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Lübeck „Wir machen das mit Leib und Seele“
Lokales Lübeck „Wir machen das mit Leib und Seele“
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20:32 12.05.2016
Pastor Christian Gauer mag seine Kirche. Ihr Architekt gab ihr bewusst einen markthallenähnlichen Charakter. Quelle: Lutz Roeßler

Gisela Gintler erinnert sich noch ganz gut an diese Zeit, obwohl sie schon fünf Jahrzehnte zurückliegt. „Es wurde viel über den Bau geredet damals. Das werde bestimmt eine Tankstelle dort im Andersenring 29, mutmaßten viele im Ort“, erzählt sie. Die 64-Jährige gehörte zum ersten Jahrgang, der in der neuen Moislinger Wichern-Kirche konfirmiert wurde; auch ihre Trauung fand dort statt. Daher verspürt sie eine große Verbundenheit mit dem Gotteshaus, das vor 50 Jahren eingeweiht wurde. „Die Kirche hatte zu dieser Zeit etwas Modernes, und sie hat mir gefallen und gefällt mir immer noch, auch wenn andere sie als ,Betonklotz‘ bezeichnen“, sagt sie.

Die Wichern-Gemeinde feiert 50-jähriges Jubiläum – Festgottesdienst am Pfingstmontag um 10 Uhr.

Dem Bau vorausgegangen war 1964 der Beschluss von Kirchenleitung und Synode, den zweiten Pfarrbezirk der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Georg Genin abzutrennen und ihn in die Selbstständigkeit zu überführen. So entstand per Kirchengesetz die Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinde in Moisling. Die Grundsteinlegung für die neue Heimat der Christen fand schließlich am 13. Juni 1964 durch Bischof Heinrich Meyer statt und umfasste Kirche, Gemeinderäume, Kindergarten, Pastorat und Küsterwohnung.

Auch für Heinz Dieter Kinnert ist der markante Kirchbau mit dem separierten Glockenturm zu einem zweiten Zuhause geworden. Seit über 30 Jahren engagiert sich der 70-Jährige in seiner Gemeinde, und als amtierender Bauausschuss-Vorsitzender urteilt er: „Wir haben eine geniale Kirche. Von außen sieht sie vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig aus. Aber wenn man erstmal Kontakt zu ihr hat, dann kann man nur noch begeistert sein. Licht und Akustik sind sehr atmosphärisch.“

Kinnert lobt vor allem das architektonische Konzept des Raumes, das darauf abgezielt hat, die Gemeinde wie auf einem Markt zu versammeln. „Als Vorbild diente eine Mailänder Vorstadtkirche, deren wesentliches Element die Anordnung der Kirchenbänke um den Altarraum herum ist, so dass wir den Gottesdienst im sichtbaren Miteinander von Angesicht zu Angesicht feiern können“, erläutert das Wichern-Urgestein Pastor Christian Gauer, der zusammen mit seinem Kollegen Olaf Klein die Gemeinde führt.

Begegnung, Austausch, Zusammenhalt – die Idee hinter der Architektur funktioniert auch außerhalb des Gotteshauses. Ob kirchliches Kita-Leben, Kinderbibelwoche, Seniorennachmittage, Jugend- und Familienkirche, Frauen- und Männerarbeit sowie Flüchtlingshilfe – das Ehrenamts-Netzwerk der Gemeinde, das den Stadtteil durchzieht, ist groß. „Wir haben über 100 Ehrenamtliche“, bilanziert Pastor Klein. So engagieren sich Karin Kästner und Ute Ollmann zum Beispiel seit etlichen Jahren in der Seniorenarbeit. „Wir machen das mit Leib und Seele“, bekennen sie, „und wir sind mal mit sechs Leuten angefangen bei unseren Treffs. Jetzt kommen bis zu 70.“

Zum Ehrenamtler-Team gehören auch Gabi Lasetzki und Lion Stache. „Ich organisiere die Verteilung der 5000 Gemeindebriefe“, sagt Lasetzki. Und der 19-Jährige Stache sagt: „Ich bin in Moisling geboren, in Wichern getauft und konfirmiert und in die Jugendarbeit hineingewachsen. Es macht mir einfach Spaß in unserem ,Moisekeller‘, und ich helfe gerne in der Jugend-Gemeindearbeit mit.“

Dass er am Pfingstmontag, 16. Mai, um 10 Uhr zum Festgottesdienst kommt, ist für ihn keine Frage. Dann wird sich auch das Rätsel lösen, warum das Jubiläum mit der Formel „7x7+1“ überschrieben ist.

„Die Zahl sieben spielt in unserer Kirche eine zentrale Rolle“, verrät Christian Gauer vorab. „So stehen drei mal sieben Bankreihen hintereinander; sieben Reihen von Fenstern können von oben nach unten und zwei mal sieben in der Breite gezählt werden“, so der Theologe. Die vollständige Lösung gebe es dann am Montag, verspricht er.

Vorbild italienische Kirche

Der Lübecker Architekt Kuno Dannien ließ sich beim Bau der Wichern- Kirche insbesondere von einer Pfarrkirche in Baranzate bei Mailand inspirieren. Er betonte, dass der hallenähnliche Charakter und der mit Pflastersteinen ausgelegte Fußboden den „markthallenähnlichen, offenen Charakter“ des Gotteshauses widerspiegeln solle.

Die Gemeinde ist nach dem Theologen Johann Hinrich Wichern (1808-1881) benannt. Er gilt als Vater der heutigen Diakonie.

Michael Hollinde

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