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Lübeck „Wir haben Angst um unser Haus“
Lokales Lübeck „Wir haben Angst um unser Haus“
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00:23 31.05.2018
Holger und Regina Philipp sind frustriert. Einen Aktenordner mit Schriftsätzen haben sie gesammelt, passiert ist nichts. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
St. Jürgen

Mit einem lauten Donnern rauscht ein Lkw am Fenster von Regina und Holger Philipp vorbei. Eigentlich darf der Fahrer in der Straße Milbreed in Kronsforde nur 30 km/h fahren. Doch der junge Mann ist mit fast der doppelten Geschwindigkeit unterwegs. „Das ist typisch, die meisten fahren hier zu schnell. Deshalb kommt es immer wieder zu Beinahe-Unfällen“, erzählt das Ehepaar aufgebracht.

Brenzlige Verkehrssituationen, donnernde Lkws und fliegende Steine. Seit rund sieben Monaten ist die Büssauer Kanalbrücke dicht. Die Anwohner auf der Umleitungsstrecke leiden seitdem unter dem hohen Verkehrsaufkommen. Sie fordern ein Handeln der Stadt.

„Ich arbeite nachts und kann tagsüber nicht mehr schlafen, weil es rattert und scheppert.Regina Philipp,

Anwohnerin

Ihr Haus aus dem Jahr 1890 ist idyllisch am Kanal gelegen. Es ist ruhig, denn die Straße ist eigentlich ein landwirtschaftlicher Weg, der normalerweise nur von Ortskundigen genutzt wird. Doch seit die Büssauer Kanalbrücke wegen des geplanten Neubaus dicht ist, fahren Hunderte Fahrzeuge über die sonst so ruhigen Landschaftswege. Besonders störend ist das am Morgen und am Nachmittag. „Ich arbeite nachts und kann manchmal tagsüber nicht mehr schlafen, weil es rattert und scheppert“, erzählt die 61-Jährige. Das größte Problem: Ein Gully, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt und der sich in einer Senke befindet. „Wir sind keine Miesepriems, aber ich habe Angst um unser Haus“, sagt Regina Philipp. Ein Stein, der von ausweichenden Fahrzeugen hochgeschleudert wurde, habe bereits die Fensterscheibe beschädigt. „Ein anderer hat mich an der Wade getroffen, als ich den Müll rausgebracht habe“, erzählt Regina Philipp. Auch ein Riss im Mauerwerk der Garage und eine knackende Fliese sollen durch den Verkehr entstanden sein. „Wir haben eine Fußbodenheizung und sorgen uns darum, dass die auch noch Schaden nimmt“, so das Ehepaar.

Deshalb haben die beiden auch die Stadt angeschrieben. Doch passiert ist aus ihrer Sicht bisher wenig. Ein Halteverbot wurde auf der gegenüberliegenden Seite eingerichtet, um die Ausweichfläche zu vergrößern. Doch genau dort liegt besagter Gully. Die Bankettstreifen seien allerdings keine deklarierten Ausweichflächen und daher auch nicht zur Überfahrung freigegeben. Wenn also Verkehrsteilnehmer über den Gully fahren, ist das nicht erlaubt. „Nutzen Autofahrer diese Streifen widerrechtlich, dann tragen sie das Risiko“, so die stellvertretende Stadtsprecherin Valessa Glisovic.

Weil Regina und Holger Philipp sich nicht ernstgenommen fühlen, haben sie im Januar einen Anwalt eingeschaltet. Im April ist es daraufhin zu einer Begehung gekommen. „Aber es hat sich nichts geändert. Wir sind frustriert, dass seit einem halben Jahr nichts passiert“, sagt Holger Philipp. Dabei wünscht sich das Ehepaar lediglich eine Entschärfung der Situation. Beispielsweise durch Geschwindigkeitskontrollen oder eine Verlagerung des Verkehrs auf die Straße. „Der Gully müsste abgeschirmt werden, beispielsweise durch einen Betonklotz“, findet Regina Philipp.

Auch einige Nachbarn habe ihre Grundstücke bereits mittels Barken und selbstgebauter Holzkonstruktionen gesichert, um den Verkehr auszubremsen. Die Stadt sieht die Verantwortung dafür allerdings nicht bei sich. „Die Umleitungsstrecke ist im Planfeststellungsverfahren festgelegt worden und kann von der Hansestadt nicht beeinflusst werden. Die Straße Milbreed ist für Begegnungsverkehre geeignet. An Engstellen muss der Gegenverkehr abgewartet werden“, erklärt Glisovic.

Die erlaubte Geschwindigkeit sei extra auf 30 Kilometer pro Stunde festgesetzt und Halteverbotszonen eingerichtet worden. Auch auf die Beschwerden der Anwohner habe die Stadt reagiert. „So wurde vor Beginn der Baumaßnahme die Straße mit einem Deckenüberzug versehen. Die Straße befindet sich in einem verkehrssicheren Zustand“, sagt Glisovic. Zudem gebe es regelmäßig Begehungen.

 Maike Wegner

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