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„Wir sind eine Marke, die jeder kennt“

Lübeck „Wir sind eine Marke, die jeder kennt“

Mitte der Woche wurde Humangenetikerin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach zur ersten Uni-Präsidentin gewählt. Bereits zum 1. Januar will sie ihr neues Amt antreten. Im LN-Interview kündigt sie an, dass ihre Hochschule noch bürgernäher und Euroimmun-Chef Winfried Stöcker als potenzieller Spender gewonnen werden soll.

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Die erste Frau an der Spitze der Lübecker Universität, die Humangenetikerin Professorin Gabriele Gillessen-Kaesbach.

Quelle: Foto: Lutz Roessler

St. Jürgen. Erstmal herzlichen Glückwunsch! Trotz der Attraktivität des Amtes liegt aber die Frage nahe, warum Sie sich zur Wahl gestellt haben. Schließlich stehen Sie an der Spitze eines renommierten Institutes mit einem tollen Team, wie Sie sagen . . .

Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach: Stimmt, und ich möchte vorausschicken, dass ich nicht schon seit zwei Jahren Stellenanzeigen sondiere, in denen eine Hochschulspitze gesucht wird.

Meine Motivation ist aufgrund der spezifischen Situation hier auf dem Lübecker Uni- Campus entstanden.

Können Sie das bitte näher erläutern?

Da kommen mehrere Punkte zusammen. Erstens die Tatsache, dass der amtierende Präsident vorzeitig aus dem Amt scheidet. Zweitens, dass unser langjähriger, sehr erfahrener Kanzler nach der Landtagswahl Staatssekretär geworden ist und dieser wichtige Posten nunmehr vakant ist. Und drittens, dass im Zuge des neuen Hochschulgesetzes ein Vizepräsident vorgesehen ist, der den Bereich Medizin im Vorstand des UKSH vertreten wird. Entsprechend hätte es eintreten können, dass nach Besetzung der drei Posten drei Externe die Geschicke unserer Universität zukünftig leiten.

Und warum wäre dies Ihrer Ansicht nach schlecht gewesen?

Weil die Universität es verdient hat, sich nach vielen Erfolgen jetzt zu konsolidieren. Das Miteinander auf dem Campus fasziniert mich; der kollegiale Umgang sowie das vertrauensvolle Verhältnis zu den Studierenden sind mir ans Herz gewachsen. Ich sehe mich als Garantin der Kontinuität und als wichtiger Player in der Interaktion mit dem UKSH.

Das Verhältnis Universität und Klinikum wird von vielen Ihrer Kollegen als konfliktbeladen empfunden. Fakt ist, dass der UKSH-Vorstandsvorsitzende Prof. Jens Scholz stets auf die Trennung von Krankenversorgungs- und Forschungsinteressen verweist und so ein latenter Streit ums Geld sowie um Laborfläche mitschwingt. Wie beurteilen Sie diese Ausgangssituation?

Einfach ist das alles nicht; das stimmt. Aber ich glaube, dass es mir bisher gelungen ist, eine gute Gesprächskultur mit Herrn Scholz aufgebaut zu haben, und das würde ich gerne fortsetzen.

Worauf wird es denn in den bevorstehenden Gesprächen mit dem UKSH-Vorstand ankommen?

Dass wir die Forschungsinteressen der universitären Medizin auch wirklich durchsetzen. Schließlich sind Krankenversorgung und Forschung miteinander verzahnt.

Seit dem 1. Januar 2015 ist Ihre Hochschule ja Stiftungsuniversität. Zu Ihren zukünftigen primären Aufgaben gehört es also, Spenden einzuwerben. Die bisherige Bilanz mit rund fünf Millionen Euro ist durchaus ausbaufähig. Sehen Sie das auch so?

Ja. Wir haben gute Projekte überwiegend aus dem Technologietransfer-Bereich gestartet. Wir haben es noch nicht geschafft, ausreichend private Stifter fest an uns zu binden; ich sehe auch viel mehr Möglichkeiten, die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die im Frühsommer 2010 für uns so toll gekämpft haben, zu Spendern und Stiftern zu machen. Da möchte ich tragfähige Konzepte entwickeln.

In der Senatssitzung von Mittwoch fiel der Name Winfried Stöcker, Unternehmer aus Groß Grönau, der seit dem Verkauf von Euroimmun über ein ansehnliches Vermögen verfügt. Werden Sie sich bemühen, trotz der zurückliegenden Geschehnisse – Stichwort fremdenfeindliche Äußerungen – Herrn Stöcker als Stifter für die Universität gewinnen zu wollen?

