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Lübeck „Wir bleiben hier, in unserem Revier“
Lokales Lübeck „Wir bleiben hier, in unserem Revier“
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11:50 21.07.2016
Seit den 1970er-Jahren befindet sich die Berend-Schröder-Schule im Langen Lohberg. Schüler, Eltern und Lehrer fordern, dass das so bleibt und die Schule nicht umziehen muss. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Maurice Lux hatte gestern den Auftritt seines noch jungen Lebens: Der 13-Jährige hielt vor 50 Mitschülern, Lehrern und Eltern eine Rede gegen den Umzug der Förderschule vom Langen Lohberg in die frühere List-Schule in der Schwartauer Allee. „Was wird aus dem Sportplatz, der Schwimmhalle, dem Schulgarten und den Nachmittagskursen? Alles wäre einfach weg.“

Protestaktion an der Berend-Schröder- Schule: Lehrer, Eltern und Förderschüler wehren sich gegen einen Umzug.

Die Förderschüler haben ihren Protest gegen die Pläne von Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) am ganzen Schulgebäude platziert. Große Transparente hängen an den Eingängen der Schule, an vielen Fenstern kleben Zettel mit den Worten „Wir wollen bleiben“. Gestern Vormittag bei einer kleinen Demo vor dem Gebäude riefen die Schüler rhythmisch: „Wir bleiben hier, in unserem Revier“. Aber was haben die Jungen und Mädchen gegen einen Umzug in die leerstehende, frühere List- Schule in der Schwartauer Allee? Maurice Lux bringt es auf den Punkt: „Der Schulhof der anderen Schule ist zu klein, hier haben wir einen perfekten Schulhof. Wir haben einen Fußballplatz, einen Spieleschuppen und ein Klettergerüst.“ In der anderen Schule gebe es keine Küche, dann würden die Schüler weder Frühstück noch Mittagessen bekommen. Am meisten ärgern sich die Schüler, dass sie nicht gefragt wurden.

Drei Tage vor der letzten Schulkonferenz erfuhren Lehrer, Schüler und Eltern aus den LN von den Umzugsplänen. Weiher plant, die Förderschule in die ehemalige List-Schule zu verlagern. Das Gebäude im Langen Lohberg könnte dann von der Geibel- und der Julius-Leber-Schule für die Unterbringung von DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Klassen genutzt werden. Für die braucht Weiher dringend Klassenräume.

Uwe Schneider, Leiter der Berend-Schröder-Schule, ist von dem Plan nicht überzeugt: „Das ist ein kurzfristiges Umtopfen, um den Druck vom Kessel zu nehmen. Das ist keine langfristige Lösung.“ Die Förderschule für Kinder, die Probleme mit dem Lernen, der Sprache oder ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung haben, sei Stabilität enorm wichtig. Die Förderschule hat mit drei weiteren Schulen ein besonderes Netzwerk für die Nachmittagsbetreuung aufgebaut und arbeitet eng mit dem Kinder- und Jugendkulturhaus Röhre zusammen. Die Lage in der Altstadt sei auch ideal, weil Schwimmhalle, Freibad und Sportanlagen zu Fuß zu erreichen sind. Konrektorin Stefanie Wiedermann: „Wir haben eine Sporthalle direkt auf dem Gelände, einen Bolzplatz in der Kanalstraße und das Freibad Falkenwiese.“

Das Angebot würde bei einem Umzug zerstört. Wiedermann: „Die Wege von der früheren List-Schule sind zu weit und für manche Schüler auch zu gefährlich.“

Raphael Lindlar hat zwei Pflegesöhne in der Förderschule. „Mein älterer Pflegesohn war in einer heilpädagogischen Einrichtung und ist dort rausgeflogen“, erzählt der Lübecker, „seit einem Jahr ist er in der Berend-Schröder-Schule – und es läuft.“ Kinder, die es in ihrem jungen Leben schon sehr schwer hatten, „brauchen verlässliche Strukturen“, sagt Lindlar.

Die Schule hat inzwischen mit Bildungssenatorin Weiher und den Schulräten gesprochen. Rektor Schneider: „Uns wurde gesagt, dass unsere Probleme lösbar seien. Das ist weit entfernt von der Lebensrealität unserer Schüler.“ Am Ende der Sommerferien kann sich die Leitung der Berend-Schröder- Schule den möglicherweise künftigen Standort anschauen. In den Sommerferien wollen Schulleiter und Konrektorin Gespräche mit den Kommunalpolitikern führen. Klassensprecher Maurice Lux und seine Mitschüler hoffen auf die Politiker: „Wir wollen unser zweites Zuhause nicht verlieren. Ich hoffe, wir können euch die Augen öffnen.“

 Kai Dordowsky

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