (l.) mit seinen neuen Kollegen Thomas Elsner und Thomas Schüller (r.) in ihrer Kanzlei in der Königstaße. Quelle: Roeßler
Lübeck

Er will es noch einmal wissen. Heinrich Wille kehrt auf die juristische Bühne zurück — allerdings sitzt er künftig auf der anderen Seite des Gerichtssaals. Der 67-Jährige steigt als Anwalt in die Kanzlei Elsner und Partner ein, die ihre Büros in der Lübecker Altstadt hat.

„In mir brennt noch immer das Feuer“, sagt Wille. „Für mich stand immer fest, dass ich weiter in meinem Beruf arbeiten möchte. Bei dem Angebot, in eine so renommierte Kanzlei wie die von Thomas Elsner einzusteigen, habe ich keinen Augenblick gezögert.“ Nach seiner Buchveröffentlichung zum bis heute nicht eindeutig geklärten Tod des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel 1987 sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, wieder als Anwalt aktiv zu werden.

25 Jahre war Wille als Staatsanwalt tätig, stand lange an der Spitze der Lübecker Behörde und musste diesen Posten unfreiwillig räumen. 2010, mit Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren, stellte er einen Antrag auf Weiterbeschäftigung, der abgelehnt wurde. Wille hatte sich als unbequemer Verfechter einer Mord- und Verschwörungstheorie im Fall Barschel Feinde gemacht. „Das war eine politische Entscheidung“, sagt Wille zu seinem erzwungenen Abgang.

Als er Ende 1992 als Leitender Oberstaatsanwalt die Ermittlungen im Fall Barschel übernahm, stieß er nach eigenen Angaben sofort auf Widerstand. Kompetenzgerangel und die Auseinandersetzungen mit seinem Vorgesetzten, Generalstaatsanwalt Heribert Ostendorf, behinderten die Ermittlungen. Das alles hat er in seinem Buch „Ein Mord, der keiner sein durfte“ verarbeitet. An seiner neuen Rolle reize ihn besonders, jetzt auch die andere Seite kennen zu lernen. Mit seiner Erfahrung als Staatsanwalt verstehe er sich als konstruktiver Teil des Rechtssystems. Aber auch als Verteidiger werde er den Finger in die Wunde legen. In unserem Rechtssystem laufe bei weitem nicht alles rund, so Wille. Als Anwalt lägen ihm unter anderem das Jugendstrafrecht und der Täter-Opfer-Ausgleich am Herzen. Wille räumt allerdings ein, dass Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität für ihn aufgrund seiner Vergangenheit ein Spagat sein könnten. „Im Zweifel würde ich es aber wagen und nicht kneifen“, sagt er.

Streitsüchtig, wie seine Kritiker behaupten, sei er nicht. „Ich habe mich immer an der Sache orientiert. Es gibt immer einen Weg, Probleme zu lösen“, sagt der schon mal als Volkskommissar betitelte Anwalt. Sein Ziel sei es nicht, jeden Konflikt auszureizen. Er werde stets mit Leidenschaft im Interesse seiner Mandanten auftreten.

Leidenschaften besitzt auch der Privatmensch Wille. Er schätzt die französische Küche, kocht gern, kauft die Zutaten selbst ein. Berühmt sei er für seine Thunfischsteaks. An Lübeck mag er das Klassische, die „Schiffergesellschaft“, den Ratskeller, das Marzipan. Und er ist begeistert von der historischen Qualität der Stadt und dem Lübschen Recht. Zur heutigen Gesetzgebung sagt er, sie sei vom Prinzip und Grundrecht her in Ordnung, allerdings müsse sich der politische Einfluss in Grenzen halten. Und wie lange möchte er den Job noch machen? „So lange, wie meine Gesundheit das zulässt“, sagt Wille mit leuchtenden Augen.

Heiko Pump

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!