Ich bin jemand, der aktiv auf Menschen zugeht. Herr Stöcker kommt aus dieser Universität. Ich werde den Dialog mit ihm suchen und den Gesprächsverlauf abwarten. Grundsätzlich bin ich positiv gestimmt, und die Weltoffenheit unserer Hochschule ist mir besonders wichtig.

Was hat baulich für Sie jetzt oberste Priorität? Ihr Vorgänger hat immer wieder ein „Haus der Medizintechnik“ ins Gespräch gebracht.

Ich denke erstmal an die Studierenden. Wir haben jetzt wegen unserer Raumnot vor dem Start des Wintersemesters in zehn Tagen Container aufstellen lassen, die in den nächsten Tagen eingerichtet werden sollen. Diese Interimslösung darf auf keinen Fall zur Dauerlösung werden. Denn gute Arbeitsbedingungen für unsere 4300 Studierenden sind in meinen Augen essenziell für unsere Hochschule.

Das heißt also auch, dass Sie die Studierendenzahl nicht weiter erhöhen wollen?

Wir sind in einer Phase der Konsolidierung. Neue Studiengänge sehe ich daher mittelfristig nicht; und der Ruf nach einer Volluniversität, wie man ihn aus einigen politischen Ecken hört und was eine geisteswissenschaftliche Fakultät bedeuten würde, ist für mich absolut fehlgeleitet. Wir sind eine kleine und feine Profiluniversität, und genau das macht uns stark.

Ihr Vorgänger hat durch seinen Vorstoß, die Hochschule in Thomas- Mann-Universität umbenennen zu wollen, für viele Schlagzeilen und für viel Ärger auf dem Campus gesorgt. Ist für Sie der Name „Universität zu Lübeck“ für die Zukunft gesetzt?

Ja. Wir sind inzwischen eine Marke, die jeder kennt.

Das Verhältnis zwischen Lübeck und Kiel gilt auch auf Hochschulebene oft als belastet. Wie halten Sie es mit Ihren Kollegen an der Förde? Konnten Sie von dort schon Glückwünsche entgegennehmen?

Mit den Kieler Kollegen gibt es einen sehr guten Austausch. Insgesamt weiß ich natürlich, dass die Campus-Kultur in Kiel eine andere ist als in Lübeck. Wir sollten in einem guten Gesprächskontakt bleiben. Glückwünsche vom Kieler Medizin-Dekan sind bereits am Tag nach der Wahl eingetroffen.

Das Jahr 2010 ist für Sie Historie, oder mehr?

Wir sollten nie vergessen, wie unsere Hansestadt damals hinter ihrer Uni stand. Und ich glaube nicht, dass die neue Landesregierung unsere Existenz erneut in Frage stellt.

Wie wollen Sie die Universität noch mehr mit der Stadt verzahnen?

Wir haben eine Reihe von Veranstaltungen, die ausstrahlen: die Petrivisionen, das Studium generale, den Lübecker Salon. Das können wir noch ausbauen. Ich stelle mir zum Beispiel einen jährlichen Hochschulfesttag mit spannenden Vorträgen und einer gemeinsamen Feier vor. Es gibt ein gutes Beispiel aus Essen; da wurde das universitäre Sommerfest regelmäßig erfolgreich veranstaltet. Wir könnten auch auf der Travemünder Woche mit einem Wissenschaftszelt präsent sein.

Sie sind die erste Präsidentin in der 53-jährigen Geschichte der Uni. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Ich sehe es als positives Zeichen unserer Hochschule nach außen. Darüber freue ich mich.

Wann fangen Sie an?

Das Ziel ist der 1. Januar 2018.

Zur Person

Gabriele Gillessen-Kaesbach (62) studierte Humanmedizin an der Louis- Pasteur Universität zu Strasbourg, der Ruhr-Universität Bochum sowie an der Universität Duisburg- Essen. Von 1980 bis 1986 erfolgte eine Weiterbildung zur Ärztin für Kinderheilkunde in der Klinik für Kinder-und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Essen. Ab 1993 war sie dann Oberärztin und Leiterin der Klinischen Genetik im Institut für Humangenetik des Uniklinikums Essen. 2006 übernahm sie die Leitung des Instituts für Humangenetik der Universität zu Lübeck. Nach der Promotion im Jahr 1986 erfolgte 1997 die Habilitation für das Fach Humangenetik. Von 2010 bis 2013 war sie Vizepräsidentin für Forschung an der Universität zu Lübeck. Seit 2016 ist sie Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik.

 Interview: Michael Hollinde

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