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Lübeck „Wir wollen mehr offene Sonntage“
Lokales Lübeck „Wir wollen mehr offene Sonntage“
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18:23 12.08.2017
Der neue Lübecker Karstadt-Chef Kai Uwe Riedel (45) fordert mehr Freiheit bei den Öffnungszeiten in Lübeck. Quelle: Foto: Kai Dordowsky

Karstadt und andere große Einzelhändler trommeln bundesweit für mehr verkaufsoffene Sonntage. Gilt das auch für Karstadt Lübeck?

Kai Uwe Riedel: Selbstverständlich. Wir sind froh, dass wir vier Sonntagsöffnungen haben, auch wenn ich mir mehr Wahlfreiheit wünsche, wann diese stattfinden. Langfristig gesehen geht es aber um etwas Wichtigeres: Wir wollen, dass Händler, Mitarbeiter und Kunden ohne Bevormundung frei entscheiden können, ob sie sonntags öffnen, arbeiten oder einkaufen wollen.

Warum gehen Sie gerade jetzt in die Offensive?

Als Unternehmen konkurrieren wir mit dem reinen Online-Handel, der 20 Prozent seiner Umsätze sonntags macht. Und mit Outlet- Centern, die im grenznahen Ausland sonntags öffnen. Das betrifft vor allem Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Wir brauchen Chancengleichheit. Und schließlich stehen zunehmend ausländische Touristen sonntags vor verschlossenen Türen, bei denen zu einer Städtetour auch ein Einkaufsbummel gehört. Die kennen und verstehen diese Restriktionen nicht.

Welche Regelung schwebt Ihnen denn konkret vor?

Wir wollen wie gesagt Wahlfreiheit. Aber niemand will 52 Sonntage im Jahr öffnen. Eine Sonntagsöffnung muss zum Standort passen und aus kaufmännischer Sicht sinnvoll sein.

Welche würden Sie denn auswählen?

Im Januar wäre ein verkaufsoffener Sonntag beispielsweise sehr sinnvoll. Die Kunden könnten in Ruhe ihre Geschenkgutscheine ausgeben. Ausgerechnet in dieser Zeit gibt es in Lübeck aber keine Aktion, an die ein verkaufsoffener Sonntag gekoppelt werden könnte.

Die Lübecker FDP hat eine Debatte angestoßen, die Bäderregelung nicht nur in Travemünde, sondern in ganz Lübeck anzubieten.

Das ist sehr wichtig. Wir haben Sommerferien – und viele Touristen sind in der Stadt. Wie erkläre ich denen, dass sie sonntags in Travemünde einkaufen können und 20 Kilometer weiter südlich nicht? Auch Ausländer verstehen das nicht. Es ist wichtig, die Ausweitung der Bäderregelung anzusprechen, denn auch der Tourismus verändert sich. Dem müssen wir Rechnung tragen.

Verdienen Einzelhändler wie Karstadt an verkaufsoffenen Sonntagen tatsächlich so viel mehr als werktags?

Ja. Aber entscheidend ist: Die Menschen kommen nicht nur zum Einkaufen, sie nutzen dann auch Kulturangebote und gehen Essen. Und gerade in Lübeck, als Weltkulturerbe, steht das Flanieren im Vordergrund. Ich finde wichtig, dass die Innenstadt gestärkt wird und Leerstände vermieden werden.

Glauben Sie ernsthaft, dass Online- Kunden stattdessen sonntags bei Ihnen einkaufen?

Die allermeisten Kunden machen beides – online und im stationären Einzelhandel einkaufen. Und sie wollen auch beides ohne Bevormundung tun können.

Warum bietet der stationäre Einzelhandel seine Waren nicht auch online an?

Das machen wir doch. Aber wir wollen den Kunden die Wahlmöglichkeit anbieten.

Sind verkaufsoffene Sonntage nicht ein Wettbewerbsvorteil für die Großen?

Ich bin überzeugt davon, dass wir bei guter gemeinsamer Planung für alle etwas Gutes aus einer Sonntagsöffnung machen können. Sie sehen außerdem an dem Umgang mit den Ladenschlusszeiten unter der Woche, dass die Händler vernünftig mit einer Liberalisierung umgehen. Der eine öffnet bis 22 Uhr, der andere nicht.

Wenn Sie sonntags öffnen, steht da genauso viel Personal im Geschäft wie werktags?

Ja. Viele Mitarbeiter melden sich freiwillig. Sie erhalten 75 Prozent Sonntagszuschlag. Das ist eine gute Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen – und bei manchen passt die Sonntagsarbeit gut in ihre aktuelle Lebenssituation. Denn wir bieten neben dem finanziellen Zuschlag wahlweise auch einen Freizeitausgleich an.

Rechnet sich ein verkaufsoffener Sonntag trotz höherer Personalkosten?

Aber ja.

Werden Sie für mehr offene Sonntage Ärger mit Kirchen und Gewerkschaften riskieren?

Warum sollte es zu einem Thema, bei dem sich über 60 Prozent der Menschen eine Liberalisierung wünschen, Sprech- und Denkverbote geben? Wir wollen einen Diskurs. Dieser wird in Schleswig-Holstein ja aktuell auch geführt. Es ist doch wichtig, sich der veränderten Lebenswirklichkeit der Menschen anzupassen.

Eine Umfrage des Lübeck Managements hat ergeben, dass die Mehrheit der Lübecker Kaufleute sonntags nicht öffnen mögen. Können Sie sich das erklären?

Eine Liberalisierung bedeutet auch Wahlfreiheit. Niemand soll öffnen müssen. Ich glaube aber letztlich, dass sich auch diese Position in den nächsten Jahren erheblich ändern wird. Der Einfluss des Onlinehandels wird weiter zunehmen. Der Handelsverband Deutschland rechnet in diesem Zusammenhang in den kommenden Jahren mit bis zu 50 000 Pleiten. Das wird meiner Einschätzung nach gerade kleine und mittlere Händler treffen. Es ist Zeit, Antworten darauf zu finden.

Wenn nicht alle mitmachen, ist der verkaufsoffene Sonntag nicht eine Täuschung der Kunden?

Wenn wir die richtigen Termine abstimmen, werden etliche mitziehen.

Interview: Kai Dordowsky

Der Neue

Kai Uwe Riedel (45) ist gebürtiger Berliner, absolvierte eine klassische Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und durchlief bei Karstadt diverse Stationen. „Ich bin eine Karstadt-Pflanze“, sagt der Geschäftsführer, der zuletzt in Hannover tätig war und seit 1. April die Häuser in Lübeck leitet. Riedel ist Chef von rund 250 Mitarbeitern, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der neue Mann in der Breiten Straße folgt auf Gerd Kooske, der die Filiale seit 1. Juni 2014 leitete.

LN

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