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Lübeck „Wir mögen eure Autos, euer Essen, euer Bier, eure Musik“
Lokales Lübeck „Wir mögen eure Autos, euer Essen, euer Bier, eure Musik“
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15:29 04.11.2013
Quelle: mha
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Nashville

Die Amerikaner lieben Deutschland - können aber die „German Aufregung“ über die Späh-Affäre überhaupt nicht verstehen.

Ich weiß nicht viel über Amerika. Ich bin im Osten Deutschlands groß geworden; ich habe russisch in der Schule gelernt. Die USA waren weiter entfernt als die Milchstraße. Ich habe für die Freiheit von Angela Davis Postkarten bemalt, jetzt sitze ich in den Südstaaten und habe das Gefühl, zu Hause ständig Amerika verteidigen zu müssen. Die USA nennt man in Deutschland NSA. Kein Tag ohne neue Vorwürfe, ich kriege sorgenvolle Briefe, als wäre ich im Krieg.

Das Merkwürdige nur ist: Die Leute hier kriegen von den Ausein andersetzungen kaum etwas mit; die Späh-Affäre, wie man sie in Deutschland nennt, ist eine Schlagzeile von vielen - auf den hinteren Seiten der Tageszeitungen.

Kommt man auf das Thema Deutschland zu sprechen, freuen sich stattdessen die meisten. Sie sagen: Cool - und erzählen, dass sie entweder mit einem Deutschen verwandt sind, dass sie dort als Soldat gedient haben - oder dass sie jemanden kennen, der eine Deutsche gekannt hat. „Sie wohnt in Heidelberg, sie heißt Claudia. Vielleicht kennst du sie.“

Die meisten Amerikaner, die ich treffe, sind fröhlich, liebenswürdig, extrovertiert - und stets zuvorkommend. Die meisten Amerikaner, die ich kenne, haben einen Account bei Facebook, Instragam; sie haben mehrere Kreditkarten; sie haben kein Problem damit, ihre Daten weiterzugeben. Sie schauen jedes Mal erstaunt, wenn man ihnen erklärt, dass wir Sicherheitsbedenken haben. Tony Garcia etwa. Tony ist 43 Jahre alt, in Virginia groß geworden. Er lebt seit 13 Jahren in Nashville, er spricht fließend spanisch, er weiß, dass Angela Merkel unsere Bundeskanzlerin ist, er kennt sich gut aus mit unserer Geschichte, er hat als Kind eine Zeitlang in Deutschland gelebt.

Wir sitzen in seinem Wagen, wir sind auf dem Weg zu einem Konzert. Draußen zieht die Stadt an uns vorbei, ein guter Moment zum Reden.
Was denkst du über die NSA - und die Vorwürfe?
Ich habe keinen Einfluss darauf, was meine Regierung oder eine andere Regierung in dieser Angelegenheit tut. Aber wir leben in einer gefährlichen Welt.
Du unterstützt Spionage?
Nein, ich unterstütze nicht die Spionage von Freunden, das ist sehr entmutigend. Aber viele Länder, einschließlich der USA, leben unter ständiger Bedrohung. Aber wenn es hilft, geplante Terroranschläge zu verhindern, ist das möglicherweise nur ein kleiner Preis, den wir bezahlen.
Tony ist nach Nashville gekommen, um Musik zu machen. Gerade arbeitet er an einer neuen Platte. Sein Geld allerdings verdient er in einer der größten Firmen in Nashville. Er erstellt Stadtpläne. Er ist ein stiller Mann mit einem offenen Lächeln. Er sieht mich einen Moment fragend an, er sagt: „Ich habe die Deutschen immer als sehr freundlich, sehr interessiert empfunden, auch als gnädig. Wir Amerikaner mögen eure Technologie, eure Autos, euer Essen, euer Bier, eure Musik. Es tut mir leid, dass Amerika solch einen schlechten Ruf bei den Deutschen hat.“
Dann spricht er über Germantown in Nashville, einem Stadtteil, in dem man deutsches Essen bekommt, deutsches Bier - und viel deutsche Geschichte. Und er fragt: „Weißt du, dass die Beatles eine ganze Platte eingesungen haben mit deutschen Liedern?“
Weiß ich nicht.

Er legt die CD ein. Es ist, als müsste er etwas gut machen.

Am nächsten Morgen bringt die Tageszeitung US Today eine ganze Seite über den deutschen Schauspieler Daniel Brühl - und zehn Punkte, die man über ihn wissen müsse, der Artikel ist ein Kniefall.

Am selben Morgen bekomme ich eine Email aus Deutschland, unterzeichnet mit „liebe Grüße in die Vereinigten Abhörstaaten".

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