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„Wir haben keinen Spielraum mehr“

Lübeck „Wir haben keinen Spielraum mehr“

LHG-Chef Sebastian Jürgens über Sanierung, insolventen HBV und weniger Geschäftsführer.

Lübeck. Um die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) zu retten, haben Sie Zusagen von 34 Millionen Euro für drei Jahre bekommen: 17 Millionen Euro Pachtverzicht der Stadt, 17 Millionen Euro Lohnverzicht der Mitarbeiter. Das ist Inhalt des Eckpunktepapiers. Sind Sie jetzt zufrieden?

 

LN-Bild

Sebastian Jürgens: Wir sind im Eckpunktepapier sicher an die äußerste Grenze dessen gegangen, was von unserer Seite möglich war. Zufrieden ist man, wenn man große Erfolge erzielt. Für uns ist es eine sehr, sehr enge Kante, die wir genäht haben. Weil das die Basis war, auf der wir uns gerade noch einigen konnten. Wir haben keinen Spielraum mehr, den Arbeitnehmern in den Sanierungstarifverhandlungen in irgendeiner Weise entgegenzukommen. Unser Handlungsspielraum ist ausgereizt.

Die Gespräche zu diesen Sanierungsgesprächen stehen jetzt an. Wann sind die denn abgeschlossen?

Wir verhandeln intensiv und gehen davon aus, dass wir sie in den nächsten Monaten beendet haben werden.

Wenn Sie die Verhandlungen erst Ende des Jahres abschließen, fällt 2017 als Sanierungsjahr weg.

Das ist uns bewusst. Deshalb streben wir den Abschluss auch vorher an.

Der Sanierungszeitraum geht bis Ende 2020. Wird sich der Zeitraum dann bis 2021 verlängern?

Zurzeit gehe ich davon aus, dass wir den Zeitplan halten.

Die Bürgerschaft hat noch einen Besserungsschein gefordert. Wenn es der LHG besser geht, will die Stadt auch etwas vom Gewinn haben. Hat Rreef dem zugestimmt?

Es ist noch nicht der Zeitpunkt, einen Besserungsschein zu verhandeln. Wir müssen erst einmal die Tarifgespräche zu Ende bringen. Wir haben noch ein paar Baustellen. Ich habe nicht behauptet, wir hätten nichts zu tun.

Andere Baustelle: der insolvente Hafenbetriebsverein (HBV). Die Hafenarbeiter haben sich erfolgreich in der ersten Instanz eingeklagt. Wann gibt es eine Lösung?

Es gibt Gespräche. Wir streben an, alle Probleme möglichst zeitnah zu lösen. Denn es nützt niemandem, das Thema zu verschleppen. Aber zu einer Zeitschiene kann ich nichts sagen.

Es gab auch ein Treffen beim Bürgermeister. Denn es gibt die 4,9 Millionen Euro im Arbeitnehmersicherungsfonds. Wollen Sie da ran?

Zu laufenden Gesprächen äußern wir uns nicht. Es ist nie hilfreich, unausgegorene Dinge in der Öffentlichkeit breitzutreten.

Drei Jahre wollen Sie sanieren. Was wird in dieser Zeit passieren?

Wir müssen den starken Standort Skandinavienkai weiter stärken. Wir wollen dort investieren, mit den Sanierungstarifverhandlungen schaffen wir die Grundlage dafür. Damit kommt Sicherheit und Stabilität in den Hafen. Wir werden uns die Anleger ansehen, die Flächen, wir wollen den Skandinavienkai erweitern. Es gibt auch mit Kunden Gespräche über eine Verlagerung von einem Terminal zum anderen.

Wollen Sie den Skandinavienkai am Dummersdorfer Ufer erweitern?

Nein.

Wenn Sie von Verlagerung der Kunden von einem Terminal zum anderen sprechen: Wollen Sie einen Terminal aufgeben?

Wir haben uns klar zu einer Vier-Terminal-Strategie bekannt. Das bedeutet aber auch, dass wir die Terminals so aufstellen müssen, dass sie sich auf den Umschlag bestimmter Gutarten konzentrieren. Denn dann kann man sie optimal ausbauen und nutzen – beispielsweise spezielle Geräte nur an einem Standort vorhalten. Dazu müssen wir mit den Kunden Gespräche führen, ob sie ihr Geschäft von einem Terminal zum anderen verlagern. Und wir müssen auch neue Geschäfte herholen.

