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Lübeck Willi S. und die kurze Freiheit nach 46 Jahren im Gefängnis
Lokales Lübeck Willi S. und die kurze Freiheit nach 46 Jahren im Gefängnis
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21:12 23.08.2017
Seit 2011 saß Willi S. wegen versuchten Mordes an seiner Nichte in der JVA Lübeck. Für die Zeit nach der neunjährigen Haftstrafe hatte das Landgericht die Sicherungsverwahrung angeordnet. Quelle: Foto: Dpa

Sein Leben liest sich wie ein schlechtes Buch. Willi S. (65) ist im Wald aufgewachsen, wurde als Kind stundenlang an einen Wohnwagen gekettet, sein Vater hat ihn mit Messern beworfen. So zumindest stellte der Anwalt des Häftlings die Kindheit von Willi S. bei seiner Verurteilung im Jahr 2011 dar. 40 Jahre hatte der Mann zu dem Zeitpunkt bereits wegen verschiedener Delikte im Gefängnis gesessen. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass S. nach seiner Freilassung im Jahr 2010 versucht hat, seine damals 31-jährige Nichte zu ermorden. Die Große Strafkammer verurteilte ihn zu einer Haftstraße von neun Jahren wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung mit anschließender Sicherungsverwahrung.

„In diesem Fall hatte der Gefangene keine Fesseln.“ Oliver Breuer,

Sprecher des

Justizministeriums

Am 10. Februar 2018 war ein Termin für die Prüfung einer vorzeitigen Entlassung aus der Haft angesetzt. Ob der nun vom Tisch ist, muss ebenfalls das Landgericht entscheiden. Üblicherweise schiebt ein Fluchtversuch eine Reduzierung der Strafe erst einmal hinaus. Der Fluchtversuch als solcher ist allerdings nach dem Gesetz nicht strafbar.

„Alle bisherigen Ausführungen liefen beanstandungsfrei“, betont Silke Nagel, Leiterin der JVA. Doch dieses Mal passierte den Männern, die den Häftling begleiteten, offenbar ein verhängnisvoller Fehler. Den Besuch bei seiner Familie in Hamburg-Horn nutzte er zur Flucht. „Nach jetzigem Kenntnisstand hat es bei der unmittelbaren Begleitung innerhalb der Wohnung Fehler gegeben, die der Gefangene zur Flucht genutzt hat“, sagt Oliver Breuer, Sprecher des Justizministeriums.

Dass der Häftling überhaupt die JVA verlassen durfte, liegt im Gesetz begründet. Zwei Mal im Jahr hat er ein Recht darauf. Fraglich bleibt, warum sich der Mann frei bewegen durfte. „Es gibt unterschiedliche Sicherungskategorien bei Ausführungen. In diesem Fall hatte der Gefangene keine Fesseln“, so Breuer.

Offenbar, weil die Beamten keine besondere Gefährdung sahen. „Herr S. befindet sich seit dem 24. August 2012 auf der Station G IV und geht seit dem 18. September 2012 einer Beschäftigung in der Wäscherei der JVA nach. Sein Vollzugs- und Arbeitsverhalten war bislang beanstandungsfrei“, heißt es vom Ministerium.

Bei der Ausführung seiner Tat im Jahr 2011 war S. dagegen äußerst brutal vorgegangen. Er schenkte seiner Nichte eine Perlenkette zum Geburtstag. Als diese nicht passte, rastete er nach Ansicht des Gerichts aus, würgte die Frau und griff sie mit einem Küchenmesser an. Aus der familiären Beziehung, das wurde im Verfahren 2011 deutlich, war für den Angeklagten im Laufe der Jahre mehr geworden. Doch die Nichte erwiderte diese Gefühle nicht.

Maike Wegner

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