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Lübeck Wird der Hindenburgplatz zum Helmut-Kohl-Platz?
Lokales Lübeck Wird der Hindenburgplatz zum Helmut-Kohl-Platz?
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18:18 07.07.2017
Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918 - 2015) mochte bekanntlich keine Visionen, dem vor drei Wochen verstorbenen Bundeskanzler Helmut Kohl (1930 - 2017) hätte zumindest diese gefallen: Lübecks Hindenburgplatz als Helmut-Kohl-Platz. Quelle: Foto: Felix König/montage: Schramm

Sein Vorstoß könnte neue Dynamik in eine seit Jahren verfahrene Debatte bringen. „Da Lübeck als Stadt an der ehemaligen Zonengrenze von der Wiedervereinigung in besonderem Maße profitiert hat, sollte zur Erinnerung an den großen Staatsmann Helmut Kohl eine Straße nach ihm benannt werden. Und dafür bietet sich der Hindenburgplatz an, der in ,Helmut-Kohl-Platz’ umbenannt werden könnte“, argumentiert Dr. Burkhart Eymer. Der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands St. Gertrud ist Bürgerschaftsmitglied für den Wahlkreis 19, in dem der Hindenburgplatz liegt.

„Ich halte dies für eine Schnapsidee", Thomas Rathcke FDP-Fraktionschef

Das Problem-Trio

Neunmal haben die Politiker des Interfraktionellen Arbeitskreises, der 2013 im Auftrag der Bürgerschaft gebildet wurde, getagt. Drei Straßennamen wurden als historisch problematisch identifiziert: Pfitznerstraße, Lenardweg und Hindenburgplatz.

Für Stadtarchiv-Chef Dr. Jan Lokers ist dies immerhin ein Lebenszeichen. „Denn die ganze Sache ist ziemlich ins Stocken geraten“, kommentiert er, ohne eine inhaltliche Bewertung abgeben zu wollen.

Lokers berät zusammen mit Historiker Dr. Jan Zimmermann den Interfraktionellen Arbeitskreis, der Anfang 2013 ins Leben gerufen wurde und historisch belastete Straßennamen in Lübeck überprüfen soll.

Durch diesen gibt es seit Längerem eine Empfehlung, die Pfitznerstraße, den Lenardweg und eben den Hindenburgplatz umzutaufen (die LN berichteten).

Eymer will nun am Montag mit seinem Diskussionsvorschlag in die Fraktionssitzung gehen. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) kann sich mit dem Gedanken durchaus anfreunden. „Es spricht nichts dagegen, einen Platz nach dem ,Kanzler der Einheit’ zu benennen“, sagt er. Doch üblicherweise warte man nach dem Tod einer Persönlichkeit einige Zeit ab, ehe man solche Benennungen vornehme.

Auch sein SPD-Parteifreund Jan Lindenau steht der Idee offen gegenüber. „Schließlich gibt es in Lübeck auch schon andere Orte, die bereits nach verdienten Bundeskanzlern benannt worden sind“, bemerkt der SPD-Fraktionschef. Ob es allerdings unbedingt der Hindenburgplatz sein müsse?, fragt er. „Möglicherweise bietet sich für den Namen ja auch eine Straße in einem Neubaugebiet an. Und wenn schon eine Umbenennung, dann nur mit ausreichender Anwohnerbeteiligung“, betont er.

Michelle Akyurt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, begrüßt Eymers Initiative. „Der Vorschlag bringt neuen Schwung in die Diskussion“, erklärt sie. Und: „Ich bin weiterhin für einen Konsens aller Parteien zu diesem Thema. Lieber wäre mir jedoch die stärkere Berücksichtigung von Frauen und Migranten bei der Benennung von Straßen.“ Das Andenken an Kohl mit einem Straßennamen zu ehren, findet auch Bruno Böhm, Fraktionschef Freie Wähler & Die Linke, gut. „Aber nicht den Hindenburgplatz. Es gibt andere Orte, die geeigneter sind“, stellt er fest.

FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke kann wiederum dem ganzen Ansinnen nichts abgewinnen. „Ich halte das für eine Schnapsidee. Helmut Kohl war zweifellos ein großer Europäer, aber in Lübeck fehlt doch der direkte lokale Bezug zu Kohl“, so sein Resümee. Und Carl- Wilhelm Howe von der GAL bemerkt ironisch: „Ich wäre nur unter der Bedingung dafür, dass man eine Ergänzungstafel mit der Aufschrift ,Der Kofferträger’ am Straßenschild anbringt“ – womit er auf die Spendenaffäre anspielt.

Karl-Heinz Haase, der 2012 die Debatte um den Hindenburgplatz angestoßen hatte, bemerkt: „Alles ist besser als Hindenburg. Und Helmut Kohl repräsentiert ein Deutschlandbild in der Welt, das in erfrischendem Gegensatz zu preußischem Militarismus und Hitlerverehrung steht.“

 Michael Hollinde

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