Wie teilen Sie die Terminals auf?

Bisher war die LHG stark auf das RoRo- und das Papiergeschäft ausgerichtet. Das RoRo-Geschäft wollen wir weiter ausbauen. Das ist am Skandinavienkai und Seelandkai angesiedelt. Das Papiergeschäft sieht wieder besser aus, weil viel Kartonage kommt. Da sind wir mit Schlutup ganz gut aufgestellt. Wir müssen sehen, dass wir zusätzliche Gutarten herbringen. Denn es kann nicht sein, dass der Hafen nur zwei Standbeine hat: RoRo- und Papier. Wir haben schon Stahl- und Holzumschlag an den Nordlandkai gebracht.

Investieren Sie im Sanierungszeitraum – oder erst danach?

Es soll auch in den drei Jahren des Sanierungszeitraums investiert werden. Wir müssen sehen, dass wir eine Zukunftsperspektive für den Hafen entwickeln.

Um wie viele Millionen geht es?

Wir werden uns dazu zu gegebener Zeit äußern. Wir brauchen eine Zukunftsperspektive. Deshalb müssen wir uns neu aufstellen.

Zum Personal: Ihr zweiter Geschäftsführer ist gegangen. Waren Sie in der Führungsriege überbesetzt?

Das sicherlich nicht. Aber wir müssen uns in allen Bereichen neu sortieren und uns schlanker aufstellen. Bei unserer Tochtergesellschaft SG sind beide Geschäftsführer ausgeschieden, die haben wir beide nicht nachbesetzt. Eine Position habe ich übernommen. Wir organisieren uns anders, machen auch vor der Führungsmannschaft nicht halt. Wir haben die Arbeit auf weniger Schultern verteilt.

Das gehört zum Sanierungsprozess, dass man am Ende des Tages das Geschäft mit deutlich weniger Leuten gewuppt bekommt.

Und wie viele Leute brauchen Sie an der Kaikante?

Das hängt von der Geschäftsentwicklung ab. Wir wollen flexiblere Arbeitszeiten haben, da werden wir weniger Leute brauchen. Wir müssen sehen, wie wir die Leute einsetzen. Das hängt auch mit dem HBV zusammen. Aber langsam laufen wir in eine Knappheit hinein. Wir müssen anfangen, neue Leute zu suchen.

Die LHG wird 2017 wohl 7,9 Millionen Euro Minus machen. Wann schreiben Sie wieder schwarze Zahlen?

Die im Sanierungszeitraum eingeleiteten strukturellen Veränderungen müssen ab 2021 greifen, so dass wir die Chance haben, schwarze Zahlen zu erreichen. Ab 2022 müssen diese dann kommen.

Was ist Ihre Vision?

Der Hafen muss wieder zurückkehren zu dem, was ihn ausmacht. Er muss Wachstumsmotor für die Region sein: mit vier Terminals, mit mehr Gutarten und mit mehr Partnerschaften mit Kunden wie mit Baltic Rail Gate, die Waren vom Schiff auf die Schiene bringen. Der Hafen muss sich als Knotenpunkt weiterentwickeln. Und wir wollen die Nummer eins im RoRo-Bereich in der Ostsee bleiben – und die Nummer 5 der RoRo-Häfen in Europa.

Wann wird sie Wirklichkeit?

Ende 2020 müssen wir sehen, dass wir klar auf dem Weg sind – und dieser unumkehrbar ist.

 

Interview: J. von Zastrow

Jurist und Philosoph

Sebastian Jürgens (53) ist seit 2014 Chef der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). Bleibt er an Bord, bis es wieder aufwärts geht? „Ich habe nichts anderes zu verkünden“, sagt er im LN-Interview.

Jürgens ist gebürtiger Hamburger, studierte in München an der Uni Jura und Philosophie. 1993 promovierte er über Buddhismus. Er arbeitete beim Unternehmensberater McKinsey, bei der Deutschen Bahn, im Hamburger Hafen (HLLA). Die LHG gehört mehrheitlich der Hansestadt. Der private Investor Rreef hält 37,5 Prozent der Anteile.

LN

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